Zwischen Leidenschaft und Harmonie

Das Leonkoro Quartett und der Code der Liebe

16.12.2025 52 min Staffel 1 Episode 3

Zusammenfassung & Show Notes

Jonathan Schwarz und Mayu Konoe vom Leonkoro Quartett sprechen über ihr erstes Konzert im Rahmen von »string.« im Wiener Konzerthaus. Im Mittelpunkt steht Alban Bergs geheimnisumwobene »Lyrische Suite«, die eng mit seiner Liebe zu Hanna Fuchs verbunden ist und dem Ensemble besonders am Herzen liegt. Außerdem widmen sie sich Felix Mendelssohn Bartholdys frühem Streichquartett op. 13, das Anklänge an Ludwig van Beethovens Schaffen mit romantischen Elementen kombiniert, die einfach »typisch Mendelssohn« sind. 

Neben Klangbeispielen in der Rubrik »Die Lieblingsstelle« mit Ausschnitten aus beiden Werken hören Sie weitere Musikbeispiele – von Aufnahmeausschnitten des Leonkoro Quartetts bis zu Duo- und Soloklängen von Violine und Bratsche.

Wenn Jonathan Schwarz und Mayu Konoe »off stage« plaudern, erfahren Sie etwas über den Weg von der Programmauswahl bis zum Konzert und darüber, warum gutes Essen, ausreichend Schlaf und ein unterstützendes Management für Profimusikerinnen und -musiker unerlässlich sind. Zudem verraten sie, weshalb man für diesen Beruf auch eine gewisse Leidensfähigkeit braucht und was für sie die schönsten Aspekte ihrer Arbeit sind.

Sie haben eine ganz bestimmte Frage an das Leonkoro Quartett oder das Simply Quartet? Dann schicken Sie uns eine E-Mail an podcast@konzerthaus.at. Vielleicht ist Ihre Frage genau diejenige, die in einer der nächsten Folgen gestellt wird!

Show Notes:

Jonathan Schwarz und Mayu Konoe (Leonkoro Quartett) erzählen über Alban Bergs »Lyrische Suite« und Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett a-moll op. 13.
 
Hörempfehlung:
  • Alban Berg: Lyrische Suite: Leonkoro Quartett* (*Hinweis: Das Album erscheint Ende Jänner 2026, Ausschnitte daraus sind bereits in dieser Folge zu hören! Verwendung mit freundlicher Genehmigung der Künstler:innen sowie des Labels (fair-use-Regelung)
  • Felix Mendelssohn Bartholdy: Streichquartett a-moll op. 13: Alban Berg Quartett, Artemis Quartett, Quatuor Ébène

Transkript

Jonathan Schwarz
00:00:05
Da muss man irgendwie flexibel sein und auch leidensfähig sein. Und was mir zum Beispiel immer sehr hilft, am Tag des Konzerts einfach wirklich was Gutes essen zu gehen. Wenn man was Gutes gegessen hat, dann ist man erstens besser gelaunt und man tut sich auch selbst was Gutes. Also ich kann dann meistens am Abend dann auch die Leistung besser abrufen. Stringendo, der Podcast des Wiener Konzerthauses zum neuen Streichquartett -Zyklus String.
Moderation
00:00:42
Waren für Alban Berg wirklich nur zwölf Töne nötig, für Alban Berg wirklich nur zwölf Töne nötig, um mit seiner lyrischen Suite ein
Barbara Alhuter
00:00:48
Meisterwerk der Gattung zu schaffen? Und wovon ließ sich Felix Mendelssohn Bartholdi bei seinem frühen Streichquartett Opus 13 inspirieren? Diese und viele weitere Fragen sind Teil der dritten Folge von Stringendo, dem Podcast des Wiener Konzerthauses zum Streichquartett Zyklus String. Ich bin Barbara Allhutter, Redakteurin des Wiener Konzerthauses und ich begleite Sie in und durch die musikalische Welt des Simply Quartet und des Leon Choro Quartetts. Meine Gäste in dieser Folge sind Jonathan Schwarz und Mario Konoe, der erste Geiger und die Pratschistin des Leon Choro Quartetts. Wir sprechen über Ihren ersten Auftritt mit Ihrem Quartett im Zyklus String am 15. Jänner im Schubert -Saal des Wiener Konzerthauses. Und natürlich dürfen Sie sich, liebes Publikum, auch wieder auf exklusive Einblicke in das Leben und den Alltag der Künstlerinnen und Künstler sowie auf einen musikalischen Vorgeschmack auf das Konzert freuen. Lieber Jonathan, liebe Mario, ein herzliches Hallo nach Berlin! Und schön, dass ihr euch Zeit genommen habt für unser Gespräch. Vielen Dank, Vielen Dank, hallo. Bevor wir uns über das Konzertprogramm unterhalten, möchte ich mit euch noch einen Blick auf die Vorbereitung werfen. Offstage – Einblicke in das Leben
Jonathan Schwarz
00:01:59
und den Quartettalltag der Künstlerinnen und Künstler.
Barbara Alhuter
00:02:01
Diese Aufnahme des Beginns von Alban Berg's Lyrische Suite stammt von eurem neuen Album, das Ende Jänner erscheinen wird.
Moderation
00:02:15
Und der Ausschnitt ist zugleich ein Vorgeschmack auf euer erstes
Barbara Alhuter
00:02:51
Stringkonzert. Wie habt ihr denn die Programme für die Zykluskonzerte festgelegt, Jonathan? Ja, die Programme sind so entstanden, dass wir uns natürlich auch orientiert haben an den Repertoire, was wir in der Saison sozusagen vorbereitet haben. Also das sind meistens... Zwischen neun und zwölf Werken schätze ich jetzt mal in einem
Jonathan Schwarz
00:03:11
Jahr, die wir anbieten können. Und da haben wir uns natürlich irgendwie Kombinationen herausgesucht, die uns besonders gefallen haben und auch Werke, mit denen wir uns besonders wohlfühlen und auch die uns wichtig sind, sie zu präsentieren. Und vor allem für unseren Einstand jetzt im Januar lag uns der Berg zum Beispiel sehr am Herzen. Den haben wir schon letzte Saison. oft gespielt und es ist ein Werk, was wirklich ein Schlüsselwerk für unsere ersten fünf, sechs Jahre ist. Und deswegen haben wir gedacht, das ist eigentlich etwas, was wir dort unbedingt spielen müssen. Und die Programmfixierung ist ja das eine, davor steht aber das künstlerisch Essentielle, nämlich die Erarbeitung der Musik. Wie kommt man denn vom Alleineüben in den eigenen vier Wänden zum buchstäblich stimmigen Quartettklang -Maju? Also man bereitet sich selbst so vor, dass man seine eigene Stimme überzeugend spielen kann.
Barbara Alhuter
00:04:00
Und dann setzt man das zusammen in der Probe. Für die Quartettklang kommt es am Ende schon, glaube ich, darauf an, wie lange man zusammen gespielt hat. Weil über den gesamten Klang muss man irgendwann auch dann nicht
Mayu Konoe
00:04:16
mehr reden. Man hat dann gefunden, deine eigene Stimme zusammen. Dann reagiert man auch irgendwann, wenn es in der Probe dann anders ist oder im Quartett. Und das Schöne ist, dass man dann auch sprechen kann, wenn man sich nicht einig ist. Und mit welcher Art von Notenmaterial arbeitet ihr? Also Einzelstimmen, Partituren, wie macht ihr das? Tatsächlich beides. Wir fangen mit der Partitur an, damit man alles mitlesen kann. Man muss dann nicht jeden Tag fragen, was für Dynamik hast du denn da? Musst du da wirklich so laut spielen? Aber vor dem Konzert. übertragen wir das alles auf die Einzelstimme, weil wir auch
Barbara Alhuter
00:04:54
gemerkt haben, dass man besser zuhört, wenn man nicht alles mitlesen kann und weil wir auch aus Papiernoten spielen wollen.
Mayu Konoe
00:05:02
Hattet ihr schon mal die Situation, dass ihr einen Blick auf das Autograf, also auf das handschriftliche Original des Komponisten, der Komponistin geworfen habt, um letzte Fragen zu klären? Ja, also... Wenn es die gibt, gucken wir da eigentlich immer rein. Und wenn man sich interpretatorisch nicht sicher ist, ob das jetzt ein Akzent ist oder ein Crescendo, also ob das Zeichen jetzt, was das wirklich ist, dann guckt man da rein und
Barbara Alhuter
00:05:26
entscheidet man dann selbst. Es ist ja auch... Irgendwie immer sehr schön, das zu sehen, wie die Handschrift des Komponisten Vauda Vias eigentlich dann wirklich geschrieben hat,
Mayu Konoe
00:05:36
weil in einem Druck ist es natürlich exakt geschrieben. Es ist festgelegt, es ist millimetergenau. Sieht man, wo das Crescendo anfängt, zum Beispiel, wenn wir jetzt bei der Dynamik bleiben wollen. Und wenn man dann ins Autograph schaut, da kann man dann sehen, wie genau das wirklich geschrieben ist oder mit welcher...
Jonathan Schwarz
00:05:54
Intention und mit welcher Intensität diese Dynamik dorthin geschrieben ist und so. Das ist ja alles bei einem Druck immer gleich. Es ist ja angeglichen sozusagen, die Handschrift. Und das ist natürlich auch extrem interessant zu sehen, mit welchem Schwung oder mit welcher Art von Schreibstil der Komponist da seine Markierungen gemacht hat. Arbeitet ihr auch mit Urtextausgaben? ihr auch mit Urtextausgaben? Klärung für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer, die vielleicht nicht so sehr mit der Materie vertraut sind, das sind historisch kritische Ausgaben, die den Notentext möglichst originalgetreu, ohne spätere Umarbeitungen, Zusätze oder auch Weglassungen abbilden. Ja, auf jeden Fall. Das ist eigentlich das, worauf wir uns immer stützen und womit wir arbeiten. Also ich glaube auch, dass heutzutage die allermeisten Verlage mit Urtext arbeiten. Natürlich haben wir alle die Noten von unseren Eltern im Notenschrank liegen. Also keine Urtextausgaben, wo Strichvorschläge, Fingersätze, andere Dynamiken als eigentlich im Autograf geschrieben vorgeschlagen
Barbara Alhuter
00:06:46
werden. Aber heutzutage ist... eigentlich der Standard, dass man mit Urtext arbeitet. Deswegen ist das für uns selbstverständlich. Und inwieweit spielen auch für die Werkeinstudierung Referenzaufnahmen eine Rolle, Margot? Ich glaube, für viele Stücke gibt es auch eine Aufnahme, glaube, für
Jonathan Schwarz
00:07:02
viele Stücke gibt es auch eine Aufnahme, womit man aufgewachsen ist. Zum Beispiel Wenderson, die auch wirklich sehr beliebt ist und viel gespielt wird. Man hat natürlich selbst schon ein bisschen in Richtung, wie man das Stück so kennt. Wir versuchen, Aber auch sonst, nicht immer, aber wir versuchen auch ein paar Aufnahmen zusammen anzuhören und zu wissen, wer das gerade spielt. Und man nimmt dann daraus, was man mag und was man nicht mag. Wer mag es? Vielleicht mag jemand was anderes.
Barbara Alhuter
00:07:35
Aber bisher haben wir uns eigentlich immer geeinigt. Und lasst uns jetzt auch einen Blick auf das Leben im Quartett werfen. Euer Ensemble wird ja von einem
Mayu Konoe
00:07:43
Management unterstützt. Welche Aufgaben übernehmen das denn konkret? Also die übernehmen für uns die ganze Tourneeplanung, Konzertplanung. Die haben natürlich die besten Kontakte, sich über Jahrzehnte aufgebaut zu Konzertveranstaltern und Festivals und wissen ganz genau, an welchen Tagen welche Konzertreihe stattfindet sozusagen. Ja, sind unsere absoluten essentiellen Partner eigentlich in der ganzen Geschichte. Ja, es ist eine Symbiose. Also wir sind sehr glücklich, sie zu haben. Und die Aufgaben sind die Konzertplanung, die Terminplanung. Aber wir haben auch... Natürlich die Funktion, uns zu schützen, dass wir nicht zu viel machen. Sie sind karriereberatend, sie
Barbara Alhuter
00:08:16
sind ein ganz wichtiger Teil von uns. Ohne die geht es nicht. Natürlich sind da auch noch ganz viele kleinere Aufgaben dabei, wie was wollt ihr vorfinden, wenn ihr
Jonathan Schwarz
00:08:28
im Konzertsaal ankommt. Solche Sachen wird von denen dann auch organisiert. Die Kommunikation mit den Veranstaltern zum Beispiel wird komplett von denen übernommen, sodass wir so wenig wie möglich an Kommunikationsarbeit aufnehmen. auch leisten müssen und uns wirklich voll darauf konzentrieren können, zu proben, Musik zu machen. Aber ich stelle mir vor, ich stelle mir vor, da bleiben trotzdem noch einige organisatorische Dinge für euch übrig. Wie ist denn da eure Aufgabenverteilung in der Gruppe, Mario? Also neben Üben und Spielen haben wir natürlich die E -Mails -Formmanagement, neben Üben und Spielen haben wir natürlich die E -Mails -Formmanagement, die wir beantworten müssen. Die E -Mails generell werden auch unterteilt in Sprachen und vom Management und vom Publikum zum Beispiel. Also ziemlich viele E -Mails. Und dann gibt es nicht Reisen, die gebucht werden müssen. Das machen wir aber einzeln, weil wir alle einen... eigene Präferenzen haben, wann wir irgendwo ankommen wollen. Vielleicht möchte jemand noch die Stadt sehen und jemand hat das schon genug gesehen und möchte irgendwo anders Mittagessen. Also das machen wir selbst, einzeln. Naja, wir haben natürlich auch
Barbara Alhuter
00:09:35
viele Kontakte, die jetzt nicht so viel mit dem Management zu tun haben zum Beispiel. Also unsere Mentoren zum Beispiel oder auch Kontakte zu Verlagen oder Stiftungen oder zur Ja, das sind natürlich alles Sachen, die da auch noch Hochschule zum Beispiel, wenn man auch unterrichtet.
Mayu Konoe
00:09:47
dazukommen, aber am Ende... Auch noch den Finanzminister natürlich. noch den Finanzminister natürlich. Ja, natürlich. Ja, natürlich. Die steuerlichen Angelegenheiten, die mache zum Beispiel ich, das ist natürlich, oder die Buchhaltung, sagen wir es mal so, und dann muss jedes Ticket sozusagen eingepflegt werden. Also es ist schon so, dass 50 Prozent des Berufs irgendwie schon auch viel Administration und Computerarbeit und so ist, aber mir persönlich macht das auch Spaß und ich freue mich. irgendwie auch immer, wenn dann wieder Ordnung hergestellt ist. Aber klar, das ist natürlich schon ein großer Teil des Berufs.
Jonathan Schwarz
00:10:23
Und eure Konzerte des Zyklus String werden ja auch von euch moderiert. Wer übernimmt denn diesen Part üblicherweise? Oder steht schon fest, wer am 15. Jänner beispielsweise moderieren wird? Das steht noch nicht fest tatsächlich, da müssen wir uns noch besprechen. Also Sie können sich überraschen lassen. Schnuppern wir jetzt in euren Alltag ein bisschen hinein.
Mayu Konoe
00:10:39
Kannst du, Maju, schildern, wie so
Jonathan Schwarz
00:10:41
ein typischer Tag im Leben des Leon -Coro -Quartetts in Berlin verläuft? Also wo probt ihr, wie läuft das ab? Also wir proben immer nachmittags, wir proben immer nachmittags, damit man vormittags üben kann. Das ist eigentlich der Regel. Und wenn jemand dann doch was nachmittags einen Termin hat, dann sind wir da sehr flexibel. Aber generell ist es uns sehr wichtig, dass wir die Zeit haben, selbst zu üben. Deswegen, da planen wir. Viereinhalb Stunden ein, inklusive Pause. Das ist dann plus, natürlich plus, minus. Keine Ahnung, zehn Minuten.
Barbara Alhuter
00:11:10
Das ist natürlich auch alles flexibel. Wir proben zurzeit zu Hause. Mittlerweile geht das natürlich auch langsam nicht mehr in den Hochschulen. Es ist sehr praktisch, einen eigenen Platz zu haben, wo man Sachen liegen lassen kann.
Jonathan Schwarz
00:11:22
Notenständer, Mikrofon. weil wir uns gerne aufnehmen beim Proben. Bevor ihr am 15.
Barbara Alhuter
00:11:27
ihr am 15. Jänner dann im Konzerthaus zu erleben seid, spielt ihr ja davor in mehreren deutschen Städten, auch in Amsterdam, Bilbao, Turin, Paris, Basel. Wie gestaltet sich denn euer Leben auf Tournee, Jonathan? Ja, das Leben auf Tournee ist natürlich etwas, was man lernen
Mayu Konoe
00:11:40
muss und worum man... Ja, worin wir, glaube ich, aber auch besser geworden sind. Da geht jeder mit ganz anders um. Es gibt entspannte Tourneen, es gibt aber auch anstrengende Tourneen und das hängt nicht unbedingt immer davon ab, wie lange die Konzertreise ist, sondern ob Sachen klappen, also ob die Zugverbindung klappt, ob der Flug verspätet ist oder nicht. Ob man in der Nacht im Hotel gut schlafen konnte oder nicht, das sind alles Sachen, die kann man nicht so gut vorher planen. Da muss man dann irgendwie einfach auch einen Plan haben, was macht man, wenn das passiert. Da muss man irgendwie flexibel sein und auch leidensfähig sein. Und was mir zum Beispiel immer
Barbara Alhuter
00:12:27
sehr hilft, am Tag des Konzerts einfach wirklich was Gutes essen zu gehen. Wenn man was Gutes gegessen hat, dann ist man erstens besser gelaunt und man tut sich auch selbst was Gutes. Also ich kann dann meistens am
Jonathan Schwarz
00:12:40
Abend dann auch die Leistung besser abrufen, als wenn man irgendwie zwischendurch am Bahnhof sich noch irgendwo eine Brezel holt. Das funktioniert für mich jetzt nicht so unbedingt. Also da gibt es bestimmte Sachen, die sind einfach sehr wichtig und jeder priorisiert sie anders. Also der eine braucht vielleicht noch ein kleines Nickerchen im Hotel, egal wie spät man dann ankommt. Oder man muss sich gut einspielen. Das ist mir zum Beispiel auch sehr wichtig, dass ich meine Tonleitern und alles schaffe bevor dem Konzert. Ansonsten fühle ich mich nicht wohl. Also das sind alles Sachen, die haben wir natürlich auch über die letzten Jahre jeder so ein bisschen gelernt und man macht da seine guten und schlechten Erfahrungen. Da wo es geht, wo es geht, mögen wir alle Mittagsschlaf zu machen. machen. Ist Lampenfieber überhaupt noch ein Thema für euch, überhaupt noch ein Thema für euch, Maju? Ja, klar. Ich glaube, das ist ganz normal. Und es ist nicht, dass es ganz weggeht, sondern dass man irgendwann einfach besser damit umgehen kann. Und natürlich kommt es immer darauf an, was für ein Konzertsaal oder was für ein Debüt es gerade ist. Ich glaube mittlerweile, dass wir gut damit umgehen können. Jeder ist bei anderen Konzerten irgendwie aufgeregt. Manchmal sagt einer, ich war heute unglaublich aufgeregt. Da dachte ich so, echt, habe ich nicht gemerkt oder ich überhaupt nicht. Und ich meine, jeder projiziert da natürlich auch so etwas rein in jedes Konzert. Und für manche sind es die großen Säle. Für manche ist es der Ort, wenn man Leute kennt, also wer im Publikum sitzt. Manchmal ist es einfach... Ohne Grund, das kann man so schlecht beeinflussen und man weiß es leider auch immer erst dann, wenn man auf die Bühne tritt. Aber man kann sich natürlich ganz gut vorbereiten. Also ich hatte zum Beispiel auch
Mayu Konoe
00:14:18
vor unserem Debüt in der Berliner Philharmonie echt Schwierigkeiten, schon Monate im Voraus. Und ich habe mir dann einen
Barbara Alhuter
00:14:25
Mentalcoach geholt und mit ihm daran gearbeitet und mich darauf
Mayu Konoe
00:14:27
vorbereitet. Und ja, weil ich natürlich viel da rein projiziert habe. sag ich mal, in unserer Wahl Heimat Berlin, aber trotzdem fühlt es sich wie Heimat an, spielt, ist es natürlich irgendwie immer was Besonderes, weil da natürlich deutlich mehr Leute kommen, die man kennt als in anderen Städten. Und ich bin da auch ganz offen, natürlich.
Jonathan Schwarz
00:14:48
Ich bin sehr oft sogar aufgeregt und ich glaube auch nicht, dass es was Schlechtes ist. Es zeigt ja, dass es einem wichtig ist. Ja, manchmal wünsche ich mir natürlich, dass man das besser unter Kontrolle hätte oder dass es manchmal... Es ist natürlich schade, wenn es dann manchmal... dazu führt, dass es dann auch so eine negative Aufregung ist. Also es gibt ja, genau. Aber das ist leider etwas, womit man als Musiker oder als Künstler einfach umgehen muss. Und ich habe da einfach auch die Hoffnung, dass es mit der Zeit sich bessert. Es ist sowieso so gewesen, dass es jetzt vielleicht vor zwei Jahren war es bei mir nicht so schlimm. Aber jetzt in letzter Zeit zum Beispiel ist es wieder ein bisschen mehr geworden. Also es ist, glaube ich, auch etwas, was so ein bisschen in Wellen geht, kommt und geht. Die Aufregung ist einfach eine andere, würde ich sagen, auch. als jetzt im Vergleich zu den Wettbewerben, die wir gemacht haben. Also da war die Aufregung wirklich so, dass der Bogen gezittert hat und die Beine waren schwach und alles. Und jetzt ist es eine ganz andere Aufregung, weil es ist mehr so eine Aufregung, die ins Existenzielle geht, weil natürlich das Quartettspielen jetzt unser Beruf ist und da unsere Existenz auch dran hängt und man da ganz andere Gedanken hat als beim Wettbewerb. Ja, wo wir natürlich noch ganz andere Möglichkeiten auch gehabt hätten, also neben dem Quartett. Und wenn es schiefgegangen wäre sozusagen, also was heißt schiefgegangen, aber wenn es nicht so gut gelaufen wäre, dann wäre das nicht der Untergang der Welt gewesen. Und habt ihr ein Ritual vor Konzerten, sowohl persönlich als auch in der Gruppe? Im Quartett zusammen? Wir stimmen. Kurz vor dem Konzert. Und natürlich haben wir die Generalprobe, aber ich glaube, die meisten Radioheimen machen wir einzeln. Also, wie gesagt, wir schlafen, glaube ich, sehr gerne davor, wenn es geht, am Tag noch. Also wir haben früher, als wir angefangen haben, haben wir wirklich... Kurz davor nochmal so fünf Minuten haben wir davor nochmal wirklich was gespielt, langsam den Anfang oder so. Das haben wir aber irgendwann nicht mehr gemacht, weil dann doch irgendwie jeder, man wollte dann doch so ein bisschen seine eigenen Stellen nochmal so ein bisschen üben und so. Und deswegen ein wirkliches Ritual hat, ich glaube jeder macht das so ein bisschen auf seine Art, aber zusammen haben wir jetzt kein Ritual. Und was macht für dich einen gelungenen Auftritt aus, Mario? Wenn man... Im Konzert so spielen konnte, wie man sich das vorgestellt hat. Das klingt ein bisschen egoistisch, aber das ist gar nicht selbstverständlich. Deswegen, wenn man sich so befreit gefühlt hat, dass man so spielen konnte, wie man das auch geübt hat. Ja, natürlich, wenn das Publikum das auch toll fand und man irgendwie gespürt hat, dass man eine Kommunikation aufbauen konnte. Auch wenn manchmal die eigenen Fehler einen sehr ärgern. Ja, es ist schwierig. Man geht selten aus einem Auftritt
Barbara Alhuter
00:17:22
heraus und sagt, heute war es wirklich super gut. Aber die Kommunikation mit dem Publikum spielt auch eine Rolle,
Mayu Konoe
00:17:33
die Kommunikation mit dem Publikum spielt auch eine Rolle, würde ich sagen. ich Dieses Bühnengefühl, das macht es auch natürlich aus. Von dir, Jonathan, haben wir ja in der Pilotfolge schon erfahren, dass das Musizieren im
Jonathan Schwarz
00:17:48
Familienverband auch sehr prägend für dich war. Wie war das denn bei dir, Mario? Ist dir die Musik buchstäblich in die Wiege gelegt worden? War es ein vorgezeichneter Weg? Ich glaube, ich bin tatsächlich extrem fein. Mein Urgroßvater hat damals das erste Orchester in Japan gegründet, was jetzt das NHK Symphony Orchestra ist. Also der war Dirigent. Opa war Dirigent, meine Oma war Geigerin, mein Vater spielt Fagott und meine Mutter ist Geigerin und mein Zwillingsbruder spielt Bratsche. Also es war fast selbstverständlich. Ich meine, Jonathan hat sehr viel Musik gemacht mit der Familie
Barbara Alhuter
00:18:11
zusammen, das ist bei uns ein bisschen schwerer. Ich habe natürlich früher auch mit Geiger angefangen, mein Bruder
Mayu Konoe
00:18:17
auch. Drei Geigen und Fagott ist eine sehr schwierige Besetzung. Natürlich ein paar Weihnachtsmusik in der Schule, aber wirklich zusammengeschrieben. Ich habe natürlich sehr viel zusammengeschrieben mit meinem Bruder. Die Geigenduos und jetzt spielen wir auch im Januar wieder Sexet zusammen mit dem Quartett.
Jonathan Schwarz
00:18:32
Das ist natürlich wirklich sehr schön. Und was liebst du heute am meisten an deinem Beruf als Profimusikerin? Es gibt sehr viel zu lieben, aber das, was wirklich sehr besonders ist, so vielen Freunden, Kollegen, so viel zusammen machen kann. Natürlich im Quartett ist das extrem, aber ganz generell, sei es Kamermusik, sei es zusammen im Orchester, wenn man das so lange macht und so lange alleine gemacht
Mayu Konoe
00:19:02
hat, vor allem, man ist so viel alleine im Übezimmer gewesen während des Studiums, dass man das mit anderen teilen kann.
Barbara Alhuter
00:19:08
Natürlich beim Zusammenspielen, aber auch mit dem Publikum. Das ist, finde ich, was ganz, ganz Besonderes. Und was ist für dich das Schwierigste in deinem Beruf, Jonathan? Ja, das Schwierigste finde ich eigentlich, was auch gleichzeitig für mich das Schönste ist, und zwar, dass man nie fertig ist.
Mayu Konoe
00:19:23
Also die Arbeit ist endlos und man kann an einem Werk immer weiter in die Materie. hineindringen und immer weiter daran arbeiten. Und jeden Tag wieder was Neues und jedes Jahr auch wieder denkt man ganz anders über das Werk. Und das ist eigentlich das Schwierigste, aber auch gleichzeitig das Schönste an dem ganzen Beruf des Musiker - oder Künstlerseins, weil man kann sich irgendwie fast nie zufrieden geben. Man ist nie selbst zufrieden. ist nie selbst zufrieden. Das ist tatsächlich auch das Schöne, weil man kann sich immer verbessern. Es gibt keine Perfektion. Aber man ist dann halt auch nie zufrieden. Der Kurzfragenblock. Nun zum Kurzfragenblock unseres Stringendo -Podcasts. Was fällt euch denn spontan zu folgenden fünf Begriffen ein? Lieber Jonathan, magst du starten? Gut. Erster Begriff, Tradition. Orchester. Zweitens. Gegenwart. Kulturabbau. Drittens, Lebenstraum. Beethoven -Zyklus.
Barbara Alhuter
00:20:21
Viertens, Theorie. Dann sage ich mal, Trugschluss. Und fünfter Begriff, Freizeit. Brettspiele.
Mayu Konoe
00:20:25
Vielen Dank und nun zu dir, Mario. Erster Begriff, Moderne. Offensein. Zweitens, Zukunft. Spannend. Drittens, Vorbilder. Inspiration. Viertens, Praxis und zwar als Gegenpart zur Theorie. Intuitiv. Fünftens Entspannung. Schlafen. Vielen Dank. On Stage. Ein Blick auf die Entstehungsgeschichte und die Aufführungshistorie der Werke Bergs und Mendelssohns im Wiener Konzerthaus. Nach der Zykluseröffnung am 21. November, die das Simply Quartet bestritten hat, präsentiert ihr beim zweiten Zykluskonzert am 15. Jänner Alban Bergs Lyrische Suite für Streichquartett, namentlich eines von zwei Streichquartetten aus der Feder Alban Bergs, das als Meisterwerk der Gattung gilt, und
Barbara Alhuter
00:21:07
Felix Mendelssohn Bartholdis Streichquartett A -Moll Op. 13. Beginnen wir mit Alban Berg.
Jonathan Schwarz
00:21:11
Wir haben zuvor einen Ausschnitt aus dem ersten Satz gehört, hören wir nun auch in den Beginn des zweiten Satzes hinein. Es handelt sich ebenfalls um eure Einspielung. Alban Berg, lyrische Suite für Streichquartett. Das sechssätzige Streichquartett entstand zwischen 1925 und 1926, also 16 Jahre nach dem ersten Streichquartett. Es gilt als Meisterwerk der Gattung und der Moderne. Berg bezeichnete es als kleines Denkmal einer großen Liebe. Der Widmungsträger ist offiziell Alexander von Semlinski, dessen lyrische Symphonie bestimmt auch Vorbild für Berg war. Die innere Widmung galt jedoch einer Frau, mit der Alban Berg eine geheime Liebesbeziehung verbannt.
Mayu Konoe
00:21:47
Hanna Fuchs -Robetin. Sie ist die Schwester des Schriftstellers Franz Werfel und die Gattin eines Industriellen. Zudem hatte sie zwei Kinder. Sie hat mir, meine Hanna, auch noch andere Freiheiten gelassen,
Moderation
00:22:07
zum Beispiel die, in dieser Musik immer wieder unsere Buchstaben H,
Barbara Alhuter
00:22:13
F und A, B hinein zu Geheimnissen, jeden Satzteil und Satz in Beziehung zu unseren Zahlen 10 und 23 zu bringen.
Jonathan Schwarz
00:22:27
Noch Jahre später, im Oktober 1931, erreicht ein sehr leidenschaftlicher Brief Albernbergs Hanna Fuchs.
Barbara Alhuter
00:22:34
Denn in den letzten Monaten hat sich in mir immer mehr eine fürchterliche Befürchtung befestigt. Du könntest glauben, dass meine Liebe zu dir erkaltet sei, dass auf dem Wege über die jahrelange Resignation aus meiner, mein ganzes Sein beherrschenden Leidenschaft, Gleichgültigkeit
Moderation
00:23:07
geworden ist. Das konnte nie geschehen, denn ein solches, nur mit den Maßen der Ewigkeit zu messendes Gefühl, kann
Barbara Alhuter
00:23:18
kein Ende haben. Und es wird nie geschehen. Die Liebesaffäre zwischen Alban Berg und Hannafuchs wurde erst etwa 50 Jahre später entschlüsselt. Durch die handschriftlichen Anmerkungen in der Taschenpartitur, die im Besitz der Familie Hannafuchs war. Uraufgeführt wurde die lyrische Suite für Streichquartett am 8. Jänner 1927 in Wien durch das Kolischquartett. Das Publikum war begeistert von der Expressivität des Werkes. Theodor Adorno sprach von einer latenten Oper und ließ die Rätsel um das geheime Programm des Werkes lieber Rätsel bleiben. Die Erstaufführung im Wiener Konzerthaus erfolgte am 23. März 1933 durch das Kolisch -Quartett.
Moderation
00:24:29
1972 wurde es erstmals vom Albernberg -Quartett aufgeführt. Bisher wurde die Lyrische Suite für Streichquartett von Albernberg ganze 38 Mal im Wiener Konzerthaus aufgeführt, 26 Mal davon vom Albernberg -Quartett. Außerdem Vom Hagen -Quartett, Arditi und Belcher -Quartett. Jonathan, in der Pilotfolge des Podcasts hast du schon ein bisschen etwas über die Besonderheiten von der Lyrischen Suite gesprochen. Kannst du denn zentrale Themen und Emotionen nennen, die in der Lyrischen Suite ausgedrückt werden? In der Lyrischen Suite wird das Seelenleben eigentlich von Albert Berg nach einer Affäre oder Begegnung mit einer verheirateten Frau verarbeitet. Und deswegen die Themen, die dort oder Emotionen, die dort vorkommen, haben halt sehr viel mit Liebe und mit einer Beziehung zwischen zwei Menschen zu tun und dann auch dem danach folgenden Liebeskummer und der Verzweiflung zu tun haben. Genau, du hast deine Affäre mit Hanna Fuchs schon. Wie spiegelt sich denn Bergs persönliches Leben und seine Beziehung zur Musik auch in diesem Werk wieder? Jeder Satz handelt von einer unterschiedlichen Situation in dieser Affäre. Also im ersten Satz geht es um die erste Begegnung in Prag, also ein nettes Kennenlernen und sich begrüßen. Und deswegen ist die Musik auch eher, ja, er schreibt Giovale und es ist ein bisschen hemdsärmlich, haben wir es beschrieben und sehr. Naja, irgendwie noch aufgeschlossen und auch irgendwie positiv. Und im zweiten Satz überschreibt er das zum Beispiel, dass er beschreibt Hanna Fuchs in diesem Satz und ihre beiden Kinder. Und also ein sehr liebevolles Thema, amoroso. Also es ist wirklich ein sehr thematisch und programmatisches Werk. Der dritte Satz ist geheimnisvoll, flüsternd sozusagen, dass es ja nicht herauskommt und das Geheimnis sozusagen bewahrend. Und das Tolle ist, dass es eine Handpartitur gibt, in der Berg all diese Sachen, was er damit gemeint hat, aufgeschrieben hat, was erst viel später herauskam. Ich glaube, die ist sogar in der österreichischen Nationalbibliothek hinterlegt und ist auch online einsehbar. Es sind ein paar Geheimnisse auch in der Musik. Alban Berg hat ja auch selbst geschrieben, er hat immer wieder etwas in die Musik hineingeheimnist. wie er es bezeichnet hat. Wie hat er das denn gemacht? Also es ist ein bisschen jetzt sehr theoretisch. Er arbeitet halt da viel mit sogenannten Codes und auch mit der Zwölftonreihe.
Barbara Alhuter
00:27:37
Ich habe mir das irgendwann mal alles auch aufgeschrieben, in meinen Noten. Und er benutzt halt sehr oft die Tonfolge zum Beispiel B, A, F, H, also Berg, Alban, Fuchs, Hanna zum Beispiel. Und das ist ein zentrales Motiv im
Jonathan Schwarz
00:27:53
ganzen Werk. Das ist so versteckt oft, dass man es gar nicht merkt, wenn man es spielt, außer man analysiert es eigentlich mal wirklich. Welche Rolle spielt denn die Struktur der Suite in der Gesamtkonzeption? Rolle spielt denn die Struktur der Suite in der Gesamtkonzeption? Ich bin der Meinung, bin der Meinung, dass auch diese sechs Sätze, warum es sechs Sätze hat, wieder ein... ein Geheimnis hat,
Barbara Alhuter
00:28:17
und zwar, dass Berg darin auch wieder einen Geheimcode senden wollte an Hannah Fuchs, eine Art Liebesgeständnis. Ich bin sehr davon überzeugt, dass auch diese sechs Sätze einen
Jonathan Schwarz
00:28:27
biografischen Hintergrund haben und nicht unbedingt einen sozusagen historischen Suite -Hintergrund. Hat Alban Berg wirklich nur zwölf Töne für seine lyrische Suite gebraucht? Und kannst du vielleicht auch jenen Hörerinnen und Hörern? die mit der Materie noch nicht so vertraut sind, die diesen Begriff vielleicht nicht so gut kennen, erklären, was es damit auf sich hat. Schönberg war ein ganz großer Vorreiter und die Grundidee, wenn man es ganz grob sagen möchte, ist, dass kein Ton sich wiederholen darf, bevor nicht alle anderen Töne der Zwölftonreihe einmal erklungen sind. Wenn man mit diesem Konzept arbeiten möchte, muss man erstmal eine 12 -Ton -Reihe sich überlegen. Also nicht nur einfach eine Tonleiter, sonst wären es ja nur Tonleitern hintereinander. Sondern es muss eine Reihe von den 12 Tönen, die verfügbar sind. Also es sind ja 12 Töne verfügbar auf der Klaviatur. Und wenn man mit einem C anfängt beispielsweise, müssen danach erstmal alle anderen Töne einmal erklungen sein. das nächste Mal das C wieder klingen darf. Bei Berg ist es so, dass er sich nicht ganz streng daran hält.
Barbara Alhuter
00:29:36
Also er bricht aus dieser Idee auch dann aus. Aber direkt am Anfang, im ersten Satz zum Beispiel, gibt es mehrere zwölf Tonreihen, die wir dann auch sehr versucht haben
Jonathan Schwarz
00:29:45
herauszubringen. Das klingt jetzt erstmal relativ abstrakt, aber gleich im zweiten Takt komponiert daraus Berg mit dem richtigen Rhythmus eine tolle aufsteigende Linie. Und die werde ich jetzt einmal vorspielen. Welche Herausforderungen hält denn das Werk für euch als Interpretinnen und Interpreten konkret bereit, liebe Mario? weil er natürlich so ein Konzept hatte, sehr spezifisch mit seinen Bezeichnungen. Das heißt zum Beispiel, in dem vierten Satz steht ja Appassionato, also das ist der leidenschaftliche Satz. Das heißt, davor ist es natürlich leidenschaftlich, aber man darf die Emotionen nicht überemotional werden, weil das kommt ja noch. schon sehr schwer, das ist Amoroso.
Barbara Alhuter
00:30:21
In dem zweiten Satz fand ich das Und halt nichts zu emotional. Oder da steht flüchtig, aber man
Jonathan Schwarz
00:30:25
muss ja trotzdem noch hören. Und ich muss zugeben, dass auf der Bratsche komme ich selten in so eine hohe Lage auf dem Instrument. Also ich kann manchmal Heidenquartette in der ersten Lage spielen, komplett. Und dass man dann technisch so, das ist auch das Spannende. und das, was natürlich auch Spaß macht. Aber das ist ganz anders.
Barbara Alhuter
00:30:52
Was sind einige der wichtigsten Einflüsse auf Berg's Kompositionsstil, die in der Lyrischen Suite sichtbar sind? Ja, wie wir gerade ja schon thematisiert haben, ist natürlich ganz offensichtlich die Zwölftonmusik, die einen großen Einfluss auf ihn hatte. Und aber auch die freie Artonalität, wo zwischen er immer ein bisschen herumspielt.
Jonathan Schwarz
00:31:06
Also das sind so die zwei signifikanten Eigenschaften, würde ich sagen, in Bergsmusik. Er zitiert aber auch Zemlinski, dem das offiziell gewidmet ist. Ja, das stimmt. Und den Tristan -Akkord. Ja, Ja, das stimmt. das stimmt. Das ist wirklich super interessant. Das ist wirklich super interessant. Ein absoluter Aha -Moment. Ein absoluter Aha -Moment. Im sechsten Satz. kommt ganz kurz der Tristan -Akkord, der natürlich einen unglaublichen Einfluss auf Musikgeschichte und alle hatte. Und aber auch nochmal irgendwie diesen Liebeshintergrund des ganzen Werkes nochmal bekräftigt. Und auch diese Dramatik und die, ja eigentlich ist es am Ende auch eine Art Liebestod, den er da erfährt. Also das ist schon für uns ein unglaubliches Werk, ein musikgeschichtlich extrem bedeutendes Werk. Rund 100 Jahre vor Albanbergs Lyrische Suite entstand Mendelssohns Streichquartett Opus 13. Felix Mendelssohn Partholdi, Streichquartett in A -Moll, Opus 13. Dieses Werk entsteht 1827. Mendelssohn Bartholdy ist damals 18 Jahre alt und es zählt als ein erstes vollgültiges Quartett. Es wird allerdings als zweites bezeichnet, da es später veröffentlicht wurde als das 1829 komponierte Quartett Opus 12. Im Juni 1827 komponierte Mendelssohn ein Gedicht und ein Lied mit dem Titel Frage, ist es wahr? Opus 9 Nummer 1.
Barbara Alhuter
00:32:44
Der Grund war... Er war verliebt in Betty Pistor. Betty war die Tochter der Berliner
Mayu Konoe
00:32:54
Nachbarsfamilie in der Leipziger Straße und Mitglied in Karl Friedrich Zelters Berliner Singakademie. Außerdem war sie eine Freundin seiner Schwester Fanny. Ihr widmete er auch sein Quartett Opus 12. Das Lied diente als Anregung für alle vier Sätze des Streichquartetts. Es wird zu Beginn des Werkes aber auch am Schluss zitiert. Daraus ergibt sich eine zyklische Geschlossenheit, die für damals höchst modern war. Ebenso deutlich zu hören ist der Einfluss Beethovens später Quartette. Diese waren für damalige Verhältnisse quasi avantgardistisch. Vor allem inspiriert vom Streichquartett Cis -Moll Op. 131 und vom Streichquartett Amoll Op. 132. Die Erstaufführung im Wiener Konzerthaus erfolgte am 25. Mai 1960 durch das Juilliard String Quartet. Im Jahr 2000 wurde es erstmals vom Alban Berg Quartett aufgeführt. Bisher sind 30 Aufführungen im Wiener Konzerthaus aufgezeichnet, also wurde es nicht so häufig aufgeführt wie das Quartett von Berg. Dreimal wurde Mendelssohn
Barbara Alhuter
00:33:58
-Bartoldis Streichquartett vom Alban -Berg -Quartett aufgeführt, zudem unter anderem vom LaSalle -Quartett, Belcher -Quartett und mehrfach auch vom Quartor -Mosaik, Artemis -Quartett und vom Hagen
Jonathan Schwarz
00:34:08
-Quartett. Inwieweit sind denn klassische oder romantische Einflüsse in Mendelssohns Streichquartett Sicht - bzw. Hörbar, Mario? Das zitiert sehr viel von Beethoven, sehr viel von Beethoven, Obers 100. 32, was wir im letzten Saison gespielt haben. Und vor allem, wenn man dann zum
Mayu Konoe
00:34:24
Beispiel die Belodie rauslässt, die Begleitung vom letzten Satz
Jonathan Schwarz
00:34:29
zwischen Cello und Bracci. Das Rhythmus ist genau das gleiche vom letzten Satz.
Mayu Konoe
00:34:33
Beethoven 132 und auch der Anfang sowieso ist fast genauso kopiert. Ja, also wie Mario... ist es ja auch eigentlich sozusagen eine
Jonathan Schwarz
00:34:36
Ja, zitiert. Widmung oder auch eine Verehrung von Beethoven. Und es gibt sehr viele Stellen, die an Beethoven -Quartette erinnert, nicht nur das 132. Allein diese rezitativen Einschübe, die sehr typisch für Beethoven sind, auch sowohl in Opus 132, aber wo ich auch immer sehr viel dann denken muss, ist Beethovens neunte Sinfonie zum Beispiel, der letzte Satz mit den Kontrapressen und Celli, die da... das lange große berühmte Rezitativ
Barbara Alhuter
00:35:15
haben und was auch Beethoven dann in 132 verarbeitet hat und jetzt
Moderation
00:35:23
Mendelssohn dann auch teilweise übernimmt oder versucht, eine Version davon zu machen oder auch das zweite Thema im langsamen Satz vom Mendelssohn Quartett ist aus dem Quartetto Serioso von Beethoven. Das Fugenthema. Wo aber auch, finde ich, Mendelssohns Einfluss von Bach irgendwie auch ersichtlich ist. Mendelssohn war ja unglaublich Bach begeistert. Ist ja eigentlich auch ganz großer Teilhabe, warum Bach überhaupt so eine große Renaissance erlebt hat. Ja, das sind Einflüsse, die sehr ersichtlich sind. Und dazu mischt er halt diesen frühromantischen, Und das macht, finde ich, Mendelssohns Musik so unglaublich aus. Es ist ein sehr respektvoller und rückblickender Stil auch irgendwie. Aber mit so einer Jugendlichkeit und Frische und romantischer Freiheit, die wirklich total berührend ist. Und gibt es in diesem Streichquartett auch etwas, was... Wenn man es anhört, wo man sagen kann, das ist jetzt typisch Mendelssohn, also dieser romantische Klang wurde schon angesprochen. Gibt es vielleicht auch Momente, wo er sich selbst zitiert oder wo er auf sein Schaffen zurückgreift? Was finde ich auch wieder sehr typisch ist, ist zum Beispiel das Gerzo. Da haben wir natürlich oft bei Mendelssohn dieses sehr tänzerische und elfentanzmäßige, leichte, was irgendwie bei fast jedem Quartett irgendwie mal vorkommt. Das ist, finde ich, immer so ein Moment, wo man sagt, ach, das ist wirklich Mendelssohn, das ist wirklich einmalig. Wo er sich auch sehr orientiert, ist einfach bei Beethoven auch zum Beispiel wieder als großes Vorbild auch, es ist die Motivverarbeitung. Also er nimmt aus dem ersten Satz In den späteren Sätzen basiert eigentlich sehr, sehr viel auf Themen aus dem ersten Satz oder auch zweiten Satz. Der dritte Satz ist eigentlich... Zum Beispiel am Ende nur eine
Barbara Alhuter
00:37:34
sozusagen eine Allegretto -Form von dem Thema des langsamen Satzes. Und er fängt so an, er fängt so
Mayu Konoe
00:37:42
an, wie der endet. Genau, ja. Das ist ja auch so ein bisschen so eine Sache gewesen, die viele Komponisten gemacht haben. Am Ende nochmal sozusagen alle Themen nochmal so ein bisschen zu verarbeiten. Also da hat er sich auch sehr stark an Beethoven orientiert, an dieser... an dieser Verarbeitung von Motiven mit wenig Material sozusagen, viele verschiedene Charaktere zu schaffen. Wie interagieren denn die Instrumente miteinander bei
Jonathan Schwarz
00:38:14
Mendelssohns Quartett? Also du, Jonathan, hast schon angesprochen, es gibt einzelne Rezitative der Violine, meistens über Tremoli der anderen Instrumente. Gibt es weitere Beispiele, die ihr anführen könnt? Sehr gerne nacheinander. Also jemand spielt ein Thema sozusagen und das wird dann von jedem so ein bisschen nachgespielt. Ich meine, meine, den zweiten Satz ist ja eigentlich praktisch. Gut, das ist ja eine Fuge. den zweiten das ist ja eine Aber das ist ja das Konzept einer Fuge. Aber ich meine generell bei Mendelssohn, auch im ersten Satz, wenn es ins Allegro reingeht. fängt die Bratsche an sozusagen mit dem Thema und dann steigen die anderen ein und am Ende kommt die erste Geige und führt das Thema dann sozusagen aus. Das macht er sehr gerne, finden sie oft. Und was er auch sehr, sehr gerne macht und was ich eigentlich immer so die schönsten bei der Sonnenmomente finde, sind, wenn er zwei Melodien eigentlich gleichzeitig laufen lässt. Also das macht er auch im letzten Satz zum Beispiel. Da spielt die erste Geige zusammen mit den weiten Mittelstimmen so das Scherzo. Thema, sozusagen ein Scherzo -Motiv. Und darunter spielt das Cello eine sehr lyrische und langgezogene Legato -Linie. Das macht er sehr gerne Mendesson, also dieses sehr tänzerische und artikulierte Gegen, eine lange Legato -lyrische Linie laufen zu lassen. Das macht er auch in Mendessons
Barbara Alhuter
00:39:55
Violinkonzert im letzten Satz zum Beispiel. Das sind eigentlich so die schönsten Stellen, wo man das Gefühl hat, ach. Da möchte man sich wirklich reinlegen in den Klang. Wie wird Mendelssohns Quartett denn heute in der Konzertpraxis wahrgenommen? Ich glaube, dieses Quartett wird schon sehr viel gespielt. Es ist, glaube ich, schon auch ein sehr gutes Quartett.
Jonathan Schwarz
00:40:16
Ich habe das selbst auch mit 16 gespielt, weil er auch selbst so jung war. versteht man das sehr schnell, das Konzept auch. Es wird natürlich als Jugendwerk irgendwie wahrgenommen. Die Lieblingsstelle Wie schon in der Pilotfolge würde ich mich auch in dieser Folge freuen, schon in der Pilotfolge würde ich mich auch in dieser Folge freuen, wenn ihr uns eine besondere Stelle aus einem der beiden Werke vorspielen würdet, damit wir einen klanglichen Eindruck davon erhalten. Eine weitere Lieblingsstelle von mir in Albernbergs Lyrische Suite ist der Anfang des zweiten Satzes, an Dante Amoroso überschrieben. Er beschreibt Hammerfuchs mit diesem Thema und es ist für mich ganz klar, mit welcher Liebe und mit welcher Hingabe er für sie schwärmt. Und ich spiele jetzt einmal dieses Thema vor, was eigentlich ein
Mayu Konoe
00:41:09
kleines Duo zwischen den beiden Geigen ist, aber heute bin ich
Jonathan Schwarz
00:41:13
leider alleine, deswegen... Muss ich das jetzt alleine spielen? Bei Mendelssohns Streichquartetten oder ganz generell Mendelssohns Musik finden wir besonders faszinierend, wie er es schafft, zwei Themen gleichzeitig erklingen zu lassen. Das macht er oft am Ende von Werken und hier speziell am Ende vom ersten Satz von seinem A -Moll -Streichquartett. Und wir spielen jetzt einmal die
Barbara Alhuter
00:41:37
zwei Themen vor, die er gleichzeitig erklingen lässt. Und zwar ist es in der Bratsche einmal, nimmt er vorweg das Thema des zweiten Satzes, das Flugenthema. Und in der ersten Geige erklingt das Vivace sehr expressive Thema des ersten Satzes. Also ich habe ganz viele
Jonathan Schwarz
00:41:55
Lieblingsstellen. Aber was ich besonders toll finde an Mendelssohn Streichquartette, ist, weil er selbst damals das Instrument gespielt hatte, ist die Bratschenstimme sehr dankbar. Und ich würde behaupten, dass bei Und die Soli -Ligen sehr gut. den schönsten Stellen spielt die Bratsche... Fast immer eine sehr wichtige Rolle. Und wenn er Melodien öfter wiederholt, dann schreibt er beim letzten Mal dann für die Mittelstimmen eine Gegenmelodie, was das Ganze einfach ganz plötzlich ganz anders klingen lässt. Zum Beispiel den dritten Satz. Das kommt ungefähr sechsmal in dem Satz. Und beim allerersten Mal klingt das so. Beim sechsten und letzten Mal schreibt er für uns alle drei unten Gegenmelodien. Also wir zupfen alle drei nicht mehr. Und das kriegt einfach eine ganz andere Atmosphäre als der Anfang. Sehr nostalgisch und ändert der Gesamtklang natürlich. Und sowas genieße ich einfach wirklich sehr als Mittelstimme. Und mit der gleichen Melodie vom Anfang und meiner Gegenmelodie geht es so. Das war nur ein kleiner Vorgeschmack. Die vollständigen Werke können Sie mit dem Leon Choro Quartett am 15. Jänner im Wiener Konzerthaus erleben. Der Stringzyklus im Wiener Konzerthaus. Sie wollen das Simply Quartett und das Leon Choro Quartett live erleben? Dann sichern Sie sich Ihre Karten. Oder noch besser, verpassen Sie keines der Konzerte dank eines String -Abos. Damit können Sie Ihre Karten schon vor dem Verkaufsbeginn der weiteren Zykluskonzerte erwerben. Und das zu vergünstigten Preisen. Und sollten Sie einmal einen Abo -Termin nicht wahrnehmen können, garantieren wir Ihnen eine kulante
Barbara Alhuter
00:43:24
Handhabung. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter konzerthaus at slash 2526str Oder wenden Sie
Mayu Konoe
00:43:30
sich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ticket - und Servicecenters des Wiener Konzerthauses. Highlights und Zusammenfassung In dieser Folge haben Jonathan Schwarz und Mayu Konohe vom Leon Koro Quartett über ihr bevorstehendes Konzert im Zyklus String am 15.
Jonathan Schwarz
00:43:51
dieser Folge haben Jonathan Schwarz und Mayu Konohe vom Leon
Moderation
00:43:54
String am 15.
Barbara Alhuter
00:43:56
Jänner im Wiener Konzerthaus Koro Quartett über ihr bevorstehendes Konzert im Zyklus gesprochen. Dabei haben sie uns verraten, welche spannende Geschichte und privaten Geheimnisse hinter Alban Berg's Lyrische Suite stehen. Zudem haben sie ausgeführt, inwieweit sich Felix Mendelssohn Bartholdi bei seinem frühen
Jonathan Schwarz
00:44:06
Streichquartett Op. 13 einerseits von Ludwig van Beethoven beeinflussen hat lassen und andererseits aber auch eigene kompositorische Wege gegangen ist. Und beim Blick hinter die Kulissen ging es beispielsweise darum, warum ausreichend Schlaf, gutes Essen und ein verlässliches Management im Alltag von Profimusikerinnen und Musikern so wichtig sind und welche Rolle Lampenfieber und Nervosität für die Karriere spielen. Damit sind wir auch schon wieder am Ende unserer dritten Folge von Strangendo. Meine Gäste waren Jonathan Schwarz und Mario Konoe vom Leon Coro Quartett. Vielen Dank für das Gespräch, liebe Mario und lieber Jonathan und natürlich auch dafür, dass ihr mir Rede und Antwort gestanden seid, sowohl was die künstlerischen als auch die privaten Aspekte betrifft. Und natürlich auch wieder ein herzliches Dankeschön an Sie, liebes Publikum, fürs Zuhören. Falls Sie es noch nicht getan haben, so dürfen Sie uns gerne abonnieren und weiterempfehlen. Unseren Podcast finden Sie auf unserer Website, aber auch überall dort, wo es Podcasts gibt. Und falls Sie Feedback für uns oder Fragen an die Ensembles haben, schicken Sie uns gerne eine E -Mail an podcast
Mayu Konoe
00:46:11
conzertas .at. Dann ist vielleicht gerade Ihre Frage diejenige, die in einer der nächsten Folgen gestellt wird. Damit zu einem kleinen Ausblick. In der vierten Folge werde ich mit Mitgliedern des Simply Quartet über ihr Konzert am 12. März sprechen. Da werden sie Claude Debussy's Streichquartett und auch Dimitri Shostakovich's drittes Streichquartett zur Aufführung bringen. Nun darf auch ich mich verabschieden. Ich bin Barbara Allhutter, Redakteurin des Wiener Konzerthauses und ich freue mich schon auf die nächste Folge des Konzerthaus -Podcasts Stringendo. Und bis dahin vergessen Sie nicht, die Seiten ihres Lebens zum Klingen zu bringen.