Ein neues Kapitel für das Leonkoro Quartett
Über die neue zweite Geigerin Emiri Kakiuchi und den Klangreichtum bei Beethoven und Schulhoff
16.03.2026 34 min Staffel 1 Episode 5
Zusammenfassung & Show Notes
Mayu Konoe und Lukas Schwarz vom Leonkoro Quartett sprechen über ein neues Kapitel für ihr Ensemble: die Neubesetzung der 2. Geige durch die aus Japan stammende und später in London aufgewachsene Emiri Kakiuchi. Welche Aspekte waren dem Leonkoro Quartett bei der Auswahl des neuen Mitglieds besonders wichtig? Und wie muss man sich diesen Prozess vorstellen? Das und vieles mehr ist Inhalt dieser Folge.
Zudem sprechen Mayu Konoe und Lukas Schwarz über ihr zweites Konzert mit dem Leonkoro Quartett am 15. April 2026 im Wiener Konzerthaus, das zugleich das Zyklusfinale von »string.« darstellt. Dabei präsentiert das Ensemble Erwin Schulhoffs »Fünf Stücke für Streichquartett« sowie Ludwig van Beethovens Streichqartett cis-moll op. 131. Der programmatische Bogen reicht also von der vielfältigen Klangwelt Schulhoffs, der mit impressionistischen und jazzigen Anklängen eine Brücke zur Moderne schlägt, bis hin zu Beethovens spätem Streichquartett, das die Gattung mit seiner monumentalen Struktur und seiner emotionalen Tiefe auf eine neue Ebene gehoben hat. Ihre Ausführungen illustrieren die Bratschistin und der Cellist anhand mehrerer Live-Einspielungen.
Hörempfehlung
Die Quartett-Ausschnitte zu Erwin Schulhoff und Ludwig van Beethoven stammen vom Leonkoro Quartett. Für die Schulhoff-Aufnahme siehe das Album »Out of Vienna«.
Mit freundlicher Genehmigung der Künstler:innen sowie des Labels; Verwendung gemäß fair-use-policy.
Transkript
Stringendo, der Podcast des Wiener
Konzerthauses zum neuen
Streichquartett -Zyklus String.
Und wenn man jetzt Leute fragt,
wenn man jetzt Leute fragt, habt
ihr Lust Quartett zu spielen, dann
sind die meisten Leute erstmal so,
ja klar, haben wir Lust Quartett
zu spielen.
Aber natürlich ist die
Entscheidung, sein Leben auf
Streichquartett umzukrempeln, eine
ziemlich große.
Zwei Streichquartette, die nicht
nur über ein Jahrhundert in ihrer
Entstehungszeit, sondern auch
musikalische Welten zu trennen
scheinen und die doch in ihrer
Intensität und Ausdruckskraft tief
miteinander verwoben sind.
Das erwartet Sie in der fünften
Folge von Stringendo, dem Podcast
des Wiener Konzerthauses zum
Streichquartett -Zyklus String.
Ich bin Barbara Allhutter,
Redakteurin des Wiener
Konzerthauses, und ich begleite
Sie heute gemeinsam mit Mayo Kunoe
und Lukas Schwarz, der
Pratschistin und dem Cellisten des
Leon -Coro -Quartetts, zu Ludwig
van Beethovens tiefgründigem
Spätwerk, sowie in die
überraschende Klangwelt von Erwin
Schulhof.
Offstage Einblicke in das Leben
und den Quartettalltag der
Künstlerinnen und Künstler.
Liebe Mario, lieber Lukas, vielen
Dank, dass ihr euch Zeit genommen
habt für unser Gespräch und
herzliche Grüße nach Berlin.
Wir sprechen diesmal über euren
zweiten Auftritt mit eurem
Ensemble im Zyklus String am 15.
April im Schuberttsaal des Wiener
Konzerthauses.
Und das Konzert ist zugleich das
Zyklusfinale.
Aber da unser letztes Gespräch
schon so lange zurückliegt und ihr
einerseits auf eine Vielzahl von
Konzerten, sei es in Deutschland,
in Bilbao, Turin, Paris,
Amsterdam, London, Helsinki
zurückblicken könnt, aber auch
eine persönliche Veränderung im
Quartett erlebt habt, würde ich
euch gerne fragen, wie es euch
denn so geht, wie ihr die letzte
Zeit erlebt habt.
Vielen Dank, uns geht es sehr gut.
Wir sind gerade in Berlin in einer
Probenphase vor einer großen USA
-Tournee.
Es gab einen Wechsel bei uns im
Quartett in der letzten Zeit.
Seit Januar haben wir eine neue
zweite Geigerin, Emily Kakiuchi.
Die letzte Zeit war natürlich sehr
emotional für uns.
So ein Wechsel ist nie einfach,
würde ich behaupten.
Aber wir hatten eine wahnsinnig
schöne Zeit mit Amelie, mit
unserer ehemaligen zweiten
Geigerin.
Wir haben schöne letzte Konzerte
miteinander gespielt und sind
nicht im Zwist
auseinandergegangen, was ja auch
nicht selten vorkommt.
Deswegen sind wir da, glaube ich,
noch ganz gut weggekommen.
Wir sind wahnsinnig dankbar für
die schöne Zeit mit Amelie.
Ja, aber ein Wandel ist natürlich
immer auch irgendwie...
Eine Chance für eine positive
Entwicklung und dementsprechend
freuen wir uns auch jetzt sehr auf
die Zukunft und das, was auf uns
zukommt.
Wie habt ihr denn den
Auswahlprozess der neuen zweiten
Geige gestaltet?
Wir haben uns sehr viel umgefragt
und natürlich auch immer wieder
gesehen, wer macht viel.
Kammermusik, wer scheint viel
Kammermusik schon zu haben, wer
scheint dafür auch schon wirklich
die Leidenschaft zu haben, dann
haben wir zusammen geprobt und je
nachdem proben wir weiter.
Machen wir Konzerte zusammen,
machen wir Journien zusammen und
man kann von ein paar Tagen nicht
so viel schon entscheiden.
Daher haben wir versucht, mehrere
Konzerte auch zu spielen.
Man sagt ja immer, die Musikerwelt
ist klein.
Das stimmt auch.
Man kennt dann doch sehr viele
Leute, die man so scoutet, sag ich
mal.
Allerdings ist die Position der
zweiten Geige natürlich auch eine
sehr besondere.
Also da sind natürlich Qualitäten
gefragt, die nicht so auf den
ersten Blick zu erkennen sind.
Die zweite Geige ist auch ein ganz
anderer Job als zum Beispiel die
erste Geige.
Deswegen ist es ganz wichtig,
neben...
Proben und Gesprächen, auch
Konzerte zu spielen.
Gerade auch, weil das Tourneeleben
natürlich auch ein besonderes ist.
Und wenn man jetzt Leute fragt,
habt ihr Lust, Quartett zu
spielen?
Dann sind die meisten Leute
erstmal so, ja klar, haben wir
Lust, Quartett zu spielen.
Aber natürlich ist die
Entscheidung, sein Leben auf
Streichquartett umzukrempeln, eine
ziemlich große.
Die ist, glaube ich, auch dann für
die KandidatInnen nur zu
entscheiden, wenn man wirklich mal
auf Tournee war, wenn man den
ganzen Reisestress mitgekriegt
hat.
Die das auch wollen.
das auch wollen.
Genau, ob man das wirklich dann
will, Genau, ob man das wirklich
dann will, das ist ein längerer
Prozess natürlich.
Und welche Rolle spielt das
künstlerische Management bei
derartigen Entscheidungen?
Liegt da alles bei euch oder gibt
es da eine beratende Funktion?
Also die Entscheidung liegt
komplett bei uns.
Zum Glück.
Es gibt natürlich Instanzen, die
man um Rat fragt.
Wir haben verschiedene Mentoren,
die wir natürlich um Rat gebeten
haben.
Mit der Agentur sind wir natürlich
auch und dem Management immer in
Rücksprache.
Allerdings ist natürlich die...
Die Kernarbeit, die wir tun,
findet ja im Probenraum statt und
da ist ja weder sind da unsere
Mentoren dabei, noch ist da das
Management dabei, das wäre es ja
noch, sondern das ist eine ganz
persönliche Arbeit und
dementsprechend ist auch die
Entscheidung eine sehr
persönliche, die nur wir im
Endeffekt fällen konnten.
Sehr persönlich und auch viel
Bauchgefühl.
persönlich und auch viel
Bauchgefühl.
Und natürlich ist es auch immer
gefährlich bei solchen Sachen,
wenn man zu viele Meinungen hat.
Das Bauchgefühl ist ganz wichtig
und wenn man zu viel sich mit
Leuten über solche Entscheidungen
austauscht, dann verwischt auch
irgendwie die eigene Wahrnehmung
so ein bisschen.
Was fällt euch denn spontan zu
folgenden fünf Begriffen ein?
Lukas, magst du beginnen?
Ja, sehr gerne.
Ja, sehr gerne.
Der erste Begriff lautet
Vergangenheit.
Der erste Begriff lautet
Vergangenheit.
Bei Vergangenheit denke ich
natürlich irgendwie jetzt bezogen
auf das Quartett, dass ich sehr
viel Dankbarkeit spüre.
Gerade jetzt in unserer aktuellen
Situation mit dem Wechsel ist die
Vergangenheit auf eine Art
natürlich noch sehr präsent.
Auf eine andere Art muss man aber
auch in die Zukunft schauen.
Ich spüre vor allem Dankbarkeit
und für das, was war.
Eine gewisse Ungläubigkeit bzw.
Demut vor dem, was wir jetzt
machen dürfen nach den Jahren, die
wir zu einem Quartett spielen.
Ich würde mal Dankbarkeit als
Schlagwort nehmen.
Zweiter Begriff, Entwicklung.
Entwicklung, da kriege ich fast so
ein bisschen Angst bei dem
Begriff, beziehungsweise sehr
großen Respekt, weil es ist
natürlich, das ganze Leben ist
irgendwie eine Entwicklung.
Ich will nicht zu philosophisch
werden.
All das, was wir tun und alles,
was wir jeden Tag tun, die kleinen
Sachen, genauso wie die großen
Sachen, sind ja alles Teil unserer
Entwicklung.
Drittens, Frühling.
Geburtstag.
Ich habe im Frühling Geburtstag.
Unsere neugierigerin Emily hat
lustigerweise auch am selben Tag
Geburtstag.
Ein paar Jahre jünger ist sie,
aber...
Wir können zusammen Geburtstag
feiern.
Viertens Tarantella.
Also es gibt ein Stück, was ich
früher mal gespielt habe als
junger Cellist von David Popper.
Es heißt Tarantella.
Das ist ein lustiges Tanzstück.
Wir sind demnächst in Australien
auf Tournee und es gibt in unserem
Quartett eine Spinnenphobie.
Und wir sind darauf vorbereitet
worden, dass man in Australien
gelegentlich größeren Spinnen
begegnen könnte.
Ich habe letztens, weil ich nicht
wusste, was es für Spinnen in
Australien gibt, ein bisschen
gegoogelt.
Aber ich habe auf jeden Fall, weil
ich dann über Spinnen auf
Tarantella gekommen bin, warum das
ein Tanz ist, was ja mit der
Spinne und dem Biss dieser Spinne
zu tun hat.
Wo ich aber gelernt habe, dass es
nicht stimmt, dass man, wenn
man... von der Tarantel gestochen
ist, dann anfängt so zu tanzen.
Und der fünfte Begriff,
historische Aufführungspraxis.
Ich höre sehr gerne Aufnahmen mit
historischer Aufführungspraxis.
Das selbst anzuwenden, das ist
nicht mein Vorteil, würde ich
sagen.
Vielen Dank.
Nun zu dir, liebe Maju.
Dein erster Begriff, Zukunft.
Etwas, worauf ich vorausblicke.
Ich mag es, mich einzubilden, dass
man vieles selbst entscheiden
kann.
Zweitens, Veränderung.
Zweite Geige.
Ganz einfach gesagt.
Veränderung kann was Gutes sein,
kann was Negatives sein.
In diesem Fall war es natürlich
was sehr Besonderes.
Drittens, Sturm.
Beethoven.
Viertens, Tango.
Oh, wir haben Tango in Schulhof.
Selbst kenne ich mich wirklich
sehr schlecht aus und ich bin auch
wirklich ein bisschen ungeschickt
mit generell Tanzen.
Deswegen ist es etwas, was ich
mich gerne anschaue, aber das
würde ich selbst nie trauen.
Und fünftens, Uraufführung.
Was mir sofort einfällt, ist, dass
wir ein paar Uraufführungen
geplant haben.
Ich habe neulich eine Doku gesehen
über Brahms und ich habe mir da
vorgestellt, man sitzt im
Publikum, man hört die Sinfonien
zum ersten Mal.
Man hat schon so viel gehört und
man hört dann Brahms zum ersten
Mal.
Das muss so ein unglaubliches
Gefühl sein, jetzt ein Stück zum
ersten Mal zu hören, was jetzt ein
Klassiker ist.
Eine Uraufführung ist schon etwas
sehr Besonderes, wenn man dabei
sein kann.
Mitte Jänner habt ihr das
Konzerthauspublikum, eben auch
schon gemeinsam mit Emily, vor
allem mit eurer Interpretation von
Alban Berg's Lyrische Suite sehr
bewegt.
Beim Zyklusfinale von String am
15.
April widmet ihr euch Erwin
Schulhofs fünf Stücken für
Streichquartett und Ludwig van
Beethovens Streichquartett Cismol
Opus 131.
Zur Entstehungsgeschichte und
Aufführungshistorie von Erwin
Schulhoffs Fünf Stücke für
Streichquartett im Wiener
Konzerthaus.
Diese fünf Stücke entstanden 1923
und sind jeweils von Tänzen
inspiriert.
Das heißt, sie haben eine
sweetenhafte Anlage.
Der Widmungsträger ist der mit
Erwin Schulhoff befreundete
französische Kollege Darius Milot,
der seines Zeichens wie Schulhof
eine große Leidenschaft für Jazz
hegte.
Ein Musikjournalist schrieb in den
1920er Jahren über das
facettenreiche Schaffen Erwin
Schulhofs, Schulhof ist der
Zeitgemäße, vielleicht der
Modemusiker von heute, ein
amüsanter, liebenswürdiger,
witziger, spielerisch veranlagter,
hochbegabter Künstler und ein
wilder Temperamentsmusikant, ein
Draufgeher.
Das bestätigte Schulhof in einem
Brief an seinen
Komponistenkollegen Alban Berg.
Ich habe eine außerordentliche
Leidenschaft für modische Tänze.
Und es gibt Zeiten, da gehe ich
Nacht für Nacht tanzen.
Allein aus Begeisterung für den
Rhythmus und aus unterbewusster
Sinnlichkeit.
Das gibt meiner schöpferischen
Arbeit einen phänomenalen Impuls.
Die fünf Stücke.
wurden 1925 zum ersten Mal
veröffentlicht.
Die Uraufführung erfolgte im
August 1924 in Salzburg durch das
Zika -Quartett im Rahmen eines
Festivals der Internationalen
Gesellschaft für neue Musik.
Die Erstaufführung im Wiener
Konzerthaus fand am 19.
April 1994 statt und es spielten
Mitglieder des Concertino
Münchens.
Bisher wurden die fünf Stücke nur
siebenmal im Wiener Konzerthaus
aufgeführt.
Unter anderem vom Hagen -Quartett,
dem Aris -Quartett und auch schon
in Auszügen als Zugabe vom Leon
-Koro -Quartett.
Der gebürtige tschechische
Komponist Erwin Schulhof wird ja
gerne als Visionär seiner Zeit
bezeichnet.
Einflüsse quer durch alle Genres
und Strömungen und Stilrichtungen
aufgenommen, um Musik zu
schreiben, die seines Erachtens
dem 20.
Jahrhundert gerecht werden sollte.
Wie würdest du den Stil von
Schulhoffs fünf Stücken
beschreiben, Lukas?
Also die fünf Stücke sind ja fünf
Tänze.
Man hätte sie theoretisch auch,
finde ich, fünf Tänze nennen
können, dann wäre das eindeutiger.
Und jeder Satz stellt einen Genre
dar, also einen Tanz dar.
Geht vom Wiener Walzer über Tango
bis zu böhmischem Volkstanz.
Er hat ja viele unterschiedliche
Einflüsse in seiner Musik vereint.
Deswegen ist es schwierig, den
Stil so in einem Wort zu
beschreiben.
Auf jeden Fall ist es also extrem
rhythmisch inspirierte Musik,
würde ich sagen.
Und mit sehr viel Witze, also man
kann sehr viel Humor raushören.
Gerade der erste Satz ist ein
gutes Beispiel.
Also man kann es hören als Parodie
auf einen Wiener Walzer.
Schulhof hat die Stücke 1923
komponiert.
Die 1920er -Jahre werden ja auch
gerne als goldene Zwanziger
bezeichnet.
Der Erste Weltkrieg ist vorüber
und es gibt eine politische wie
auch wirtschaftliche Stabilität,
zumindest vorübergehend.
Mario spiegelt sich dieses Gefühl,
dieses Lebensgefühl der goldenen
Zwanziger auch in der Musik
wieder.
Die Goldene Zwanziger war ja
geprägt vom Aufbruch, Lebenslust
und Experimentierfreudigkeit.
Und in Schulhofsmusik kann man das
ganz sicher wiedererkennen.
Die Stücken sind sehr, sehr
experimentierfreudig.
Es wird viele verschiedene Stile
bearbeitet und verschiedene
Tanzstile, kooperiert und
parodiert vor allem und auch ein
bisschen satirisch.
Und hast du ein Lieblingsstück
unter diesen fünf Stücken, Lukas?
Es ist schwierig, einen Favoriten
zu wählen.
Ich mag die alle sehr gerne.
Das ist jetzt ein bisschen
langweilige Antwort.
Ich würde trotzdem sagen, dass für
mich heraussticht der vierte Satz.
Alla Tango Milonga.
Die Sätze heißen ja auch immer mit
Alla davor.
Also wie?
Also es wird nicht gesagt, es ist
ein Tango Milonga, sondern...
Es ist wie ein Tango -Milonga,
finde ich ganz interessant.
Ich glaube, den mögen wir alle
sehr gerne, den Satz.
Das ist zwar auch einer der
schwierigsten zu spielen,
vielleicht sogar der schwierigste
von den fünf.
Und wir können zwar alle selbst
keinen Tango tanzen, aber
trotzdem, diese Rhythmik ist für
uns immer, ist irgendwie packend
für uns.
Und es gibt teilweise so coole
Stellen, wo die erste Geige so
improvisierend irgendwie so, ja
quasi tanzt.
Und die anderen drei sind so die
Band, die irgendwie so im eisernen
Rhythmus... wie wenn man an so
einer Bar vorbeiläuft irgendwie
und man hört von drinnen die
Musik, das klingt so gedämpft.
Das finde ich total cool, diese
Klangsprache finde ich total
interessant.
Auch der erste Satz, da wird
dieser Wiener Walzer Rhythmus
irgendwie so protest teilweise
dargestellt.
Man könnte wirklich tanzen dazu,
es ist aber trotzdem irgendwie
auch in den Takten so verschoben,
dass man irgendwie so ein, nicht
so ein ganz entspanntes Wiener
Walzer Gefühl bekommt und das ist
total interessant gemacht, total
spannend und auch dadurch sehr
spannend zu spielen, weil man halt
sich bei jedem Satz immer auf
einen anderen, Tanzstil irgendwie
einlassen muss und wir sind keine
großen Tänzer, das hat Maju ja
schon vorhin auch angedeutet,
deswegen ist es für uns auch eine
Herausforderung.
Im Schulhof haben Maju und ich in
Braco und Cello sehr oft zusammen
die Begleitstimme und das ist
ziemlich cool, das ergänzt sich
meistens.
Die erste Stelle, die wir spielen,
ist aus dem zweiten Satz, der
Anfang und dann nochmal am Ende.
Das ist ein Rhythmus, der quasi
den ganzen Satz durchgeht und so
die Grundstimmung des Satzes
irgendwie definiert.
Den Rhythmus teilen Mai und ich
uns.
Und es gibt noch eine weitere
Stelle, wo Mai und ich uns die
Begleitung teilen und das ist im
fünften Satz.
Das ist eine ein bisschen
fetzigere Begleitungsstimme als
jetzt im zweiten Satz und die
werden wir auch einmal kurz
spielen.
Schulhof war auch ein politisch
engagierter Künstler, also er war
neuer Bürger der Sowjetunion und
bekannte sich auch offen zum
Kommunismus, war dann später Opfer
des Nationalsozialismus.
Wie beeinflusst das eure
Interpretation von Musik, solche
Hintergründe zu kennen?
Ja, allgemein ist es uns natürlich
sehr wichtig, diese Geschichten zu
kennen, in dem Fall diese sehr
tragische Geschichte eines
Komponisten zu kennen und dann
auch, Da ja auch das deinen Teil
dazu beigetragen hat, dass
Schulhoff quasi vergessen war eine
Zeit lang.
Ja, es ist uns schon wichtig,
unseren Teil dazu beizutragen,
dass dann so eine Musik, die dann
lange Zeit zu Unrecht nicht
präsent war, auch wieder auf die
Bühne zu bringen.
Das ist auch interessant, weil es
gibt da so viele Sachen, die
irgendwie lange Zeit lang... quasi
einfach nicht gespielt wurden und
die jetzt irgendwie langsam wieder
rausgekramt werden.
Bei Schulhof Musik ist das schon
ein bisschen länger jetzt wieder
so, aber wir haben ab und an
Komponisten und auch
Komponistinnen auf dem Programm,
die in dieser Zeit Werke
geschrieben haben, die teilweise
absolut genial sind und die wieder
zu entdecken, sich wirklich lohnt.
Und Schulhof präsentiert ihr ja
nicht nur in euren
Konzertprogrammen, sondern...
Die Aufnahme der fünf Stücke ist
ja auch Teil eurer neuen CD Out of
Vienna, die Ende Jänner erschienen
ist.
Soviel zu Erwin Schulhoff und
seinen fünf Stücken für
Streichquartett.
Wechseln wir nun zu Ludwig van
Beethoven und seinem Opus 131.
Zur Entstehungsgeschichte und
Aufführungshistorie von Ludwig van
Beethovens Streichquartett in
Zismol, Op. 131.
Dieses Werk entstand in den Jahren
1825 und 1826.
Der Widmungsträger ist der
kaiserlich -österreichische
Feldmarschall -Leutnant Baron
Josef von Stutterheim.
Der nahm Beethovens Sorgenneffen
Karl von Beethoven nach dessen
Selbstmordversuch in sein Regiment
auf und Beethoven hatte ihm dieses
Quartett aus tiefer Dankbarkeit
heraus gewidmet.
Die Uraufführung war am 5.
Juni 1828 in Halberstadt.
Es spielte das Quartett der
Gebrüder Müller Senior.
Im selben Jahr erschien in der
Allgemeinen Musikalischen Zeitung
eine Rezension des Quartetts durch
Johann Friedrich Rochlitz.
Jene, die durch Musik sich nur
amüsieren, einen angenehmen
Zeitvertreib schaffen wollten,
sollten auf jene neueste Werke
Beethovens verzichten.
Alle anderen sollten mit Sammlung
und gutem Willen, möglichst ohne
Vorurteil, mit bedeutenden, aber
nicht falschen und auch nicht
allzu sehr ins Allgemeine und
unbestimmte hinauslaufenden
Erwartungen an das Werk
herangehen.
Doch müsse man es mehrfach hören,
um es zu verstehen.
Dann lasse sie sich gefallen, dass
bald fast nur zu unbestimmten
Spielen ihre Fantasie in Bewegung
gesetzt wird.
Sie lasse sich's gefallen, bis sie
mit dem Werke näher bekannt worden
ist.
Laut Aussage von Karl Holz hielt
Ludwig van Beethoven das Zismol
-Quartett für sein Bestes.
Richard Wagner meinte über
Beethovens Opus 131,
beziehungsweise insbesondere über
das einleitende Adagio, Das
Schwermütigste, was je in Tönen
ausgesagt worden ist.
Die Erstaufführung im Wiener
Konzerthaus fand am 5.
Dezember 1913 durch das KP
-Quartett statt.
Bisher wurde es ganze 87 Mal im
Wiener Konzerthaus aufgeführt,
darunter mehrfach vom Rosé
-Quartett, einige Male auch vom
Busch -Quartett, zehnmal vom
Albernberg -Quartett sowie
mehrfach vom Hagen -Quartett.
Beethoven schrieb dieses
Streichquartett ebenso wie das
Opus 135 in seiner letzten, sehr
schweren Lebensphase, Stichwort
Gehörverlust.
Es gilt als eines seiner
komplexesten und tiefgründigsten
Werke.
Richard Wagner meinte auch, es sei
wohl das schwermütigste, was je in
der Musik gesagt worden sei.
Liebe Mario, kannst du etwas über
das Streichquartett erzählen?
Dieses Werk gilt ja als eines der
wichtigsten.
Quartette des Repertoires und auch
der Favorit von vielen, vielen
Menschen, sowohl in Beethoven
-Staffern als auch bezogen auf die
gesamte Quartettliteratur.
Es gibt viele Sachen, die an
diesem Werk sehr faszinierend
sind.
Zum Beispiel die ungewöhnliche
Satzanzahl.
Es sind sieben Sätze, die ohne
Pause nacheinander weitergehen.
Und für uns als Künstler ist es
sehr...
Die Herausforderung, die lange
Spanne zu behalten und ohne großen
Pausen und ohne tief durchatmen zu
können, die Charaktere sofort
wechseln zu können.
Und das macht es für uns sehr
spannend.
Beethoven hat ja mehrere Quartete
geschrieben, in der er über die
klassisch tradierte Viersetzigkeit
hinausgegangen ist.
Wenn du jetzt ein typisches,
klassisches... vielleicht auch
Haydn -Quartett mit diesem
Beethoven -Quartett vergleichst.
Was ist auffällig bei der
Struktur?
Kannst du da ein paar Dinge
vielleicht herausgreifen?
Ich finde jeden Satz irgendwie in
diesem Werk absolut krass.
Und allein, dass das losgeht mit
einer Fuge, ist schon spannend.
Und das ist dann auch noch...
meiner Meinung nach, ich glaube,
unserer Meinung nach die krasseste
Fuge.
Wobei, das ist jetzt auf Beethoven
gesehen, da gibt es natürlich auch
noch die große Fuge.
Aber es ist einfach ein
wahnsinniger Anfang für ein Stück.
Und diese krassen Gegensätze
dann...
Einmal natürlich, dass das alles
Attacke ineinander übergeht, ist
spannend.
Auch wie die Sätze ineinander
übergehen, der erste Satz auf den
zweiten Satz zum Beispiel.
Der erste Satz endet mit einer
Oktave und der zweite Satz endet
auch mit einer Oktave, die aber
einfach nur ein Halbton nach oben
geht.
Und daraus entsteht aber schon so
ein unglaublich krasser
Charakterwechsel.
Das ist ganz eigen und ganz
Beethoven -typisch.
Ja, und der zweite Satz ist dann
irgendwie so super heiter und fast
naiv, positiv.
Dann der dritte Satz ist nur elf
Takte lang.
Ich meine, das ist so, ich kenne
kein Heidenquartett.
Ich hoffe...
Ich hoffe, ich lehne mich jetzt
nicht zu weit aus dem Fenster.
Jetzt werden sich irgendwelche
Kenner wütende Mails ans Konzert
ausschreiben.
Aber ich glaube, es gibt kein
Heidenquartett, wo ein Satz nur
elf Takte lang ist.
Und es wirkt fast improvisiert.
Es gibt keine richtige Form in
diesem dritten Satz, der quasi als
Überleitung zum vierten Satz
fungiert.
Und der vierte Satz, der ja
normalerweise im klassischen
Schreichquartett der letzte Satz
ist, ist hier quasi das Zentrum
des Werkes und ein riesiger
Variationssatz.
Der so lang ist wie manche anderen
kompletten Streichquartette, die
wir spielen.
Und dann kommt ein virtuoses
Scherzo, dann nochmal ein
langsamer Satz und dann das große
Finale.
Diese Struktur ist irgendwie ganz
ungewöhnlich und der letzte Satz
ist so ein richtiger...
Totentanz, also richtig
schicksalshaft.
Man hört richtig diesen
Teufelsritt in den vier Stimmen.
Das gesamte Werk ist ja auch lang.
Das geht ja auch fast 40 Minuten.
Und dann entlädt sich das am Ende
mit so drei unglaublich fetten
Zisturakkorden.
Bevor ich auf die Bühne gehe für
dieses Quartett, habe ich nicht
das gleiche Gefühl in mir von ich
spiele jetzt ein Mendelssohn
-Quartett oder ein Haydn
-Quartett.
Das liegt aber vor allem wirklich
auch an dieser Siebensätzigkeit
und diesem Attacker.
Also dass man quasi keine Zeit
hat, sich zwischendurch mal
irgendwie kurz zurückzulehnen,
kurz die Konzentration einmal kurz
minimal zu senken.
Das macht es irgendwie zu einem
Monument.
Mario, Lukas hat schon ausgeführt,
dass Beethoven in diesem
Streichquartett die Grenzen des
klassischen Quartetts wirklich
gesprengt hat.
Gibt es für dich noch konkrete
Stilmerkmale, die noch anzuführen
wären, die neuartig sind oder die
das Werk so ganz besonders machen?
Für uns ist es sehr faszinierend,
sehr faszinierend, wie unglaublich
modern diese Musik jetzt immer
noch wirkt.
Es gibt ja Berichte aus der Zeit,
die beschreiben, dass... diese
Musik von einem Großteil des
Publikums der Zeit als Werke eines
Irren gesehen wurde.
Und dass das immer noch modern
wirkt, eigentlich Beethoven als
Name, das kennen ja selbst die,
die nicht klassisch hören.
Und ich glaube, selbst wenn die
spätere Quartette von Beethoven
hören, ich glaube nicht, dass die
irgendwie denken würden, dass das
Beethoven sein könnte.
Und das ist für uns so auch...
Technisch spannend.
Ja, also neben diesen Sachen, die
schon erwähnt wurden, also den
großen Bogen über das Stück zu
halten, dass es keine Pausen gibt,
also einfach, dass es auch
körperlich eine Herausforderung
ist, gibt es auch eine Sache, die
hatte ich davor gar nicht bedacht,
um ehrlich zu sein.
Und zwar hast du ja normalerweise
in einem Quartett Zeit zwischen
den Sätzen nachzustimmen.
Also die Seiten nachzujustieren,
zu gucken, dass es nicht zu sehr
auseinanderdriftet zwischen den
vier Instrumenten.
Wir stimmen gerne sehr viel und
sehr ausführlich und uns ist sehr
wichtig, dass immer alle Seiten
wirklich genau passen.
Wenn du dann aber 40 Minuten
durchbretterst und keine Pausen
zwischen den Sätzen hast, dann
wird sich da zwangsläufig was
verstimmen.
Und da hast du keine Zeit, das
nachzujustieren.
Und das finde ich irgendwie ganz
interessant, weil das teilweise
auch gesehen wird als Teil des
Stückes quasi.
Also dieser unglaubliche Kampf und
dann am Ende dieser Teufelsritt,
da stimmt einfach nicht mehr
alles.
Aber da stimmt ja wirklich auch
nicht mehr alles.
Das ist ja hochdramatisch so.
Und das Hochdramatische, da ist
die Verstimmung vielleicht auch
irgendwie so eine Art Stilmittel.
Und für uns vielleicht auch eine
Ausrede, weiß ich nicht.
Also da... ist es immer sehr
interessant, wenn man von der
Bühne geht, dann nochmal die
Seiten zu checken und zu gucken,
wie weit es dann
auseinandergedriftet ist.
Ich habe auch gemerkt, dass man
während des Konzerts dann sich
auch nicht unbedingt traut, dann
kurz zu stimmen, weil wegen der
Adrenaline weiß man nicht, ist es
jetzt zu tief, ist es jetzt zu
hoch, was ist jetzt zu tief,
deswegen lässt man es dann doch
und dann ist es nicht.
Und das ungehört zu machen, ist
sowieso kaum möglich.
Und Und was sind da eure
Erfahrungswerte im Unterschied der
Stimmung am Ende des Stücks?
Die sind schon vorhanden.
Es kommt auch ein bisschen auf dem
Wetter drauf an, tatsächlich.
Wie sehr die Instrumenten auch
darauf reagieren.
Ja, wenn man jetzt irgendwie, wir
waren letztens in Helsinki, da hat
es minus 20 Grad draußen.
Und wenn du da fünf Minuten mit
dem Instrument draußen unterwegs
bist, dann braucht das Instrument
erst mal zwei Stunden sich wieder
einzurichten, wenn man dann im
Konzertsaal ist.
Was macht denn für euch den
besonderen Reiz aus, genau diese
beiden Stücke, also Schulhof und
Beethoven, in einem Programm zu
kombinieren, Mario?
Wir glauben, dass Gegensätze in
einem Programm die Aufmerksamkeit
schärfen.
In erster Linie haben wir die
beiden Stücke aber kombiniert,
weil sie einfach beide unglaublich
Spaß bringen zu spielen.
Meine Lieblingsstelle in Beethoven
ist auch bestimmt eine von Lukas.
Es ist im ersten Satz und das
Thema wird zuvor von den beiden
Geigen gespielt und wir dürfen
dann diesen unglaublich schönen
Gesang übernehmen.
Highlights und Zusammenfassung In
dieser Folge sprechen Mario Kunoe
und Lukas Schwarz vom Leon Koro
-Quartett über ein neues Kapitel
für ihr Ensemble.
dieser Folge sprechen Mario Kunoe
und Lukas Schwarz vom Leon Koro
-Quartett über ein neues Kapitel
für ihr Ensemble.
Amelie Wallner hat das Quartett
verlassen und seit Jänner ist die
aus Japan stammende und später in
London aufgewachsene Emilie
Kakiuchi an der zweiten Geige zu
erleben.
Welche Aspekte waren dem Leon Koro
-Quartett bei der Auswahl des
neuen Mitglieds besonders wichtig?
Und wie muss man sich diesen
Prozess generell vorstellen?
Das und vieles mehr ist Inhalt
dieser Folge.
Im Fokus von On Stage steht das
kommende Konzert des Leon Choro
Quartetts am 15.
April im Wiener Konzerthaus, das
zugleich das Zyklusfinale von
Stringen darstellt.
Die Bratschistin und der Cellist
geben anhand von Live
-Einspielungen Einblicke in die
abwechslungsreiche Klangwelt von
Erwin Schulhofs fünf Stücken.
und erläutern, weshalb Ludwig van
Beethovens Streichquartett Opus
131 als einer der Gipfelpunkte der
Gattungsgeschichte gilt.
An dieser Stelle ein kleiner
Ausblick.
Beide Ensembles bleiben dem Wiener
Konzerthaus auch kommende Saison
erhalten.
Für weitere Informationen dürfen
wir Sie auf die
Abonnementbroschüre 2026 -2027
verweisen, die Ende März
erscheinen wird.
Damit sind wir am Ende unserer
fünften und letzten Folge von
Stringendo.
Meine Gäste waren Mario Kunoe und
Lukas Schwarz, die Bratschistin
und der Cellist des Leon -Coro
-Quartetts.
Vielen Dank für das Gespräch,
liebe Mario und lieber Lukas.
Und natürlich auch dafür, dass ihr
mir so offen Rede und Antwort
gestanden seid.
Und auch an Sie, liebe Hörerinnen
und Hörer, ein herzliches
Dankeschön fürs Zuhören.
Sollten Sie die eine oder andere
Folge verpasst haben, so gibt es
viele Möglichkeiten, diese
nachzuhören.
Unseren Podcast finden Sie in der
Mediathek auf der Webseite des
Wiener Konzerthauses.
Die Adresse lautet konzerthaus
at slash mediathek in der Rubrik
hören, auf YouTube oder überall
dort, wo es Podcasts gibt.
Damit verabschiede ich mich.
Ich bin Barbara Allhutter,
Redakteurin des Wiener
Konzerthauses und ich bedanke mich
an dieser Stelle.
bei beiden Quartetten, beim Leon
Choro Quartett und beim Simply
Quartett, die sich bereit erklärt
haben, über ihre Konzerte zu
sprechen, über ihre Programme und
uns auch vor allem Einblicke in
das Leben und den Alltag von
Musikerinnen und Musikern gewährt
Es war schließlich der erste
Podcast in der Geschichte des
haben.
Und ich bedanke mich bei allen
Wiener Konzerthauses.
Für Sie, liebe Zuhörerinnen und
Beteiligten, die zum Gelingen
dieses Projekts beigetragen haben.
Zuhörer, gilt weiterhin, vergessen
Sie nicht, die Seiten Ihres Lebens
zum Klingen zu bringen.