Musik, die das Leben schrieb
Das Simply Quartet und »ein paar schwarze Flecken auf Papier«
11.11.2025 43 min Staffel 1 Episode 2
Zusammenfassung & Show Notes
Antonia Rankersberger und Ivan Valentin Hollup Roald vom Simply Quartet sprechen über den Zyklusauftakt von »string.« im Wiener Konzerthaus. Joseph Haydn, der Begründer des Streichquartetts, ist mit seinem Schaffen beim ersten Zykluskonzert des Simply Quartet ebenso präsent wie Bedřich Smetana, der in seinem ersten Streichquartett wichtige Aspekte seines Lebens (nicht zuletzt seine Taubheit!) thematisiert und verarbeitet hat.
In der Rubrik »Die Lieblingsstelle« ist zudem eine besonders ergreifende Stelle von Smetanas 1. Streichquartett live im Duett zu hören! Erfahren Sie etwas über den Weg von der Programmauswahl bis zum Konzert, über Herausforderungen, Triumphe und besondere Momente im Quartettalltag und wie es Musikerinnen und Musikern gelingt, »ein paar schwarzen Flecken auf Papier« klanglichen Sinn zu verleihen.
In der Rubrik »Die Lieblingsstelle« ist zudem eine besonders ergreifende Stelle von Smetanas 1. Streichquartett live im Duett zu hören! Erfahren Sie etwas über den Weg von der Programmauswahl bis zum Konzert, über Herausforderungen, Triumphe und besondere Momente im Quartettalltag und wie es Musikerinnen und Musikern gelingt, »ein paar schwarzen Flecken auf Papier« klanglichen Sinn zu verleihen.
https://konzerthaus.at/de/abonnements/string/1625
Antonia Rankersberger und Ivan Valentin Hollup Roald (Simply Quartet) geben Einblicke in Joseph Haydns Streichquartett A-Dur Hob. III/36 und Bedřich Smetana Streichquartett Nr. 1 e-moll »Aus meinem Leben« T 116.
Antonia Rankersberger und Ivan Valentin Hollup Roald (Simply Quartet) geben Einblicke in Joseph Haydns Streichquartett A-Dur Hob. III/36 und Bedřich Smetana Streichquartett Nr. 1 e-moll »Aus meinem Leben« T 116.
Hörempfehlung:
Joseph Haydn: Streichquartett A-Dur Hob. III/36: Quatuor Mosaïques
Bedřich Smetana: Streichquartett Nr. 1 e-moll: Panocha Quartet oder Takács Quartet
Transkript
ANTONINA RANKERSBERGER
Man kann sich nicht verstecken und man kann auch nicht lügen. In dem Moment, wo man zusammen spielt und wo man die eigene Stimme am Instrument und in der Gruppe präsentieren muss, gibt es eigentlich nichts anderes. Und dieser Fokus ist auch sehr schön.
MODERATION
»stringendo«, der Podcast des Wiener Konzerthauses zum neuen Streichquartettzyklus »string.«.
BARBARA ALHUTER
Warum gilt Joseph Haydn als Begründer des Streichquartetts? Und worüber genau erzählt uns Bedřich Smetana in seinem ersten Streichquartett, das den Titel »Aus meinem Leben« trägt? Diese und viele andere spannende Fragen sind Teil der zweiten Folge von »stringendo«, dem Podcast des Wiener Konzerthauses zum Streichquartettzyklus »string.«. Ich bin Barbara Alhuter, Redakteurin des Wiener Konzerthauses, und ich begleite Sie in und durch die musikalische Welt des Simply Quartet und des Leonkoro Quartetts. Meine Gäste in dieser Folge sind Antonia Rankersberger und Ivan Valentin Hollup Roald, die zweite Geigerin und der Cellist des Simply Quartet. Wir sprechen über den Zyklusauftakt, damit Sie, liebes Publikum, eine Vorstellung davon bekommen, was Sie im Konzert erwartet. Und natürlich dürfen Sie sich auch wieder auf exklusive Einblicke in das Leben und den Alltag der Künstlerinnen und Künstler freuen sowie auf kleine musikalische Kostproben.
MODERATION
»Off Stage«: Einblicke in das Leben und den Quartettalltag der Künstlerinnen und Künstler
BARBARA ALHUTER
Liebe Antonia und lieber Ivan, herzlich willkommen und schön, dass ihr euch Zeit genommen habt für unser Gespräch.
ANTONIA RANKERSBERGER & IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Hallo, danke. Danke, wir freuen uns.
BARBARA ALHUTER
Wir drei befinden uns – so wie auch schon beim letzten Mal, bei der Pilot-Episode – im Neuen Salon des Wiener Konzerthauses. Im Zyklus »string.« im Schubert-Saal ist euer Quartett abwechselnd mit eurem Partner-Ensemble, dem Leonkoro Quartett, in jeweils zwei Konzerten zu erleben. Und bevor wir uns aber näher dem Programm eures ersten Konzertes am 21. November widmen, möchte ich noch einen Schritt zurückgehen und die Vorbereitungen betrachten. Liebe Antonia, wie seid ihr denn auf euer Programm gekommen?
ANTONINA RANKERSBERGER
Ja, das ist eine spannende Frage und dieser Frage gehen auch viele Diskussionen quartettintern voraus. Wir versuchen natürlich, ein möglichst breit gefächertes, kontrastreiches Programm anzubieten. Es ist auch so, dass wir jede Saison eigentlich neun verschiedene Stücke, mehr oder weniger, in drei verschiedenen Programmen präsentieren. Jeder von uns hat natürlich seine Schmankerl und seine Lieblingsstücke. Dann wählen wir einfach ein Programm aus, wo alles dabei ist. Und natürlich ist jetzt dieses erste Zykluskonzert ein sehr spannender Auftakt für uns. Und wir wollten einfach ein Programm präsentieren, das uns sehr am Herzen liegt und wo wir denken, dass wir möglichst gut mit dem Publikum interagieren können und eine möglichst breite Bandbreite unseres Quartettkönnens präsentieren können.
BARBARA ALHUTER
Lieber Ivan, die Programmfixierung ist ja das eine. Davor ist aber noch das viel Wichtigere, nämlich die Erarbeitung der Musik. Wie kommt man von der Einzelinterpretation als Musiker zum buchstäblich stimmigen Quartettklang?
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Ja genau, also zu Hause bereiten wir uns dann nicht nur mit unserer eigenen Stimme vor, die wir üben, sondern wir erarbeiten auch die Partitur. Wir schauen uns die Partituren an und schauen: »Was können wir da herausholen?« Weil es sind ja sozusagen nur schwarze Flecken auf einem Papier – »Und wie kann man daraus Sinn machen?« Ich denke, es ist super spannend das mit drei anderen Kollegen zu diskutieren, wenn wir in die Probe kommen. Manchmal haben einige von uns sehr, sehr klare Ideen über gewisse Stellen. Aber oft schauen wir uns das ganz offen an, auch in der Probe. Wir fragen einander z. B.: »Wo geht die Phrase hier hin?«, damit wir uns wirklich darüber einig sind. Wenn wir ein Stück länger gespielt haben schon oder schon viel geprobt haben, fragen wir: »Wie ist hier wirklich der Charakter?« Wir greifen zurück auf solche grundlegende Fragen, damit wir uns wieder auffrischen.
BARBARA ALHUTER
Inwieweit spielen Referenzaufnahmen da auch eine Rolle, liebe Antonia?
ANTONINA RANKERSBERGER
Es interessiert uns, glaube ich, alle vier, wie andere Gruppen ein Werk interpretieren. Und man kann sich natürlich Inspiration davon holen. Aber ich persönlich muss sagen, gehe auch gerne sehr leer, also so à la tabula rasa, an ein Stück heran und probiere das dann mit meinen Kollegen in der Probe aus, weil, so wie Ivan schon gesagt hat, wir stellen uns schon viele Sachen im Vorhinein vor und überlegen uns, wie das Stück funktioniert.
ANTONINA RANKERSBERGER
Aber in der Probe entstehen dann spontan auch ganz viele Fragen und merkt man, wie wir das eigentlich auf unsere Interpretation bringen können. Und das ist dann auch die spannende Arbeit, die sehr persönlich ist letztendlich.
BARBARA ALHUTER
Und wie lange dauert es im Regelfall ein Stück zu erarbeiten?
ANTONINA RANKERSBERGER
Das ist ganz unterschiedlich und hängt natürlich auch stark vom Repertoire ab. Also, wir haben uns schon sehr viel mit den Quartetten Haydns beschäftigt. Und in dem Fall können wir ein Streichquartett sehr schnell arbeiten, also binnen weniger Tage, weil wir einfach mit dieser Sprache sehr vertraut sind, wie diese Musik funktioniert, und auch unsere Klangvorstellung schon im Vorhinein gefestigt haben. Und wenn wir jetzt ein ganz neues Stück wie von Béla Bartók zum Beispiel, das ist einfach technisch so schwierig, da braucht man, würde ich sagen, mehrere Wochen, bis man das wirklich »in der Hand hat«, und dann auch mehrere Auftritte, um wirklich dieses Gefühl zu bekommen, wie man dieses Stück im Konzert rüberbringen kann. Das ist bei Haydn einfach direkter und unmittelbarer.
BARBARA ALHUTER
Ihr habt ja ein Management, das euch auch sehr viele Aufgaben abnimmt und euch unterstützt. Aber ich stelle mir vor, im Leben einer Musikerin, eines Musikers gibt es noch so viel zu organisieren, so viel zu erledigen. Wie ist denn da die Rollenverteilung bei euch im Quartett? Hat jeder bestimmte Aufgaben? Wie gestaltet sich das?
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Ja, das haben wir tatsächlich verteilt. Einige übernehmen die Verantwortung, die Proben zu planen oder Räume zu finden, wo wir proben. Zum Beispiel buchen wir die Reisen selbst, dann schauen wir bzw. einer von uns schaut, wann wir dort sein müssen und was gute Verbindungen sind. Natürlich auch soziale Medien und Homepage-Wartung. Das verantworten wir auch selbst. Ja, Noten kaufen und vorher auch die richtige Ausgabe finden zum Beispiel, zählt auch dazu. Viele solche kleinen Nebenaufgaben, das teilen wir dann auf.
BARBARA ALHUTER
Und, liebe Antonia, eure Konzerte im Zyklus »string.« werden ja von euch moderiert. Gibt es bei euch im Quartett auch eine Person, die fürs Moderieren zuständig ist? Oder wie gestaltet sich das?
ANTONINA RANKERSBERGER
Ja, das wird auch lustig, weil Ivan hatte eine sehr gute Idee, dass es eigentlich schön wäre, wenn wir in der Moderation vom ersten Zykluskonzert wirklich alle zur Sprache kommen und uns persönlich vorstellen und auch jeder einen Teil oder einen Satz präsentiert. Das fand ich persönlich eine super Idee. Und sonst kommen natürlich auch viele Interviews oder Pre-Concert-Talks und da schauen wir dann einfach meistens spontan, wem das jetzt auch reinpasst. Das ist natürlich auch eine Frage von, wie viel Ruhe braucht man vor dem Konzert oder wie viel konzentrierte Vorbereitung oder ist das in Ordnung, wenn man dann doch auf der Bühne sitzt vorab und schon Fragen beantwortet. Genau, das machen wir dann spontan.
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Und auch je nach Länder, also, von der Sprache her. Zum Beispiel, Antonia moderiert wahrscheinlich schon am häufigsten, oder?
ANTONINA RANKERSBERGER
Ja, kann sein. [lacht]
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Natürlich besonders in Deutschland, Österreich, der Schweiz, aber auch in den Niederlanden. Und ich moderiere, wenn wir in Skandinavien sind, dann rede ich oft einfach auf Norwegisch, z. B. Und in China natürlich: Xiang oder Danfeng.
BARBARA ALHUTER
Und jetzt wollen wir ein bisschen in euren Alltag hineinschnuppern. Liebe Antonia, kannst du uns davon erzählen, wie so ein typischer Tag im Leben des Simply Quartets in Wien abläuft?
ANTONINA RANKERSBERGER
Darf ich ganz ehrlich sein? [lacht]
BARBARA ALHUTER
Natürlich. [lacht]
ANTONINA RANKERSBERGER
Ja, wir haben natürlich unterschiedliche Tage. Manchmal haben wir nur eine Probenphase, »nur«, unter Anführungszeichen. Dann stehen wir, denke ich, gemütlich auf, geben uns die Zeit und die Ruhe, um selbst ein bisschen aufzuwärmen auf dem Instrument. Und dann nehmen wir meistens, in den meisten Fällen, den Nachmittag. für einen Probenblock heran. Also in der Regel so vier Stunden gemeinsam. Und dann schauen wir, wie schnell wir vorankommen. Und wenn wir in dieser Zeit unser Ziel nicht ganz schaffen oder erreichen, dann schauen wir am nächsten Tag wieder, wie wir das einteilen. Weil, so wie Ivan auch vorher schon angesprochen hat, machen wir vorab einen Probenplan. Aber so ganz genau kann man ja auch nie sagen, wie lange man tatsächlich für das Einstudieren braucht eines Werkes. Und dann muss man auch offen und spontan bleiben: nach der Probe vielleicht sagen, »Ah, diese Stelle hat jetzt für mich persönlich oder individuell nicht so gut funktioniert, die muss ich mir jetzt nochmal anschauen.«
BARBARA ALHUTER
Und habt ihr einen fixen Probenraum?
ANTONIA RANKERSBERGER
Also wir haben natürlich bis vor einigen Jahren noch an der mdw studiert und da konnten wir natürlich immer proben. Und jetzt sind wir alle schon fertig. Und der Xiang stellt uns sein Wohnzimmer zur Verfügung. [lacht] Es ist sehr schön und die Akustik ist auch ganz in Ordnung für unsere Zwecke.
BARBARA ALHUTER
Und, lieber Ivan, wie gestalten sich eure Tage auf Tournee?
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Es kann auch sehr spontan sein, je nachdem, ob der Zug zum Beispiel pünktlich ankommt. [lacht] Also, wir reisen oft am selben Tag an, an dem das Konzert am Abend ist, oder in der Früh, dass wir mittags ankommen und in dem Ort sind, und dann, am besten hat man dann Zeit,in Ruhe zu Mittag zu essen, vielleicht kurz auszuruhen und vielleicht sogar ein paar Töne selbst auf dem Instrument zu spielen und dann haben wir auch normalerweise so zwei Stunden Generalprobe vor dem Konzert und dann kurz noch Pause zum Umziehen oder ein bisschen eine Banane essen oder irgendwas, wo wir ein bisschen Energie bekommen. Und dann ist das Konzert und dann nachher gibt es oft vielleicht ein, entweder nur zwischen uns gehen wir was essen oder trinken oder oft auch mit dem Veranstalter, oder wenn wir Freunde dort haben oder so, damit es so einen Ausklang hat. Nächsten Morgen geht es dann wieder los mit dem Reisen, entweder nach Hause oder zum nächsten Ort.
BARBARA ALHUTER
Und ihr habt ja jetzt einige Konzerte in Deutschland, im November seid ihr dann auch in Italien. Wie gestaltet sich denn die Zimmersituation im Hotel bei euch? Weil man liest von einigen Quartetten, dass sie ihre Zimmer bewusst nicht nebeneinander, oft sogar nicht auf der selben Etage haben möchten. Wie gestaltet sich das bei euch?
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Wir haben noch keine Regeln aufgestellt oder Anforderungen, aber ich glaube, einige in meinem Quartett, die sind manchmal müde von einem sehr lauten Cello im Nebenzimmer, wenn sie gerne einen Mittagsschlaf haben möchten. Also werden wir da schauen.
ANTONINA RANKERSBERGER
Ja, das steht schon auf meiner Liste fürs Management-ToDo: »Bitte nicht neben Ivan im Zimmer!«
BARBARA ALHUTER
Ihr habt ja schon eine Vielzahl an Konzerten gegeben. Lieber Antonia, spielt Lampenfieber da für euch überhaupt noch eine Rolle?
ANTONINA RANKERSBERGER
Ja, schon. Also wahrscheinlich in unterschiedlicher Intensität, aber das ist doch immer dabei. Und natürlich auch, wenn ein Stück sehr frisch ist, und man hat das noch nicht oft auf der Bühne gespielt, dann muss man einfach sehr flexibel bleiben und schauen, was passiert und welche Ideen meine Kollegen bringen. Dann muss ich sie auch unterstützen. Das ist auch unterschiedlich, was die Rollen der, also der Stimmen anbelangt, ob man jetzt Mittelstimme oder Erste Geige oder Cello dann ist. Also ich bin schon angespannt, manchmal mehr, manchmal weniger.
BARBARA ALHUTER
Wie geht es dir da, Ivan?
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Ja, genau wie Antonia sagt, für mich gibt es immer Lampenfieber. Aber verschiedene Stufen. Viele verschiedene Stufen. Je nachdem, wie frisch ein Stück ist oder vielleicht fühlt sich ein Konzert besonders wichtig an. Man hat auch unterschiedliche Tage von der eigenen Verfassung her und viele Sachen spielen hier mit rein.
BARBARA ALHUTER
Und habt ihr vielleicht auch im Quartettverband ein Ritual, um dem Lampenfieber entgegenzuwirken, direkt vor euren Auftritten, Antonia?
ANTONINA RANKERSBERGER
Das nicht unbedingt, aber ich glaube, wie bei allen Gruppen, die sehr viel Zeit miteinander verbringen, stellt sich dann auch so eine unausgesprochene Vorbereitungsstimmung ein. Und das gefällt mir eigentlich ganz gut, weil oft bin ich dann im Hotelzimmer und dann, dann werde ich schon nervös. Dann denke ich mir: »Ja, und die Stelle, und das könnte schief gehen.« Und dann gehe ich zur Probe und wir spielen gemeinsam, probieren den Saal aus und sind dann auch im Einspielzimmer. Und dann sind meine Kollegen auch lustig oder der Xiang erzählt irgendeinen Witz oder Danfeng übt irgendeine Stelle. Und das gibt mir dann persönlich eigentlich viel Ruhe, zu sehen, wie die anderen in dieser Situation umgehen. Dann denke ich mir: »Okay, ich bin Teil davon und es kann eigentlich nicht viel passieren.«
BARBARA ALHUTER
Lieber Ivan, wir stellen uns jetzt vor, euer Konzert ist jetzt schon buchstäblich über die Bühne gegangen. Was macht denn für dich ein gelungenes Konzert aus?
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Das ist eine super Frage und sehr wichtig. Und wenn ich auf eine Saison zurückblicke, dann gibt es so einige Momente, wo ich gefunden habe, da ist wirklich ein genuiner Kontakt mit dem Publikum entstanden. Oft sprechen wir das vielleicht auch nicht unbedingt zwischen uns vier aus. Man kann es einfach bemerken, so eine gewisse Ruhe vielleicht, wo wir vier einen sehr guten Kontakt haben. Oder wo man ein Gefühl hat, das spielt sich von allein. Also, dass es vielleicht ein fünfter Mitglied im Quartett gibt, wo es irgendwie selbstverständlich ist. Außerdem ist es für mich nicht so, dass man so ein festgelegtes Produkt oder Programm hat, was gelungen sein wird, sondern wenn eine Spontanität zum Beispiel entsteht, wo plötzlich etwas Neues kommt. oder so in dem Moment schnell aufgenommen wird, von uns anderen Musikern und auch vom Publikum, dann ist es sehr wertvoll, finde ich. Ja, weil es geht nicht unbedingt um Perfektionismus, sondern um jemanden zu treffen und auch selbst berührt zu werden und sich das zuzugestehen. Ja, dann bin ich glücklich, wenn ich das erleben darf.
BARBARA ALHUTER
Und wie geht ihr im Quartettverband mit Fehlern, die ja uns allen passieren und natürlich auch die Musikerinnen und Musikern passieren, um, liebe Antonia?
ANTONINA RANKERSBERGER
Ja, wie geht man mit sich selbst um und wenn man einen Fehler macht oder mit den anderen? Ja, schwer zu sagen. Man kann sich natürlich furchtbar ärgern über einen Fehler, der passiert ist. Und natürlich hören das auch die anderen drei, wenn, wenn etwas passiert. Aber ich denke, wir haben mittlerweile so viele Konzerte gespielt und wir versuchen ja sowieso auf ein sehr hohes Level zu kommen, wo man jetzt gar nicht unbedingt von Fehlern spricht, wenn mal eine Stelle ein bisschen wackelt. Also ich glaube, das spüren wir dann auch selber am stärksten. Und wenn jetzt wirklich jemand einen Schnitzer reinmacht, den man vielleicht sogar hört, dann ist das einfach auch die Folge oder der Reiz eines Live-Konzerts, und dann merkt man, okay, wir sind alle keine Maschinen und jeder Tag ist anders, aber wir geben Alles und unser Bestes in dem Moment, wo wir auf der Bühne stehen und das darf dann ,meiner Meinung nach auch, einfach passieren.
BARBARA ALHUTER
Und um euch jetzt als Einzelpersonen noch ein bisschen näher kennenzulernen: Lieber Ivan, wie war das in deiner Familie? War dir die Musik in die Wiege gelegt?
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Nein, nicht wirklich. Also, meine beiden Geschwister haben auch verschiedene Instrumente ausprobiert. Als ich 8 Jahre alt war, da war das in Norwegen die Zeit, in der man mit einem Instrument an der Kulturschule anfangen konnte. Und dann dachte ich mir: »Ja, das ist sehr nett!« Und dann kam eine Liste mit freien Plätzen, und unter anderem gab es einen freien Platz für Cello, und ich habe den Klang vom Cello so schön gefunden, das wollte ich gerne ausprobieren.
BARBARA ALHUTER
Und wie bist du, liebe Antonia, zur Geige gekommen?
ANTONINA RANKERSBERGER
Also ich komme auch aus einer Nicht-Musiker-Familie, aber bei uns zu Hause wurde eigentlich schon viel musiziert, also gerne gesungen, und meine Mutter hat auch Gitarre gespielt und dann immer begleitet. Und ich glaube, wahrscheinlich war ich einfach sehr motiviert zu singen und zu klimpern. Und dann hat meine Mama auch in der Musikschule angerufen und gefragt, welche Optionen, es geben würde, und mir dann die Geige vorgeschlagen. Und ich hatte gleich große Lust, das auszuprobieren. Und ja, letztendlich bin ich dabei geblieben.
BARBARA ALHUTER
Was ist denn das Schönste an deinem Beruf, lieber Ivan?
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Eigentlich, wie wir vorher geredet haben, über ein gelungenes Konzert. Also solche Momente, in denen etwas Größeres passiert, als ich selbst bin. Also, wo ich ein Teil von dem sein kann, ja, das bringt mir große Motivation, das weiterzumachen. Aber ich mag auch diese Arbeit. Einfach üben, jeden Tag zum Beispiel Kontakt mit dem Instrument zu haben, ist auch etwas sehr Schönes. So wie eine Therapie oder so – für mich selbst. Weil, wenn es ein oder zwei Tage gibt, wo ich nicht spiele, dann fehlt mir irgendwas, so wie Essen oder Schlafen. Das ist wirklich einfach ein Teil vom Leben.
BARBARA ALHUTER
Und was ist für dich persönlich das Schwierigste an eurem Beruf, liebe Antonia?
ANTONINA RANKERSBERGER
Sehr gute Frage. Ich glaube, eine der schönen, aber auch schwierigen Seiten zugleich ist eine gewisse Unregelmäßigkeit. Also das Leben, das wir führen, besteht aus vielen Überraschungen und vielen unregelmäßigen Abläufen und Wochen-, Monatsplänen. Und man kann irgendwie nicht sagen: »Okay, jetzt arbeite ich und dann am Wochenende plane ich mir irgendwas Schönes ein oder raste ich mich ein bisschen aus«, sondern manchmal müssen wir wirklich sehr lang im Voraus planen und hängen dann wochenlang drin, also in einem Projekt oder auf einer Tournee. Und da finde ich es manchmal, schwierig mit dem Energiehaushalt umzugehen, weil wir natürlich auch eigentlich 100 Prozent unserer Leistung und unserer Begeisterung geben wollen, geben müssen für unsere Arbeit. Und genau, das kann dann schon mal herausfordernd werden. Aber das ist irgendwie auch das Schöne, dass man ... Man kann sich nicht verstecken und man kann auch nicht lügen. In dem Moment, wo man zusammenspielt und wo man die eigene Stimme am Instrument und in der Gruppe präsentieren muss, gibt es eigentlich nichts anderes. Und dieser Fokus ist auch sehr schön.
MODERATION
»Der Kurzfragenblock«
BARBARA ALHUTER
Was fällt euch denn spontan zu folgenden fünf Begriffen ein? Liebe Antonia, hier kommt der erste Begriff: Wettbewerbe
ANTONIA RANKERSBERGER
Stress.
BARBARA ALHUTER
Erfolg.
ANTONINA RANKERSBERGER
Habe ich keine Antwort. [lacht]
Motivation.
BARBARA ALHUTER
Freizeit.
ANTONIA RANKERSBERGER
Spaß.
BARBARA ALHUTER
Inspiration.
ANTONIA RANKERSBERGER
Interesse.
BARBARA ALHUTER
Heimat.
ANTONIA RANKERSBERGER
Berge.
BARBARA ALHUTER
Vielen Dank. Sehr schön.
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Ich hatte genau dieselbe Antwort: Wettbewerbe: Stress. [lacht]
BARBARA ALHUTER
Und nun die Staffelübergabe zu dir, lieber Ivan. Dein erster Begriff, Tourneen.
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Zugfahren.
BARBARA ALHUTER
Misserfolg.
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Unsauber gespielt.
BARBARA ALHUTER
Entspannung.
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Feuilleton.
BARBARA ALHUTER
Kreativität.
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Farben.
BARBARA ALHUTER
Tradition.
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Wien.
MODERATION
»On Stage«: Joseph Haydn hat über 80 Streichquartette komponiert, darunter auch das Streichquartett A-Dur im Hoboken-Verzeichnis III/36 und der Opus 20 Nr. 6 zu finden. Es entstand 1772. Haydns sechs Quartette des Opus 20 entstammen dem gleichen Jahre 1772 wie seine legendäre »Abschiedssymphonie«. Man bezeichnet das Jahr in Bezug auf Haydn's Schaffen deshalb auch gerne als »annus mirabilis«. Die Erstveröffentlichung fand 1774 statt. In der Berliner Ausgabe Hummels von 1779 findet sich eine Sonne auf dem Titelbild, was den Quartetten aus dem Opus 20 den Beinamen »Sonnenquartette« beschert hat. Die Erstaufführung im Wiener Konzerthaus fand am 7. November 1940 durch das Mildner-Quartett statt. Das Quartett wurde nur acht Mal bisher im Wiener Konzerthaus aufgeführt, darunter vom Hagen Quartett oder vom Artemis Quartett. Es ist also ein sehr selten zu hörendes Werk. Wir möchten Sie deshalb ermutigen, die Gelegenheit zu nutzen, es live mit dem Simply Quartet anzuhören.
BARBARA ALHUTER
Zum Zyklusauftakt am 21. November präsentiert ihr ja Joseph Haydns Streichquartett A-Dur, Hoboken-Verzeichnis III/36 aus den »Sonnenquartetten« und Bedřich Smetanas erstes Streichquartett e-moll »Aus meinem Leben«. Lasst uns mit Joseph Haydn beginnen. Haydn wird ja gerne als »Papa Haydn« bezeichnet. Könnt ihr uns erläutern, welche Rolle er für die Entwicklung der klassischen Gattungen »Symphonie« und »Streichquartett« gespielt hat?
ANTONINA RANKERSBERGER
Also für uns als Quartettspieler:innen hat Haydn natürlich eine sehr wichtige Bedeutung. Wenn man so recherchiert, dann hat es natürlich vor Haydn auch schon Kompositionen in dieser Form gegeben, also mit dieser Besetzung: zwei Geigen, eine Bratsche und ein Cello; aber natürlich auch ganz andere Besetzungen: vier Geigen, drei Geigen und ein Bass und alles Mögliche. Joseph Haydn hat dann irgendwie begonnen, einfach diese, genau diese Besetzung und diese Gattung sehr aufwendig und sehr häufig zu verwenden. Und er hat einfach so einen Reichtum an Techniken in diese Gattung oder eigentlich mit dieser Gattung entwickelt, dass ganz viele Generationen nach ihm auch davon profitiert haben. Und, also Mozart hat auch seine Quartette gewidmet oder vielleicht gar nicht gewidmet, aber irgendwie ein Andenken an Haydn, und Beethoven natürlich dann auch, die ersten Opus 18, da sind dann auch sechs Quartette. Und das ist einfach so eine riesengroße Bandbreite an Material und Ideen, die dann wirklich geblieben ist bis heute.
BARBARA ALHUTER
Und was sind die besonderen Merkmale des Quartetts op. 20/6, lieber Ivan?
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Ja, zum Beispiel diese Fuge ist ganz besonders. Opus 20 wird ja die »Sonnenquartette« genannt, weil damals auf der Erstausgabe, glaube ich, gab es eine Sonne auf diesem Titelblatt. Das hängt mit der Erleuchtung zusammen. Und damals war es eine große Kunst, Fugen zu schreiben, und er wollte sich beweisen, dass er das auch gut kann. Und er schreibt auch auf diese Fuge: »sotto voce«, »sempre sotto voce«, also mit unterer, zurückhaltender Stimme, also wie in einem eigenen kleinen Raum, da sitzen nur vier Leute, die diese Fuge spielen. Also es hat ein bisschen so Barockelemente auch manchmal, oder so rhetorische Fragen, die es lustig machen eigentlich.
BARBARA ALHUTER
Inwieweit könnte man Haydns Streichquartette als kompositorisches Experimentierfeld bezeichnen, liebe Antonia?
ANTONINA RANKERSBERGER
Was mich besonders begeistert, ist, dass einfach in jedem Quartett ein anderer, Stil kann ich nicht sagen, eine andere motivisch-thematische Arbeit passiert. Und zum Beispiel jetzt in dem ersten Satz von dem Opus 20/6, das wir jetzt dann aufführen werden, da besteht das Thema oder das Hauptmotiv des ersten Satzes eigentlich aus einer sehr kleinen Zelle. Und in anderen Werken gibt es dann wieder viel ausgearbeitetere Themen und Motive und damit spielt Haydn einfach so sehr und lässt dann auch nicht nur die erste Geige wichtig erscheinen, sondern auch die anderen Instrumente kommen ganz aktiv dazu und diese Vielseitigkeit von kleinen Elementen und wie sie verarbeitet werden, das macht wirklich Spaß, das zu entdecken.
BARBARA ALHUTER
Wie könntest du, lieber Ivan, Zuhörerinnen und Zuhörern, die jetzt mit Haydns Musik oder mit klassischer Musik im Allgemeinen, noch nicht so viele Berührungspunkte hatten, genau dieses Streichquartett schmackhaft machen?
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Ja, ich denke, es ist gut, sich daran zu erinnern, dass Haydn eine Person vom Land ist. Er hat auch etwas Volksmusikhaftes, Bodenständiges. Er hat auch einen ganz lustigen Humor. Ja, einfach so, wenn man sich dafür offen stellt. Weil es kann auch in jedem Konzert etwas Unterschiedliches passieren. Weil er so deutlich auch mit dieser Form spielt. Ich erinnere mich, einst in Norwegen fand ich Wiener Klassik am Anfang auch etwas unnahbar oder einfach, weil es verschiedene Gesten enthält, die man heute nicht mehr gewöhnt ist. Ich denke, es ist auch eine relativ einfache Musik, man muss es nicht so kompliziert machen.
MODERATION
Bedřich Smetanas Œuvre umfasst acht Opern, symphonische Dichtungen, zahlreiche Klavierkompositionen, einige Vokalwerke und Lieder, aber eigentlich nur wenig Kammermusik. Eines dieser Kammermusikstücke ist das Streichquartett Nr. 1 in e-moll mit dem Titel »Aus meinem Leben«. Smetana schließt die Komposition am 29. Dezember 1876 ab und widmet sie dem Ensemble des neu gegründeten Prager Kammermusikvereins. Die Musiker lehnen es als Programmmusik aber ab. Smetana war mit seinen Sympathien für Franz Liszt und Richard Wagner zwischen die Fronten des musikalischen Richtungsstreits der Zeit geraten. Was er nicht ahnen konnte war, dass dieses erste Streichquartett einmal zu den beliebtesten der Gattung zählen würde. Das Streichquartett wurde am 29. März 1879 im Konvikt-Saal Prag durch Ferdinand Lachner, Jan Pelikán, Josef Krehan und Alois Neruda uraufgeführt. Es ist allerdings auch eine Aufführung in einer Prager Privatwohnung, knapp ein Jahr davor dokumentiert, in der Antonín Dvořák höchstpersönlich die Bratsche spielte. Die erste Aufführung im Ausland fand am 15. Mai 1880 in Weimar auf die Initiative von Franz Liszt statt. Liszt schrieb danach an Smetana: »Ihr prächtiges Quartett hat uns wahrhaft erfreut.« Die Erstaufführung im Wiener Konzerthaus fand am 2. März 1914 durch das Böhmische Streichquartett statt. Das Streichquartett wurde bisher 60 Mal im Wiener Konzerthaus aufgeführt. Darunter befinden sich Aufführungen vom Rosé-Quartett, dem Wiener Konzerthausquartett und mehrere vom Hagen- oder Alban Berg Quartett.
BARBARA ALHUTER
Jetzt lasst uns etwa 100 Jahre in der Musikgeschichte reisen zu Bedřich Smetana und seinem ersten Streichquartett. Wie der Titel schon sagt, gibt es da ja ein ganz großes autobiografisches Moment, das die Komposition inspiriert hat. Kannst du uns da ein bisschen etwas darüber erzählen, liebe Antonia?
ANTONINA RANKERSBERGER
Ja, also in dem Stück findet sich natürlich gleich zu Beginn mit dem ersten Akkord diese Erinnerung an den Hörsturz, den Smetana selbst erlebt hat, und die damit verbundene Tragik einfach nicht mehr in der gleichen Weise wie davor zu hören und Musik und überhaupt Klang aufzunehmen.
ANTONINA RANKERSBERGER
Und dann in weiterer Folge in dem Werk kommen einfach ganz viele ideomatische, volksmusikalische Elemente und Melodien und auch Tänze, also diese Polka im zweiten Satz. Und das kommt alles vor und das ist ein unglaublicher Reichtum.
BARBARA ALHUTER
Und von welchen Komponisten wurde Smetana in seinem Tun inspiriert und beeinflusst, lieber Ivan?
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Er war unter anderem inspiriert von Liszt, Franz Liszt. Da war diese neue Welle mit Programmmusik und so, wo man dann nicht nur Musik, die sich selbst genügt, sondern man hat zum Beispiel ein Gedicht oder Literatur, Poesie von außen oder von seelischen Zuständen oder Malereien, also man wollte das in Tonkunst beschreiben. Da war Liszt so ein Pionier und Smetana wurde auch von ihm unterstützt.
BARBARA ALHUTER
Inwieweit spielen denn nationale Elemente, Nationalismen auch in diesem Streichquartett eine Rolle, Antonia?
ANTONINA RANKERSBERGER
Ja, also eine wichtige Rolle in dem Sinne, dass Smetana wirklich auf seine Vergangenheit, auf sein Leben, auf seine Erfahrungen, aus seinem Vater-/Heimatlands zurückgreift und dementsprechend viele klangliche Ideen verarbeitet. Also da gibt es zum Beispiel im zweiten Satz, wie schon erwähnt, diese Polka, einen Tanz, der dann eigentlich, kann man sagen, im Trio dann von so Trompeten, also »alla tromba« in der Bratsche und in der zweiten Violine. wird das ausgeführt. Und das sind dann auch so eigentlich Anklänge, kann man auch sagen, an eine militärische Trompete, also eine Signaltrompete. Und dann kommt aber wieder ein Teil, wo man sich vorstellen kann, dass jemand mit einem Akkordeon spielt. Also da wird dann dieses tänzerische Thema von Cello und Bratsche ausgeführt und die beiden Geigen, die haben so lustige Akkorde mit einer Gabel auf, Gabel zu, und da kann man sich eigentlich wirklich vorstellen, wie jemand in der Gaststube mit einem Akkordeon sitzt und so dazu musiziert. Und dann natürlich hat man auch – also das ist jetzt vielleicht nicht so ganz deutlich verarbeitet wie diese anderen Elemente –, aber man kann sich schon auch diese wunderschöne tschechische Landschaft auch mit der Moldau und diesem Fluss, und ich stelle mir da auch dann immer irgendwie Herbstfarben vor, wie sich der Wald färbt und die Blätter sich färben. Und dann einfach diese wunderbaren, oft in Terzen oder Sechsten ausgeführten, zum Beispiel das Seitenthema im ersten Satz, das ist dann einfach für mich so ein Anklang an seine Heimat.
BARBARA ALHUTER
Wie war denn die Rezeption dieses ersten Streichquartetts zur Zeit seiner Uraufführung, lieber Ivan?
IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD
Das Quartett von Smetana wurde später sehr beliebt. Es wurde dann auch in anderen Ländern aufgeführt, in Deutschland z. B., und, auch wie gesagt, Franz Liszt hat es weiter lanciert. Aber bei der ersten Aufführung waren die Musiker nicht wirklich dankbar, weil die Stelle, was Antonia erwähnt hat, wo man sich einen Akkordeonspieler vorstellt, wo die zwei Geigen dann so. In Doppelgriffen spielen sie gemeinsam, weil das ist einfach extrem schwer sauber zu spielen. Und das haben sie ihm auch deutlich gesagt, weil das schreibt er auch an einen Freund in einem Brief. Das war scheinbar unspielbar.
MODERATION
»Die Lieblingsstelle«
BARBARA ALHUTER
Wie schon in der Pilotfolge, würde ich mich auch in dieser Folge sehr freuen, wenn ihr, liebe Antonia und lieber Ivan, uns eine besondere Stelle aus einem Werk des kommenden Programms vorspielen könntet. Was würdet ihr uns denn gerne vorspielen, liebe Antonia?
ANTONINA RANKERSBERGER
Also da Ivan und ich heute zusammen hier sind, haben wir uns überlegt, dass wir eine Stelle aus dem dritten Satz von Bedřich Smetanas Werk mitnehmen, also aus dem langsamen Satz. Und das ist für mich eine besonders berührende Stelle, weil nach einer großen Aufregung kommt dann ein Cello-Solo und in der zweiten Geige schreibt er auch »tranquillo«. Also dann kommt wirklich, dann tritt so eine große Ruhe ein. Wir möchten das gerne vorspielen.
MUSIKBEISPIEL
BARBARA ALHUTER
Das war nur ein kleiner Vorgeschmack. Das vollständige Werk können Sie dann mit dem Simply Quartet am 21. November im Wiener Konzerthaus erleben.
MODERATION
»Der ›string.‹-Zyklus im Wiener Konzerthaus«: Sie wollen das Simply Quartet und das Leonkoro Quartett live erleben? Dann sichern Sie sich Ihre Karten. Oder noch besser, verpassen Sie keines der Konzerte dank eines »string.«-Abos. Damit können Sie Ihre Karten schon vor dem Verkaufsbeginn der weiteren Zykluskonzerte erwerben. Und das zu vergünstigten Preisen. Und sollten Sie einmal einen Abo-Termin nicht wahrnehmen können, garantieren wir Ihnen eine kulante Handhabung. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter konzerthaus.at/2526STR Oder wenden Sie sich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ticket- und Service-Centers des Wiener Konzerthauses.
MODERATION
»Highlights und Zusammenfassung«
BARBARA ALHUTER
In dieser Folge haben Antonia Rankersberger und Ivan Valentin Hollup Roald vom Simply Quartet einen Ausblick auf ihr erstes Zykluskonzert von »string.« gegeben. Sie haben uns geschildert, wie Joseph Haydn die Gattung des Streichquartetts etabliert und geprägt hat und wie Bedřich Smetana sein Leben und seine Taubheit in der Musik und mit Musik verarbeitet hat. Als Highlight gab es eine besonders ergreifende Stelle von Smetanas ersten Streichquartett live im Duett zu hören. Beim Blick hinter die Kulissen haben die Geigerin und der Cellist über Herausforderungen, Triumphe und besondere Momente ihres Lebens im Quartett erzählt und uns zudem verraten, was für sie das Tollste an ihrem Beruf ist.
BARBARA ALHUTER
Ja, damit sind wir schon am Ende unserer zweiten Folge von »stringendo«. Vielen Dank, liebe Antonia, und vielen Dank, lieber Ivan, für das Gespräch und natürlich auch ganz besonders dafür, dass ihr uns etwas aus dem künstlerischen und privaten Nähkästchen erzählt habt und mit uns geteilt habt. Und natürlich auch wieder an Sie ein herzliches Dankeschön, liebes Publikum, fürs Zuhören. Wenn Ihnen gefallen hat, was Sie gehört haben, dann dürfen Sie uns gerne weiterempfehlen und uns abonnieren. Und zudem freuen wir uns auf Feedback zu dieser und den anderen Folgen, die Sie auf unserer Website ebenso finden, wie überall dort, wo es Podcasts gibt. Wenn Sie Fragen an die Ensembles haben, schicken Sie uns diese gerne an die E-Mail-Adresse podcast@konzerthaus.at. Ausgewählte Fragen werden in den kommenden Folgen gestellt. Das nächste Mal werde ich mit Mitgliedern des Leonkoro Quartetts über ihr Konzert am 15. Jänner sprechen. Und damit auch auf Wiederhören von mir. Ich bin Barbara Alhuter, Redakteurin des Wiener Konzerthauses und freue mich schon sehr auf die nächste Folge des Konzerthaus-Podcasts »stringendo«. Und bis dahin vergessen Sie nicht, die Saiten Ihres Lebens zum Klingen zu bringen!
MODERATION
»stringendo« – der Podcast des Wiener Konzerthauses zum neuen Streichquartettzyklus »string.«