Ein neues Kapitel für das Leonkoro Quartett

Über die neue zweite Geigerin Emiri Kakiuchi und den Klangreichtum bei Beethoven und Schulhoff

16.03.2026 34 min Staffel 1 Episode 5

Zusammenfassung & Show Notes

Mayu Konoe und Lukas Schwarz vom Leonkoro Quartett sprechen über ein neues Kapitel für ihr Ensemble: die Neubesetzung der 2. Geige durch die aus Japan stammende und später in London aufgewachsene Emiri Kakiuchi. Welche Aspekte waren dem Leonkoro Quartett bei der Auswahl des neuen Mitglieds besonders wichtig? Und wie muss man sich diesen Prozess vorstellen? Das und vieles mehr ist Inhalt dieser Folge.
 
Zudem sprechen Mayu Konoe und Lukas Schwarz über ihr zweites Konzert mit dem Leonkoro Quartett am 15. April 2026 im Wiener Konzerthaus, das zugleich das Zyklusfinale von »string.« darstellt. Dabei präsentiert das Ensemble Erwin Schulhoffs »Fünf Stücke für Streichquartett« sowie Ludwig van Beethovens Streichqartett cis-moll op. 131. Der programmatische Bogen reicht also von der vielfältigen Klangwelt Schulhoffs, der mit impressionistischen und jazzigen Anklängen eine Brücke zur Moderne schlägt, bis hin zu Beethovens spätem Streichquartett, das die Gattung mit seiner monumentalen Struktur und seiner emotionalen Tiefe auf eine neue Ebene gehoben hat. Ihre Ausführungen illustrieren die Bratschistin und der Cellist anhand mehrerer Live-Einspielungen.

Hörempfehlung
Die Quartett-Ausschnitte zu Erwin Schulhoff und Ludwig van Beethoven stammen vom Leonkoro Quartett. Für die Schulhoff-Aufnahme siehe das Album »Out of Vienna«.

Mit freundlicher Genehmigung der Künstler:innen sowie des Labels; Verwendung gemäß fair-use-policy.

Transkript

Stringendo, der Podcast des Wiener Konzerthauses zum neuen Streichquartett -Zyklus String. Und wenn man jetzt Leute fragt, wenn man jetzt Leute fragt, habt ihr Lust Quartett zu spielen, dann sind die meisten Leute erstmal so, ja klar, haben wir Lust Quartett zu spielen. Aber natürlich ist die Entscheidung, sein Leben auf Streichquartett umzukrempeln, eine ziemlich große. Zwei Streichquartette, die nicht nur über ein Jahrhundert in ihrer Entstehungszeit, sondern auch musikalische Welten zu trennen scheinen und die doch in ihrer Intensität und Ausdruckskraft tief miteinander verwoben sind. Das erwartet Sie in der fünften Folge von Stringendo, dem Podcast des Wiener Konzerthauses zum Streichquartett -Zyklus String. Ich bin Barbara Allhutter, Redakteurin des Wiener Konzerthauses, und ich begleite Sie heute gemeinsam mit Mayo Kunoe und Lukas Schwarz, der Pratschistin und dem Cellisten des Leon -Coro -Quartetts, zu Ludwig van Beethovens tiefgründigem Spätwerk, sowie in die überraschende Klangwelt von Erwin Schulhof. Offstage Einblicke in das Leben und den Quartettalltag der Künstlerinnen und Künstler. Liebe Mario, lieber Lukas, vielen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt für unser Gespräch und herzliche Grüße nach Berlin. Wir sprechen diesmal über euren zweiten Auftritt mit eurem Ensemble im Zyklus String am 15. April im Schuberttsaal des Wiener Konzerthauses. Und das Konzert ist zugleich das Zyklusfinale. Aber da unser letztes Gespräch schon so lange zurückliegt und ihr einerseits auf eine Vielzahl von Konzerten, sei es in Deutschland, in Bilbao, Turin, Paris, Amsterdam, London, Helsinki zurückblicken könnt, aber auch eine persönliche Veränderung im Quartett erlebt habt, würde ich euch gerne fragen, wie es euch denn so geht, wie ihr die letzte Zeit erlebt habt. Vielen Dank, uns geht es sehr gut. Wir sind gerade in Berlin in einer Probenphase vor einer großen USA -Tournee. Es gab einen Wechsel bei uns im Quartett in der letzten Zeit. Seit Januar haben wir eine neue zweite Geigerin, Emily Kakiuchi. Die letzte Zeit war natürlich sehr emotional für uns. So ein Wechsel ist nie einfach, würde ich behaupten. Aber wir hatten eine wahnsinnig schöne Zeit mit Amelie, mit unserer ehemaligen zweiten Geigerin. Wir haben schöne letzte Konzerte miteinander gespielt und sind nicht im Zwist auseinandergegangen, was ja auch nicht selten vorkommt. Deswegen sind wir da, glaube ich, noch ganz gut weggekommen. Wir sind wahnsinnig dankbar für die schöne Zeit mit Amelie. Ja, aber ein Wandel ist natürlich immer auch irgendwie... Eine Chance für eine positive Entwicklung und dementsprechend freuen wir uns auch jetzt sehr auf die Zukunft und das, was auf uns zukommt. Wie habt ihr denn den Auswahlprozess der neuen zweiten Geige gestaltet? Wir haben uns sehr viel umgefragt und natürlich auch immer wieder gesehen, wer macht viel. Kammermusik, wer scheint viel Kammermusik schon zu haben, wer scheint dafür auch schon wirklich die Leidenschaft zu haben, dann haben wir zusammen geprobt und je nachdem proben wir weiter. Machen wir Konzerte zusammen, machen wir Journien zusammen und man kann von ein paar Tagen nicht so viel schon entscheiden. Daher haben wir versucht, mehrere Konzerte auch zu spielen. Man sagt ja immer, die Musikerwelt ist klein. Das stimmt auch. Man kennt dann doch sehr viele Leute, die man so scoutet, sag ich mal. Allerdings ist die Position der zweiten Geige natürlich auch eine sehr besondere. Also da sind natürlich Qualitäten gefragt, die nicht so auf den ersten Blick zu erkennen sind. Die zweite Geige ist auch ein ganz anderer Job als zum Beispiel die erste Geige. Deswegen ist es ganz wichtig, neben... Proben und Gesprächen, auch Konzerte zu spielen. Gerade auch, weil das Tourneeleben natürlich auch ein besonderes ist. Und wenn man jetzt Leute fragt, habt ihr Lust, Quartett zu spielen? Dann sind die meisten Leute erstmal so, ja klar, haben wir Lust, Quartett zu spielen. Aber natürlich ist die Entscheidung, sein Leben auf Streichquartett umzukrempeln, eine ziemlich große. Die ist, glaube ich, auch dann für die KandidatInnen nur zu entscheiden, wenn man wirklich mal auf Tournee war, wenn man den ganzen Reisestress mitgekriegt hat. Die das auch wollen. das auch wollen. Genau, ob man das wirklich dann will, Genau, ob man das wirklich dann will, das ist ein längerer Prozess natürlich. Und welche Rolle spielt das künstlerische Management bei derartigen Entscheidungen? Liegt da alles bei euch oder gibt es da eine beratende Funktion? Also die Entscheidung liegt komplett bei uns. Zum Glück. Es gibt natürlich Instanzen, die man um Rat fragt. Wir haben verschiedene Mentoren, die wir natürlich um Rat gebeten haben. Mit der Agentur sind wir natürlich auch und dem Management immer in Rücksprache. Allerdings ist natürlich die... Die Kernarbeit, die wir tun, findet ja im Probenraum statt und da ist ja weder sind da unsere Mentoren dabei, noch ist da das Management dabei, das wäre es ja noch, sondern das ist eine ganz persönliche Arbeit und dementsprechend ist auch die Entscheidung eine sehr persönliche, die nur wir im Endeffekt fällen konnten. Sehr persönlich und auch viel Bauchgefühl. persönlich und auch viel Bauchgefühl. Und natürlich ist es auch immer gefährlich bei solchen Sachen, wenn man zu viele Meinungen hat. Das Bauchgefühl ist ganz wichtig und wenn man zu viel sich mit Leuten über solche Entscheidungen austauscht, dann verwischt auch irgendwie die eigene Wahrnehmung so ein bisschen. Was fällt euch denn spontan zu folgenden fünf Begriffen ein? Lukas, magst du beginnen? Ja, sehr gerne. Ja, sehr gerne. Der erste Begriff lautet Vergangenheit. Der erste Begriff lautet Vergangenheit. Bei Vergangenheit denke ich natürlich irgendwie jetzt bezogen auf das Quartett, dass ich sehr viel Dankbarkeit spüre. Gerade jetzt in unserer aktuellen Situation mit dem Wechsel ist die Vergangenheit auf eine Art natürlich noch sehr präsent. Auf eine andere Art muss man aber auch in die Zukunft schauen. Ich spüre vor allem Dankbarkeit und für das, was war. Eine gewisse Ungläubigkeit bzw. Demut vor dem, was wir jetzt machen dürfen nach den Jahren, die wir zu einem Quartett spielen. Ich würde mal Dankbarkeit als Schlagwort nehmen. Zweiter Begriff, Entwicklung. Entwicklung, da kriege ich fast so ein bisschen Angst bei dem Begriff, beziehungsweise sehr großen Respekt, weil es ist natürlich, das ganze Leben ist irgendwie eine Entwicklung. Ich will nicht zu philosophisch werden. All das, was wir tun und alles, was wir jeden Tag tun, die kleinen Sachen, genauso wie die großen Sachen, sind ja alles Teil unserer Entwicklung. Drittens, Frühling. Geburtstag. Ich habe im Frühling Geburtstag. Unsere neugierigerin Emily hat lustigerweise auch am selben Tag Geburtstag. Ein paar Jahre jünger ist sie, aber... Wir können zusammen Geburtstag feiern. Viertens Tarantella. Also es gibt ein Stück, was ich früher mal gespielt habe als junger Cellist von David Popper. Es heißt Tarantella. Das ist ein lustiges Tanzstück. Wir sind demnächst in Australien auf Tournee und es gibt in unserem Quartett eine Spinnenphobie. Und wir sind darauf vorbereitet worden, dass man in Australien gelegentlich größeren Spinnen begegnen könnte. Ich habe letztens, weil ich nicht wusste, was es für Spinnen in Australien gibt, ein bisschen gegoogelt. Aber ich habe auf jeden Fall, weil ich dann über Spinnen auf Tarantella gekommen bin, warum das ein Tanz ist, was ja mit der Spinne und dem Biss dieser Spinne zu tun hat. Wo ich aber gelernt habe, dass es nicht stimmt, dass man, wenn man... von der Tarantel gestochen ist, dann anfängt so zu tanzen. Und der fünfte Begriff, historische Aufführungspraxis. Ich höre sehr gerne Aufnahmen mit historischer Aufführungspraxis. Das selbst anzuwenden, das ist nicht mein Vorteil, würde ich sagen. Vielen Dank. Nun zu dir, liebe Maju. Dein erster Begriff, Zukunft. Etwas, worauf ich vorausblicke. Ich mag es, mich einzubilden, dass man vieles selbst entscheiden kann. Zweitens, Veränderung. Zweite Geige. Ganz einfach gesagt. Veränderung kann was Gutes sein, kann was Negatives sein. In diesem Fall war es natürlich was sehr Besonderes. Drittens, Sturm. Beethoven. Viertens, Tango. Oh, wir haben Tango in Schulhof. Selbst kenne ich mich wirklich sehr schlecht aus und ich bin auch wirklich ein bisschen ungeschickt mit generell Tanzen. Deswegen ist es etwas, was ich mich gerne anschaue, aber das würde ich selbst nie trauen. Und fünftens, Uraufführung. Was mir sofort einfällt, ist, dass wir ein paar Uraufführungen geplant haben. Ich habe neulich eine Doku gesehen über Brahms und ich habe mir da vorgestellt, man sitzt im Publikum, man hört die Sinfonien zum ersten Mal. Man hat schon so viel gehört und man hört dann Brahms zum ersten Mal. Das muss so ein unglaubliches Gefühl sein, jetzt ein Stück zum ersten Mal zu hören, was jetzt ein Klassiker ist. Eine Uraufführung ist schon etwas sehr Besonderes, wenn man dabei sein kann. Mitte Jänner habt ihr das Konzerthauspublikum, eben auch schon gemeinsam mit Emily, vor allem mit eurer Interpretation von Alban Berg's Lyrische Suite sehr bewegt. Beim Zyklusfinale von String am 15. April widmet ihr euch Erwin Schulhofs fünf Stücken für Streichquartett und Ludwig van Beethovens Streichquartett Cismol Opus 131. Zur Entstehungsgeschichte und Aufführungshistorie von Erwin Schulhoffs Fünf Stücke für Streichquartett im Wiener Konzerthaus. Diese fünf Stücke entstanden 1923 und sind jeweils von Tänzen inspiriert. Das heißt, sie haben eine sweetenhafte Anlage. Der Widmungsträger ist der mit Erwin Schulhoff befreundete französische Kollege Darius Milot, der seines Zeichens wie Schulhof eine große Leidenschaft für Jazz hegte. Ein Musikjournalist schrieb in den 1920er Jahren über das facettenreiche Schaffen Erwin Schulhofs, Schulhof ist der Zeitgemäße, vielleicht der Modemusiker von heute, ein amüsanter, liebenswürdiger, witziger, spielerisch veranlagter, hochbegabter Künstler und ein wilder Temperamentsmusikant, ein Draufgeher. Das bestätigte Schulhof in einem Brief an seinen Komponistenkollegen Alban Berg. Ich habe eine außerordentliche Leidenschaft für modische Tänze. Und es gibt Zeiten, da gehe ich Nacht für Nacht tanzen. Allein aus Begeisterung für den Rhythmus und aus unterbewusster Sinnlichkeit. Das gibt meiner schöpferischen Arbeit einen phänomenalen Impuls. Die fünf Stücke. wurden 1925 zum ersten Mal veröffentlicht. Die Uraufführung erfolgte im August 1924 in Salzburg durch das Zika -Quartett im Rahmen eines Festivals der Internationalen Gesellschaft für neue Musik. Die Erstaufführung im Wiener Konzerthaus fand am 19. April 1994 statt und es spielten Mitglieder des Concertino Münchens. Bisher wurden die fünf Stücke nur siebenmal im Wiener Konzerthaus aufgeführt. Unter anderem vom Hagen -Quartett, dem Aris -Quartett und auch schon in Auszügen als Zugabe vom Leon -Koro -Quartett. Der gebürtige tschechische Komponist Erwin Schulhof wird ja gerne als Visionär seiner Zeit bezeichnet. Einflüsse quer durch alle Genres und Strömungen und Stilrichtungen aufgenommen, um Musik zu schreiben, die seines Erachtens dem 20. Jahrhundert gerecht werden sollte. Wie würdest du den Stil von Schulhoffs fünf Stücken beschreiben, Lukas? Also die fünf Stücke sind ja fünf Tänze. Man hätte sie theoretisch auch, finde ich, fünf Tänze nennen können, dann wäre das eindeutiger. Und jeder Satz stellt einen Genre dar, also einen Tanz dar. Geht vom Wiener Walzer über Tango bis zu böhmischem Volkstanz. Er hat ja viele unterschiedliche Einflüsse in seiner Musik vereint. Deswegen ist es schwierig, den Stil so in einem Wort zu beschreiben. Auf jeden Fall ist es also extrem rhythmisch inspirierte Musik, würde ich sagen. Und mit sehr viel Witze, also man kann sehr viel Humor raushören. Gerade der erste Satz ist ein gutes Beispiel. Also man kann es hören als Parodie auf einen Wiener Walzer. Schulhof hat die Stücke 1923 komponiert. Die 1920er -Jahre werden ja auch gerne als goldene Zwanziger bezeichnet. Der Erste Weltkrieg ist vorüber und es gibt eine politische wie auch wirtschaftliche Stabilität, zumindest vorübergehend. Mario spiegelt sich dieses Gefühl, dieses Lebensgefühl der goldenen Zwanziger auch in der Musik wieder. Die Goldene Zwanziger war ja geprägt vom Aufbruch, Lebenslust und Experimentierfreudigkeit. Und in Schulhofsmusik kann man das ganz sicher wiedererkennen. Die Stücken sind sehr, sehr experimentierfreudig. Es wird viele verschiedene Stile bearbeitet und verschiedene Tanzstile, kooperiert und parodiert vor allem und auch ein bisschen satirisch. Und hast du ein Lieblingsstück unter diesen fünf Stücken, Lukas? Es ist schwierig, einen Favoriten zu wählen. Ich mag die alle sehr gerne. Das ist jetzt ein bisschen langweilige Antwort. Ich würde trotzdem sagen, dass für mich heraussticht der vierte Satz. Alla Tango Milonga. Die Sätze heißen ja auch immer mit Alla davor. Also wie? Also es wird nicht gesagt, es ist ein Tango Milonga, sondern... Es ist wie ein Tango -Milonga, finde ich ganz interessant. Ich glaube, den mögen wir alle sehr gerne, den Satz. Das ist zwar auch einer der schwierigsten zu spielen, vielleicht sogar der schwierigste von den fünf. Und wir können zwar alle selbst keinen Tango tanzen, aber trotzdem, diese Rhythmik ist für uns immer, ist irgendwie packend für uns. Und es gibt teilweise so coole Stellen, wo die erste Geige so improvisierend irgendwie so, ja quasi tanzt. Und die anderen drei sind so die Band, die irgendwie so im eisernen Rhythmus... wie wenn man an so einer Bar vorbeiläuft irgendwie und man hört von drinnen die Musik, das klingt so gedämpft. Das finde ich total cool, diese Klangsprache finde ich total interessant. Auch der erste Satz, da wird dieser Wiener Walzer Rhythmus irgendwie so protest teilweise dargestellt. Man könnte wirklich tanzen dazu, es ist aber trotzdem irgendwie auch in den Takten so verschoben, dass man irgendwie so ein, nicht so ein ganz entspanntes Wiener Walzer Gefühl bekommt und das ist total interessant gemacht, total spannend und auch dadurch sehr spannend zu spielen, weil man halt sich bei jedem Satz immer auf einen anderen, Tanzstil irgendwie einlassen muss und wir sind keine großen Tänzer, das hat Maju ja schon vorhin auch angedeutet, deswegen ist es für uns auch eine Herausforderung. Im Schulhof haben Maju und ich in Braco und Cello sehr oft zusammen die Begleitstimme und das ist ziemlich cool, das ergänzt sich meistens. Die erste Stelle, die wir spielen, ist aus dem zweiten Satz, der Anfang und dann nochmal am Ende. Das ist ein Rhythmus, der quasi den ganzen Satz durchgeht und so die Grundstimmung des Satzes irgendwie definiert. Den Rhythmus teilen Mai und ich uns. Und es gibt noch eine weitere Stelle, wo Mai und ich uns die Begleitung teilen und das ist im fünften Satz. Das ist eine ein bisschen fetzigere Begleitungsstimme als jetzt im zweiten Satz und die werden wir auch einmal kurz spielen. Schulhof war auch ein politisch engagierter Künstler, also er war neuer Bürger der Sowjetunion und bekannte sich auch offen zum Kommunismus, war dann später Opfer des Nationalsozialismus. Wie beeinflusst das eure Interpretation von Musik, solche Hintergründe zu kennen? Ja, allgemein ist es uns natürlich sehr wichtig, diese Geschichten zu kennen, in dem Fall diese sehr tragische Geschichte eines Komponisten zu kennen und dann auch, Da ja auch das deinen Teil dazu beigetragen hat, dass Schulhoff quasi vergessen war eine Zeit lang. Ja, es ist uns schon wichtig, unseren Teil dazu beizutragen, dass dann so eine Musik, die dann lange Zeit zu Unrecht nicht präsent war, auch wieder auf die Bühne zu bringen. Das ist auch interessant, weil es gibt da so viele Sachen, die irgendwie lange Zeit lang... quasi einfach nicht gespielt wurden und die jetzt irgendwie langsam wieder rausgekramt werden. Bei Schulhof Musik ist das schon ein bisschen länger jetzt wieder so, aber wir haben ab und an Komponisten und auch Komponistinnen auf dem Programm, die in dieser Zeit Werke geschrieben haben, die teilweise absolut genial sind und die wieder zu entdecken, sich wirklich lohnt. Und Schulhof präsentiert ihr ja nicht nur in euren Konzertprogrammen, sondern... Die Aufnahme der fünf Stücke ist ja auch Teil eurer neuen CD Out of Vienna, die Ende Jänner erschienen ist. Soviel zu Erwin Schulhoff und seinen fünf Stücken für Streichquartett. Wechseln wir nun zu Ludwig van Beethoven und seinem Opus 131. Zur Entstehungsgeschichte und Aufführungshistorie von Ludwig van Beethovens Streichquartett in Zismol, Op. 131. Dieses Werk entstand in den Jahren 1825 und 1826. Der Widmungsträger ist der kaiserlich -österreichische Feldmarschall -Leutnant Baron Josef von Stutterheim. Der nahm Beethovens Sorgenneffen Karl von Beethoven nach dessen Selbstmordversuch in sein Regiment auf und Beethoven hatte ihm dieses Quartett aus tiefer Dankbarkeit heraus gewidmet. Die Uraufführung war am 5. Juni 1828 in Halberstadt. Es spielte das Quartett der Gebrüder Müller Senior. Im selben Jahr erschien in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung eine Rezension des Quartetts durch Johann Friedrich Rochlitz. Jene, die durch Musik sich nur amüsieren, einen angenehmen Zeitvertreib schaffen wollten, sollten auf jene neueste Werke Beethovens verzichten. Alle anderen sollten mit Sammlung und gutem Willen, möglichst ohne Vorurteil, mit bedeutenden, aber nicht falschen und auch nicht allzu sehr ins Allgemeine und unbestimmte hinauslaufenden Erwartungen an das Werk herangehen. Doch müsse man es mehrfach hören, um es zu verstehen. Dann lasse sie sich gefallen, dass bald fast nur zu unbestimmten Spielen ihre Fantasie in Bewegung gesetzt wird. Sie lasse sich's gefallen, bis sie mit dem Werke näher bekannt worden ist. Laut Aussage von Karl Holz hielt Ludwig van Beethoven das Zismol -Quartett für sein Bestes. Richard Wagner meinte über Beethovens Opus 131, beziehungsweise insbesondere über das einleitende Adagio, Das Schwermütigste, was je in Tönen ausgesagt worden ist. Die Erstaufführung im Wiener Konzerthaus fand am 5. Dezember 1913 durch das KP -Quartett statt. Bisher wurde es ganze 87 Mal im Wiener Konzerthaus aufgeführt, darunter mehrfach vom Rosé -Quartett, einige Male auch vom Busch -Quartett, zehnmal vom Albernberg -Quartett sowie mehrfach vom Hagen -Quartett. Beethoven schrieb dieses Streichquartett ebenso wie das Opus 135 in seiner letzten, sehr schweren Lebensphase, Stichwort Gehörverlust. Es gilt als eines seiner komplexesten und tiefgründigsten Werke. Richard Wagner meinte auch, es sei wohl das schwermütigste, was je in der Musik gesagt worden sei. Liebe Mario, kannst du etwas über das Streichquartett erzählen? Dieses Werk gilt ja als eines der wichtigsten. Quartette des Repertoires und auch der Favorit von vielen, vielen Menschen, sowohl in Beethoven -Staffern als auch bezogen auf die gesamte Quartettliteratur. Es gibt viele Sachen, die an diesem Werk sehr faszinierend sind. Zum Beispiel die ungewöhnliche Satzanzahl. Es sind sieben Sätze, die ohne Pause nacheinander weitergehen. Und für uns als Künstler ist es sehr... Die Herausforderung, die lange Spanne zu behalten und ohne großen Pausen und ohne tief durchatmen zu können, die Charaktere sofort wechseln zu können. Und das macht es für uns sehr spannend. Beethoven hat ja mehrere Quartete geschrieben, in der er über die klassisch tradierte Viersetzigkeit hinausgegangen ist. Wenn du jetzt ein typisches, klassisches... vielleicht auch Haydn -Quartett mit diesem Beethoven -Quartett vergleichst. Was ist auffällig bei der Struktur? Kannst du da ein paar Dinge vielleicht herausgreifen? Ich finde jeden Satz irgendwie in diesem Werk absolut krass. Und allein, dass das losgeht mit einer Fuge, ist schon spannend. Und das ist dann auch noch... meiner Meinung nach, ich glaube, unserer Meinung nach die krasseste Fuge. Wobei, das ist jetzt auf Beethoven gesehen, da gibt es natürlich auch noch die große Fuge. Aber es ist einfach ein wahnsinniger Anfang für ein Stück. Und diese krassen Gegensätze dann... Einmal natürlich, dass das alles Attacke ineinander übergeht, ist spannend. Auch wie die Sätze ineinander übergehen, der erste Satz auf den zweiten Satz zum Beispiel. Der erste Satz endet mit einer Oktave und der zweite Satz endet auch mit einer Oktave, die aber einfach nur ein Halbton nach oben geht. Und daraus entsteht aber schon so ein unglaublich krasser Charakterwechsel. Das ist ganz eigen und ganz Beethoven -typisch. Ja, und der zweite Satz ist dann irgendwie so super heiter und fast naiv, positiv. Dann der dritte Satz ist nur elf Takte lang. Ich meine, das ist so, ich kenne kein Heidenquartett. Ich hoffe... Ich hoffe, ich lehne mich jetzt nicht zu weit aus dem Fenster. Jetzt werden sich irgendwelche Kenner wütende Mails ans Konzert ausschreiben. Aber ich glaube, es gibt kein Heidenquartett, wo ein Satz nur elf Takte lang ist. Und es wirkt fast improvisiert. Es gibt keine richtige Form in diesem dritten Satz, der quasi als Überleitung zum vierten Satz fungiert. Und der vierte Satz, der ja normalerweise im klassischen Schreichquartett der letzte Satz ist, ist hier quasi das Zentrum des Werkes und ein riesiger Variationssatz. Der so lang ist wie manche anderen kompletten Streichquartette, die wir spielen. Und dann kommt ein virtuoses Scherzo, dann nochmal ein langsamer Satz und dann das große Finale. Diese Struktur ist irgendwie ganz ungewöhnlich und der letzte Satz ist so ein richtiger... Totentanz, also richtig schicksalshaft. Man hört richtig diesen Teufelsritt in den vier Stimmen. Das gesamte Werk ist ja auch lang. Das geht ja auch fast 40 Minuten. Und dann entlädt sich das am Ende mit so drei unglaublich fetten Zisturakkorden. Bevor ich auf die Bühne gehe für dieses Quartett, habe ich nicht das gleiche Gefühl in mir von ich spiele jetzt ein Mendelssohn -Quartett oder ein Haydn -Quartett. Das liegt aber vor allem wirklich auch an dieser Siebensätzigkeit und diesem Attacker. Also dass man quasi keine Zeit hat, sich zwischendurch mal irgendwie kurz zurückzulehnen, kurz die Konzentration einmal kurz minimal zu senken. Das macht es irgendwie zu einem Monument. Mario, Lukas hat schon ausgeführt, dass Beethoven in diesem Streichquartett die Grenzen des klassischen Quartetts wirklich gesprengt hat. Gibt es für dich noch konkrete Stilmerkmale, die noch anzuführen wären, die neuartig sind oder die das Werk so ganz besonders machen? Für uns ist es sehr faszinierend, sehr faszinierend, wie unglaublich modern diese Musik jetzt immer noch wirkt. Es gibt ja Berichte aus der Zeit, die beschreiben, dass... diese Musik von einem Großteil des Publikums der Zeit als Werke eines Irren gesehen wurde. Und dass das immer noch modern wirkt, eigentlich Beethoven als Name, das kennen ja selbst die, die nicht klassisch hören. Und ich glaube, selbst wenn die spätere Quartette von Beethoven hören, ich glaube nicht, dass die irgendwie denken würden, dass das Beethoven sein könnte. Und das ist für uns so auch... Technisch spannend. Ja, also neben diesen Sachen, die schon erwähnt wurden, also den großen Bogen über das Stück zu halten, dass es keine Pausen gibt, also einfach, dass es auch körperlich eine Herausforderung ist, gibt es auch eine Sache, die hatte ich davor gar nicht bedacht, um ehrlich zu sein. Und zwar hast du ja normalerweise in einem Quartett Zeit zwischen den Sätzen nachzustimmen. Also die Seiten nachzujustieren, zu gucken, dass es nicht zu sehr auseinanderdriftet zwischen den vier Instrumenten. Wir stimmen gerne sehr viel und sehr ausführlich und uns ist sehr wichtig, dass immer alle Seiten wirklich genau passen. Wenn du dann aber 40 Minuten durchbretterst und keine Pausen zwischen den Sätzen hast, dann wird sich da zwangsläufig was verstimmen. Und da hast du keine Zeit, das nachzujustieren. Und das finde ich irgendwie ganz interessant, weil das teilweise auch gesehen wird als Teil des Stückes quasi. Also dieser unglaubliche Kampf und dann am Ende dieser Teufelsritt, da stimmt einfach nicht mehr alles. Aber da stimmt ja wirklich auch nicht mehr alles. Das ist ja hochdramatisch so. Und das Hochdramatische, da ist die Verstimmung vielleicht auch irgendwie so eine Art Stilmittel. Und für uns vielleicht auch eine Ausrede, weiß ich nicht. Also da... ist es immer sehr interessant, wenn man von der Bühne geht, dann nochmal die Seiten zu checken und zu gucken, wie weit es dann auseinandergedriftet ist. Ich habe auch gemerkt, dass man während des Konzerts dann sich auch nicht unbedingt traut, dann kurz zu stimmen, weil wegen der Adrenaline weiß man nicht, ist es jetzt zu tief, ist es jetzt zu hoch, was ist jetzt zu tief, deswegen lässt man es dann doch und dann ist es nicht. Und das ungehört zu machen, ist sowieso kaum möglich. Und Und was sind da eure Erfahrungswerte im Unterschied der Stimmung am Ende des Stücks? Die sind schon vorhanden. Es kommt auch ein bisschen auf dem Wetter drauf an, tatsächlich. Wie sehr die Instrumenten auch darauf reagieren. Ja, wenn man jetzt irgendwie, wir waren letztens in Helsinki, da hat es minus 20 Grad draußen. Und wenn du da fünf Minuten mit dem Instrument draußen unterwegs bist, dann braucht das Instrument erst mal zwei Stunden sich wieder einzurichten, wenn man dann im Konzertsaal ist. Was macht denn für euch den besonderen Reiz aus, genau diese beiden Stücke, also Schulhof und Beethoven, in einem Programm zu kombinieren, Mario? Wir glauben, dass Gegensätze in einem Programm die Aufmerksamkeit schärfen. In erster Linie haben wir die beiden Stücke aber kombiniert, weil sie einfach beide unglaublich Spaß bringen zu spielen. Meine Lieblingsstelle in Beethoven ist auch bestimmt eine von Lukas. Es ist im ersten Satz und das Thema wird zuvor von den beiden Geigen gespielt und wir dürfen dann diesen unglaublich schönen Gesang übernehmen. Highlights und Zusammenfassung In dieser Folge sprechen Mario Kunoe und Lukas Schwarz vom Leon Koro -Quartett über ein neues Kapitel für ihr Ensemble. dieser Folge sprechen Mario Kunoe und Lukas Schwarz vom Leon Koro -Quartett über ein neues Kapitel für ihr Ensemble. Amelie Wallner hat das Quartett verlassen und seit Jänner ist die aus Japan stammende und später in London aufgewachsene Emilie Kakiuchi an der zweiten Geige zu erleben. Welche Aspekte waren dem Leon Koro -Quartett bei der Auswahl des neuen Mitglieds besonders wichtig? Und wie muss man sich diesen Prozess generell vorstellen? Das und vieles mehr ist Inhalt dieser Folge. Im Fokus von On Stage steht das kommende Konzert des Leon Choro Quartetts am 15. April im Wiener Konzerthaus, das zugleich das Zyklusfinale von Stringen darstellt. Die Bratschistin und der Cellist geben anhand von Live -Einspielungen Einblicke in die abwechslungsreiche Klangwelt von Erwin Schulhofs fünf Stücken. und erläutern, weshalb Ludwig van Beethovens Streichquartett Opus 131 als einer der Gipfelpunkte der Gattungsgeschichte gilt. An dieser Stelle ein kleiner Ausblick. Beide Ensembles bleiben dem Wiener Konzerthaus auch kommende Saison erhalten. Für weitere Informationen dürfen wir Sie auf die Abonnementbroschüre 2026 -2027 verweisen, die Ende März erscheinen wird. Damit sind wir am Ende unserer fünften und letzten Folge von Stringendo. Meine Gäste waren Mario Kunoe und Lukas Schwarz, die Bratschistin und der Cellist des Leon -Coro -Quartetts. Vielen Dank für das Gespräch, liebe Mario und lieber Lukas. Und natürlich auch dafür, dass ihr mir so offen Rede und Antwort gestanden seid. Und auch an Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, ein herzliches Dankeschön fürs Zuhören. Sollten Sie die eine oder andere Folge verpasst haben, so gibt es viele Möglichkeiten, diese nachzuhören. Unseren Podcast finden Sie in der Mediathek auf der Webseite des Wiener Konzerthauses. Die Adresse lautet konzerthaus at slash mediathek in der Rubrik hören, auf YouTube oder überall dort, wo es Podcasts gibt. Damit verabschiede ich mich. Ich bin Barbara Allhutter, Redakteurin des Wiener Konzerthauses und ich bedanke mich an dieser Stelle. bei beiden Quartetten, beim Leon Choro Quartett und beim Simply Quartett, die sich bereit erklärt haben, über ihre Konzerte zu sprechen, über ihre Programme und uns auch vor allem Einblicke in das Leben und den Alltag von Musikerinnen und Musikern gewährt Es war schließlich der erste Podcast in der Geschichte des haben. Und ich bedanke mich bei allen Wiener Konzerthauses. Für Sie, liebe Zuhörerinnen und Beteiligten, die zum Gelingen dieses Projekts beigetragen haben. Zuhörer, gilt weiterhin, vergessen Sie nicht, die Seiten Ihres Lebens zum Klingen zu bringen.