Der neue Weg des Simply Quartet

Von der neuen 1. Geigerin Sueye Park bis zu Meisterwerken von Debussy und Schostakowitsch

02.02.2026 43 min Staffel 1 Episode 4

Zusammenfassung & Show Notes

Antonia Rankersberger und Xiang Lyu vom Simply Quartet sprechen über eine bedeutende Veränderung in ihrem Ensemble: die Neubesetzung der 1. Geige durch die Jean-Sibelius-Wettbewerbsgewinnerin Sueye Park. Wie muss man sich die Suche und den Auswahlprozess eines neuen Mitglieds vorstellen? Wie lange braucht die Entscheidung? Und welche Qualitäten muss die Person mitbringen? Das und vieles mehr erfahren Sie in dieser Folge.
Zudem sprechen Antonia Rankersberger und Xiang Lyu über ihr zweites Konzert mit dem Simply Quartet am 12. März 2026 im Zyklus »string.« im Wiener Konzerthaus. Dabei präsentiert das Ensemble Claude Debussys einziges Streichquartett sowie Dmitri Schostakowitschs 3. Streichquartett. Der programmatische Bogen reicht also von flirrenden impressionistischen Klängen und Farbenspielen bis hin zu dramatischen Streicherklängen der unmittelbaren Nachkriegszeit. Ihre Ausführungen illustrieren die Geigerin und der Bratschist anhand mehrerer Live-Einspielungen. 
 
Zudem sind zu Debussys op.10 Ausschnitte eines Konzertmitschnitts des Quatuor Ébène vom 22. April 2016 im Wiener Konzerthaus zu hören (Beginn des 1. Satzes und Ende des 4. Satzes; mit freundlicher Genehmigung der Ausführenden sowie des ORF; Verwendung gemäß fair-use-policy). Und von Schostakowitschs op. 73 hören Sie Ausschnitte eines Mitschnitts des Simply Quartet im Rahmen der Carl Nielsen International Chamber Music Competition 2019 (Beginn des 1. Satzes und Ausschnitt aus dem 3. Satz; mit freundlicher Genehmigung der Ausführenden sowie der Carl Nielsen International Chamber Music Competition/des Danish Radio; Verwendung gemäß fair-use-policy).

Antonia Rankersberger und Xiang Lyu (Simply Quartet) berichten exklusiv über die Neubesetzung der 1. Geige in ihrem Ensemble und was es braucht, um eine derartige Veränderung gut zu meistern. Zudem erläutern sie wichtige Charakteristika und Hintergründe zu Claude Debussys Streichquartett g-moll op. 10 und zu Dmitri Schostakowitschs Streichquartett Nr. 3 F-Dur op. 73 und unterstreichen ihre Ausführungen mit Live-Einspielungen.
 
Darüber hinaus sind zu Debussys op.10 Ausschnitte eines Konzertmitschnitts des Quatuor Ébène vom 22. April 2016 im Wiener Konzerthaus zu hören. Und von Schostakowitschs op. 73 hören Sie Ausschnitte eines Mitschnitts des Simply Quartet im Rahmen der Carl Nielsen International Chamber Music Competition 2019. Für nähere Informationen dürfen wir Sie auf die Hörempfehlung verweisen.
 
Hörempfehlung
Claude Debussy: Streichquartett g-moll op. 10: Quatuor Ébène*
(*Hinweis: Die Ausschnitte vom Beginn des 1. Satzes und vom Ende des 4. Satzes eines Konzertmitschnitts vom 22. April 2016 im Wiener Konzerthaus sind bis zum Konzerttermin des Simply Quartet am 12. März 2026 in dieser Folge zu hören; mit freundlicher Genehmigung der Ausführenden sowie des ORF; Verwendung gemäß fair-use-policy)
 
Dmitri Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 3 F-Dur op. 73: Simply Quartet**
(**Hinweis: Ebenfalls bis zum Konzert des Simply Quartet am 12. März 2026 sind in dieser Folge Ausschnitte vom Beginn des 1. Satzes und aus dem 3. Satz eines Mitschnitts des Simply Quartet im Rahmen der Carl Nielsen International Chamber Music Competition 2019 zu hören; mit freundlicher Genehmigung der Ausführenden sowie der Carl Nielsen International Chamber Music Competition/des Danish Radio; Verwendung gemäß fair-use-policy )

Transkript

»Stringendo«, der Podcast des Wiener Konzerthauses zum neuen Streichquartettzyklus »string.«. Wir freuen uns, dass Sueye Park uns in Zukunft vervollständigen wird an der ersten Geige. Von schwebender Eleganz bis zu pochender Dramatik – soweit reicht der programmatische Bogen in der vierten Folge von »Stringendo«, dem Podcast des Wiener Konzerthauses zum Streichquartett- Zyklus »string.«. Ich bin Barbara Alhuter, Redakteurin des Wiener Konzerthauses, und ich lade Sie ein, mit mir vom flirrenden Paris des Fin de Siècle und Claude Debussy in das aufgewühlte Moskau der Nachkriegszeit zu Dmitri Schostakowitsch zu reisen. Off stage – Einblicke in das Leben und den Quartettalltag der Künstlerinnen und Künstler. Wenn wir bei dieser Metapher des Reisens bleiben, dann sind meine Gäste in dieser Folge zugleich unsere Reiseleiterin und unser Reiseleiter. Es handelt sich um Antonia Rankersberger und Xiang Lyu, die zweite Geigerin und den Bratschisten, des Simply Quartet. Liebe Antonia, lieber Xiang, schön, dass wir uns heute wiedersehen im euNen Salon und ihr euch Zeit genommen habt für unser Gespräch. Ich freue mich. Danke,liebe Barbara. Wir freuen uns sehr. Wir sprechen diesmal über euer zweites Konzert im Zyklus »string.« am 12. März im Schubert-Saal des Wiener Konzerthauses. Aber da unser letztes Gespräch schon sehr lange zurückliegt, wollte ich einfach mal nachfragen, wie es euch seither ergangen ist. Was hat euch beschäftigt, Antonia? Also wir hatten eine recht turbulente Zeit in der Zwischenzeit, weil unser erster Geiger, Danfeng Shen, wird das Quartett verlassen. Und wir waren in den letzten Monaten sehr intensiv damit beschäftigt, eine Nachfolge für ihn zu finden und dürfen jetzt auch mit Zufriedenheit feststellen, dass uns das gelungen ist und dass wir eine sehr tolle Nachfolge für Danfeng gefunden haben und uns sehr freuen, dass wir schon das zweite Zykluskonzert mit der neuen ersten Geigerin bestreiten dürfen. Ich stelle mir vor, das ist bestimmt eine sehr große Veränderung für euch als Quartett. ist bestimmt eine sehr große Veränderung für euch als Quartett. Andererseits ist es ja beim Simply Quartet auch so gewesen, da es ja schon sehr lange besteht, dass es auch schon Mitgliederwechsel sehr erfolgreich gemeistert hat. Also Ivan kam ja 2016 zum Quartett, du, liebe Antonia, 2018. Wie verhält es sich mit dem Mitgliederwechsel bei der ersten Geige? Ja, das ist eine gute Frage. Danfeng ist eigentlich das einzige Gründungsmitglied des Simply Quartet, weil Xiang, so wie ich das verstanden habe, erst nach ein oder eineinhalb Jahren nach der Gründung dazugekommen ist. Und wir sind natürlich in dieser ganzen Zeit als Gruppe wirklich eng zusammengewachsen und haben unsere... unsere ganze Klangvorstellung zusammen aufbauen können, unseren Fokus, unsere Arbeit miteinander geteilt, so viele Reisen zusammen erlebt, auf so vielen Bühnen gespielt. Und das ist natürlich dann schon ein großer Einschnitt und eine riesige Veränderung für eine Gruppe. Aber ich glaube, dass ich das auch im Namen meiner Kollegen so sagen darf, dass wir uns sehr freuen und auch mit einer großen Motivation und Neugierde in diese neue Phase starten möchten und uns einfach von der ganz anderen Musikalität des neuen Mitglieds inspirieren lassen wollen und dann sehen wollen in weiterer Folge, welchen Einfluss das auf die Gruppe hat, weil natürlich sind wir drei sehr eng zusammengewachsen und haben möglicherweise eine sehr einheitliche Vorstellung von gewissen Genres oder von einer musikalischen Arbeit. Jetzt wird das natürlich wieder ein bisschen über den Haufen geworfen und wir müssen uns dann ganz neu aufstellen. Wie muss man sich denn den Auswahlprozess vorstellen, lieber Xiang? Wir haben eigentlich schon einige Monate mit unterschiedlichen Geigern und Geigerinnen ausprobiert. Am Ende war die Entscheidung auch nicht so leicht. Also zum Glück haben wir sehr gute Geigerinnen gefunden und jede war anders. Aber ich finde, dass es für uns ein bisschen aufwendig war. In den letzten paar Monaten, wir haben so... Da muss man ein paar Konzepte mit denen spielen, ein paar mit anderen spielen und auch mit unterschiedlichen Programmen. Es ist noch aufwendiger, wenn man mit dem gleichen Programm. Gott sei Dank, meistens haben wir eh die Chemie gehabt, aber manchmal gibt es trotzdem einiges unterschiedliches Timing. Gewohnheit oder so. Was für mich sehr inspirierend ist, ist, dass ich durch diesen Prozess auch sehr motiviert oder sehr inspiriert und neugierig bin. Ich finde, wenn man so lange zusammen... Es ist gut, wir bleiben immer wach, wir sind immer munter. Aber es gibt es irgend mehr und weniger, man hat manchmal so das Gefühl, okay, es funktioniert sowieso so in dieser Art. Und jetzt mit dieser stressigen Zeit, man erkennt sich selbst wieder neu und ich sehe, das ist ein Glück im Unglück. Und welche Rolle spielt denn das Künstlermanagement bei solchen Entscheidungen? War das integriert bei der Auswahl der Kandidatinnen oder schlussendlich bei der Entscheidung? Nein, also die Kandidatinnen haben wir selber ausgewählt und auch in Absprache eigentlich mit unseren früheren Professoren. die uns da auch Tipps geben konnten und gesagt haben, okay, versuch das einmal mit ihr oder mit ihm. Das könnte künstlerisch gut passen oder überhaupt gut passen. Das Management hat uns dann einfach so mit dieser Timeline, also mit diesem zeitlichen Ablauf ein bisschen unterstützt. Das ist natürlich sehr individuell auch. wie schnell oder wie intensiv man eine Kandidatin oder einen Kandidaten ausprobieren möchte. Weil wir haben auch von unserem Management gehört, dass manche das... so machen, dass sie viele Leute zu einer ersten Proberunde einladen und dann einfach mal ein Stück zusammen proben. Und dann kommen gewisse Leute sozusagen in die zweite Runde und werden dann ein Konzert gemeinsam spielen. Und wir haben uns gedacht, dass wir das eher so machen, dass wir ein Konzert oder mehrere Konzerte auswählen und dann ein Ziel haben, auf das wir hinarbeiten können. Also, dass man eigentlich mit einer Person diesen ganzen Prozess durchlaufen kann. Das hat eigentlich ganz gut gepasst. Unser Management hat uns dann einfach geholfen und gemeint, okay, bis zu diesem Zeitpunkt wäre es irgendwie schön, wenn man schon eine Richtung für sich selbst entscheidet und vielleicht auch ein bisschen gepusht, dass wir das einfach im Kopf behalten, wie das mit dem Wechsel vonstatten gehen kann. Wir hatten natürlich das große Glück, dass Danfeng uns noch ziemlich viel Zeit gegeben hat für diesen Übergang, weil es kann auch sein, dass ein Quartett plötzlich in der Situation ist, zu dritt dazustehen, von einem Tag auf den anderen. Und wir hatten eigentlich eine ziemlich lange Übergangszeit und haben dann eben mit ihm auch noch gewisse Konzerte gespielt, auf wichtigen Bühnen oder mit speziellen Programmen, wo wir zum Beispiel Bartóks fünftes Streichquartett, wo das verlangt wurde, das haben wir dann mit Danfeng gespielt, weil das ist dann nicht so einfach, mit einer neuen Geige einzustudieren. Und genau, da haben wir einfach so abgewogen mit dem Management auch, wie man das am besten einteilen kann. Und wollt ihr uns an dieser Stelle auch verraten, wer die neue erste Geige bei euch ist, Antonia? Ja, sehr gerne. Wir freuen uns, dass Sueye Park uns in Zukunft vervollständigen wird an der ersten Geige. Und wie habt ihr sie kennengelernt oder kanntet ihr sie schon von früher, vom Studium vielleicht? Genau, also die Sueye hat bei meinem alten Professor Ulf Wallin studiert. Ich glaube schon seit sie neun war eigentlich. Und jetzt ist sie auch seine Assistentin in Berlin geworden. Und Sueye war ein Jahr, glaube ich, auf Erasmus in Wien und da habe ich sie schon ein paar Mal getroffen. Aber eigentlich haben wir nicht so viel Kontakt gehabt. Und dann, wie das irgendwie bekannt wurde, haben wir natürlich Ulf auch gefragt, ob er Empfehlungen hat. Und er hat uns dann gesagt, er hat schon mit Sueye geredet und sie wäre sehr motiviert und sehr begeistert, um das auszuprobieren. Und wir haben gesagt, ja, unbedingt. Und in der neuen Konstellation mit Sueye werden wir euch dann am 12. März schon im Konzerthaus bei »string.« erleben können. Ja, genau. Freue mich schon! Wir uns auch. Der Kurzfragenblock. Was fällt euch denn spontan zu folgenden Begriffen ein? Xiang, magst du vielleicht beginnen? Okay, probiere ich. Entwicklung. Musikalisch – das hat mit Debussy zu tun. Debussy ist das allererste französische Stück für das Simply Quartet. Lautstärke. Tja, Lautstärke, Ivan, ja, gut. Logik. Logik – Antonia. Balance. Not me. Und Winter. Winter. Schostakowitsch. Vielen Dank. Nun zu dir, liebe Antonia. Veränderung. Mühsam. Stille. See. Kontrast. Instrumente. Intuition. Bauchgefühl. Schnee. Skifahren. Danke sehr. Im vergangenen November habt ihr mit einem von Haydns »Sonnenquartetten« und mit Smetanas Quartett »Aus meinem Leben« ja den Zyklus »string.« sehr mitreißend und auch ergreifend eröffnet. Beim dritten Zykluskonzert am 12. März widmet ihr euch Claude Debussys Streichquartett und Dmitri Schostakowitschs dritten Streichquartett op. 73. Beginnen wir mit Claude Debussy. Zur Entstehungsgeschichte und Aufführungshistorie von Claude Debussys Streichquartett in G- -Moll, op. 10 im Wiener Konzerthaus. Dieses Streichquartett entstand im Jahr 1893. Die Uraufführung erfolgte am 29. Dezember 1893 in Paris durch das Ysaÿe-Quartett. Debussys Freund Paul Dukas beschrieb anlässlich der Uraufführung die Bedeutung des Werks folgendermaßen: »Alles darin ist klar und deutlich gezeichnet, trotz großer formaler Freiheit. Debussy zeigt eine besondere Vorliebe für Verknüpfungen klangvoller Akkorde und für Dissonanzen, die jedoch nirgends grell, vielmehr in ihren komplexen Verschlingungen fast noch harmonischer als selbst Konsonanzen wirken. Die Melodie bewegt sich, als schreite sie über einen luxuriösen, kunstvoll gemusterten Teppich von wundersamer Farbigkeit, aus dem alle schreienden und unstimmigen Töne verbannt sind.« Ein paar Jahre später schilderte Claude Debussy in einem Brief an den Dichterfreund Pierre Louÿs vom 22. Jänner 1895 seine Eindrücke der Weltausstellung 1889 in Paris, die nicht zuletzt auch sein Streichquartett beeinflussten. »Mein guter alter Freund! Erinnere dich an die javanische Musik, die alle Nuancen enthielt, selbst solche, die man nicht benennen kann, bei der die Tonika und die Dominante nichts weiter sind als nutzlose Hirngespinste zum Gebrauch für Heulsusen, die nicht verständig sind.« Die Erstaufführung im Wiener Konzerthaus erfolgte am 2. April 1914 durch das Capet-Quartett. Im Oktober 1979 wurde es erstmals durch das Alban Berg Quartett aufgeführt. Bisher gab es 83 Aufführungen dieses Quartetts im Wiener Konzerthaus. Darunter Interpretationen vom Alban Berg-, Hagen-, Artemis- und Belcea Quartet(t). Und ebenso vom Quatuor Ebene. Claude Debussy gilt ja als Hauptvertreter des Impressionismus. Was bedeutet das für die Musik im Allgemeinen bei Claude Debussy und für das Streichquartett im Speziellen, liebe Antonia? Ja, also jetzt, wo ich gerade von diesem Kurzfragenblock so intuitiv eingestellt bin, fallen mir dann sofort so Gemälde von Monet. und so ein Seerosenteich oder diese vielen kleinen Schichten von Farben, die so übereinander gelegt und komponiert sind und dann irgendwie so auch schimmern oder sich gegenseitig verstärken und wieder etwas wegnehmen und auch irgendwie eine Art Pastellton, der aber auch sehr naturalistisch sein kann. Wenn man diese Brücke zu Debussy schlägt, dann ist das einfach eine ganz neue oder ganz andere Klangfarbentechnik, die wir versuchen müssen, in die Komposition hineinzubekommen. Also für uns als Quartett und als Klangkörper so etwas darzustellen, das finde ich persönlich sehr spannend und eine große Herausforderung. erstmals, wie Xiang schon erwähnt hat, der französischen Musik zu widmen. Für mich ist dieses Stück schon lange ein Traum, eigentlich schon von meiner ersten Saison mit Simply Quartet, dass wir einmal das Debussy Streichquartett spielen und ich freue mich besonders, in diese Welt eintauchen zu dürfen. Und wovon ließ sich Debussy für seine Komposition beeinflussen, Xiang? Ich liebe dieses Stück seit der Studium, weil ich es oft gehört habe. Und am Anfang natürlich bin ich sehr fasziniert mit der besonderen Farbe, also harmonischen Farben und so von diesem Stück. Debussy oder Franz Liszt in dieser Zeit, Debussy, Ravel, hat schon einiges von zum Beispiel Orientmusik beeinflusst, sehr stark. Ich finde, dieser... Tamburin-Klang zum Beispiel, das ist wirklich mit der chinesischen Art, chinesischer Humor sogar. Aber das ist nicht rein chinesisch Sprache, aber es jetzt mit so einem wienerischen Blut erscheint, das kann man nicht beschreiben. Das ist für mich eine Magie und ein Wunder. Und solche Wunder finde ich... Bei uns jetzt mit der Debussy habe ich auch gleich so eine Wahrnehmung. Also Xiang hat ja schon erwähnt, es kommen da unterschiedliche Stile in der Musik zusammen bei Debussys Streichquartett. Kannst du das noch ein bisschen näher ausführen, Antonia? Genau, also... Ich kann mich erinnern, dass zu dieser Zeit in Paris diese Weltausstellung stattgefunden hat und wo eigentlich sehr viele Künstler davon beeinflusst worden sind. Und eben auch viele Instrumente aus ferneren Ländern und Klangvorstellungen oder auch, denke ich, bestimmt pentatonische Elemente, die auch davor kommen. Und zum Beispiel Gamelan-Musik aus Indonesien. Also dieses ganz witzige Klirren irgendwie, das fließt da alles zusammen. Und natürlich dann kombiniert mit dieser Ende 19. Jahrhundert diese Serie. entwickelte Harmonik, die ja auch in westlicher Musik einfach immer weiter entwickelt wurde und diese impressionistischen Klangfragen und das ist also hochinteressant. Zur Veranschaulichung der Pentatonik in Debussys Werk spielen Xiang und ich eine kleine Stelle aus dem ersten Satz. Als nächste Stelle werden wir den Beginn aus dem zweiten Satz mit der Satzbezeichnung Assez vif et bien rythmé spielen. so viel wie sehr lebendig und sehr rhythmisch. Und da wollen wir auch veranschaulichen, wie diese Klänge der Weltausstellung und diese Gamelan-Pizzicato, wie sich das auf unsere Instrumente übersetzen lässt. Wie geht denn Debussy mit der seit Haydn tradierten klassischen Form des Streichquartetts um, Xiang? Das ist ganz andere Sprache jetzt, finde ich. Zum Beispiel will ich Beethoven spielen, beim Schumann sogar manchmal. In der Probe kann ich noch mit Haydn was zu verbinden. Debussy, finde ich, ist wirklich eine ganz andere, neue, wirkliche Adventure für mich. Beim Debussy-Spielen habe ich Haydn total vergessen. Bitte versteht das in guter Sinn. Und Xiang hat vorhin ja schon die unterschiedlichen Harmonien auch angesprochen bei Debussy. Welche Herausforderungen stellt das Werk an euch als Interpretinnen und Interpreten, Antonia? Also ich denke, dass es auf jeden Fall mit der Balance der Instrumente zu tun haben wird, weil auch die Innenstimmen sehr beschäftigt geschrieben sind. Und ich habe jetzt schon viel meine eigene Stimme geübt und das ist doch gar nicht so einfach, mit oftmals Triolen oder Dreiklangszerlegungen trotzdem eine Klangfarbe von einem Akkord im richtigen Moment rauszubringen, und dabei die anderen nicht zu stören, die gerade irgendeine schöne Kantilene spielen oder einen Dialog der anderen Instrumente. Und sich auch selber ein Bild von diesen harmonischen Klangfarben zu machen. Weil wir sind, um auf diese Frage mit Haydn jetzt zurückzukommen, sind wir es eigentlich nicht. also von Haydn sicher nicht gewöhnt, dass das immer so ineinander fließt und natürlich auch agogisch sehr viel passiert und man eigentlich sehr oft mit dem Tempo nach vorne gehen muss, zurückgehen muss, eine Überleitung. Und dass irgendwie alle Stimmen gleichermaßen mitkommen. Also das ist sicher eine große Herausforderung, ohne dass das irgendwie sperrig oder eckig klingt. Also so wie ein Fluss oder ein Bach ineinander und trotzdem diese Präzision bewahren, wo welche harmonischen Elemente doch deutlich hervortreten müssen. Für mich ist es eine schwere Balance zwischen selbst üben und zusammenspielen. Besonders, wie Antonia sagte, als Mittelstimme, weil wir so viele schnellen Passagen haben, das ist eigentlich nur für den Effekt. Wenn man selbst übt, muss man genau üben, muss man alle Noten schaffen, wie möglich. Zwar gibt es eigentlich ein paar Stellen, die nicht wirklich so spielbar sind. wenn nicht passt. Und dann, wenn man selbst übt, muss man wirklich so schaffen, das Beste versuchen, so alle schaffen. Aber eigentlich mit dieser Gedanke beim Zusammenspielen funktioniert. Doch nicht gut. Beim Zusammenspiel hat man das erste Mal das Gefühl, okay, es ist wirklich wie in diesem Gemälde. Wenn man nur will, dort so ganz klar, ganz genau spielen, dann ist diese Schönheit oder diese Farbe. Ich würde nicht sagen, dass Farbe wächst, sondern das ist überhaupt keine Farbe. Gleichzeitig spüre ich auch diese Magie, physisch sogar in der Probe, wie solche Gemälde von Monet sie sind. Jetzt spielen wir den Beginn aus dem dritten Satz, aus Claude Debussys Streichquartett, mit der Satzbezeichnung Andantino, doucement, expressif, also sehr zärtlich und ausdrucksvoll. Das beginnt gleich mit Dämpfer. Wie war denn die Reaktion des damaligen Publikums, Antonia? Ja, also so wie man sich auch irgendwie vorstellen kann, wenn man als Mittelstimme dieses Stück übt, war das für die Zeitgenossen damals auch sehr schwierig zu spielen und offenbar auch für das Publikum schwierig zu hören zu dieser Zeit. Das hat sich eigentlich dann in diesen mehr als 100 Jahren eigentlich so durchgesetzt und bewiesen, was das für ein wichtiges und wunderbares Werk eigentlich ist. Und da sind wir sehr froh, dass es trotzdem von den Quartetten behalten wurde und so in unsere heutige Welt in diesen Kanon gebracht wurde. Gut, dann gehen wir von diesem Meilenstein, Claude Debussys einzigem Streichquartett, weiter mit unserer Reise und wechseln nach Moskau zu Dmitri Schostakowitsch, der im Laufe seines Lebens ja 15 Streichquartette komponiert hat. Zur Entstehungsgeschichte und Aufführungshistorie von Dmitri Schostakowitschs drittem Streichquartett in F -Dur, op. 73. Dieses Streichquartett entstand im Jahre 1946. Dmitri Schostakowitsch widmete sich erst spät der Gattung des Streichquartetts. Sein erstes Quartett komponierte er 1938, meinte diesbezüglich aber sehr selbstkritisch: »Zu schreiben begann ich es ohne besondere Ideen und Gefühle, überzeugt, dass sowieso nichts daraus werden würde. Das Quartett ist nämlich eines der schwierigsten Musikgenres.« Dann aber folgte ein Quartett dem nächsten, bis es schließlich 15 Quartette waren. Das letzte Streichquartett entstand 1974. Die Uraufführung war am 16. Dezember 1946 in Moskau. Gespielt wurde sie durch das Beethoven-Quartett, dem dieses Werk auch gewidmet wurde. Die erste Aufführung im Wiener Konzerthaus erfolgte am 20. Februar 1989 durch das Glinka- -Arenkow-Quartett. Bisher wurde Dmitri Schostakowitschs drittes Streichquartett in F-Dur 17 Mal im Wiener Konzerthaus aufgeführt. Unter anderem vom Borodin-, Hagen- und Belcea Quartet(t). Welche Bedeutung hat denn die Gattung des Streichquartetts im Schaffen von Dmitri Schostakowitsch? Da interpretiere ich mit meiner Art. interpretiere ich mit meiner Art. Schostakowitsch ist so bescheiden. Er schreibt nur ein Quartett weniger als Beethoven. Kannst du auch etwas zur Entstehungsgeschichte und dem Kontext des dritten Streichquartetts erzählen, Antonia? 1946 komponiert, war dann irgendwie der Schrecken des Zweiten Weltkrieges gerade vorbei. Und diese Form oder diese Struktur ist fast wie eine Bogenform, obwohl der vierte Satz, also der langsame Satz, dieses wie ein eigentlich musikalisches Requiem Attacca in den letzten Satz, den fünften Satz, übergehen. In der Mitte ist ein schneller, ein ganz charakteristisch brutaler Satz, was man auch zu diesen Stilelementen vielleicht noch hinzufügen kann. ist dieses Verhältnis zu dem Marschthema im zweiten Satz, der aber doch irgendwie parodistisch wirkt in Bezug auf die marschierenden Soldaten, die dann zum Glück das irgendwie... schon abgeschlossen hatten zu dieser Zeit. Im ersten Satz gibt es dann doch wieder irgendwie dieses beschwingte, fast tanzartige, rhythmische Element. Und eigentlich ist für mich dieses ganze Stück, es hat so leichte, witzige Elemente und diesen wirklich furchtbar emotionalen und traurigen vierten Satz. Wir spielen jetzt aus dem dritten Satz ein 2. Geigen-Solo. Und das soll ein bisschen diesen maschinellen Charakter veranschaulichen, in dem dieser Satz gehalten ist. Und wie interagieren die einzelnen Stimmen bei Schostakowitsch, Xiang? Bei Schostakowitsch finde ich es besonders, da gibt es so viele Kontraste zwischen gegenseitig, gemeinsam und allein. Also diese Stelle, wo ich später vorspielen werde, finde ich immer, ich stehe mich so wie auf die Bühne. In jedem Konzert finde ich so, ist die Bühne plötzlich so dunkel und nur, kein einsames Licht auf mich scheint. Aber das ist nicht die einzige Stelle für dieses Stück. Und wenn wir reden von Schostakowitsch zur Einzelstimme, das würde ich sagen, sogar bei Schostakowitsch manchmal, das kann ich manchmal auch an Haydn denken. Manchmal bei Schostakowitsch ist es wirklich so postmodern. Es kann manche Sachen so... so modern wie Rockmusik. Und zum Beispiel der letzte Satz vom dritten Steinquartett, für mich ist so Jazzmusik auch drinnen. Und der vierte ist Choral drinnen. Und der erste Satz ist wie Filmmusik. Aber wenn man genau in der Probe so quartetttechnisch zu sehen, das ist nichts anderes als Haydn. Finde ich. Und damit, was wir in der Wiener Schule gelernt haben, ich glaube, das können wir alle in Schostakowitsch, also Steichquartettprobe, können wir gut benutzen. Wir spielen jetzt eine Stelle, auch vom letzten Satz des Schostakowitsch dritten Quartetts. Das wäre eine Stelle, zum Beispiel ein Beispiel, dieser freche Pizzicato, also mit ein bisschen von Jazzmusik inspiriert. Wir spielen jetzt eine Stelle aus dem fünften Satz aus Schostakowitschs Streichquartett und das ist eigentlich ein ganz guter Kontrast zwischen diesen aufregenden maschinellen Begleitfiguren und dem Requiem, das irgendwie noch mitschwingt. Und welchen persönlichen Zugang habt ihr zu dem Werk? Also Xiang hat schon ein bisschen ausgeführt. Es ist einerseits diese Kontraste, jeder Satz ist anders, jeder Satz hat sein Unikum. Andererseits spielt man auch noch Papa Haydn ein bisschen in der Musik, gleichzeitig die Postmoderne. Hast du noch irgendwelche Geheimnisse oder versteckte Botschaften für dich entdeckt, Antonia? Sehr gute Frage. Also der Schostakowitsch für mich persönlich war dieses dritte Streichquartett eins der ersten Quartette, die ich mit dem Simply Quartet einstudiert habe. Das haben wir vor beinahe acht Jahren schon einmal im Repertoire gehabt. Dieses Stück haben wir dann auch beim Nielsen-Wettbewerb und in Bordeaux gespielt und das war natürlich sehr aufregend. Ich kann mich irgendwie noch gut erinnern, dass das für mich immer so einen... ja, das klingt irgendwie falsch, aber fast einen entspannten Stellenwert hatte, also im Kontrast zu den anderen Stücken, weil ich einfach von dieser Reinheit und Klarheit der Akkorde oft sehr mitgerissen bin. Also diese, wir haben uns zumindest in unserer Interpretation für eine eher vibratolose Tongebung entschieden an vielen Stellen. Und das finde ich dann passt so gut dazu, dass die Geigen immer wieder zusammenkommen und auch mit diesem Rahmen, mit dem Cello, dass man diesen Akkord, diese Akkorde sehr klar hört, die Harmonien sehr klar hört und auch diese, zum Beispiel der Anfang vom ersten Satz, eben wie du gesagt hast, fast wie Haydn, so transparent und kein wienerischer Walzer oder kein wienerischer Tanz, sondern ein fast neurotischer. Also das ist jetzt meine ganz subjektive Empfindung. Und das ist einfach für mich so ein spezieller Stil und macht großen Spaß, das zu spielen. Und heute haben wir sogar diesen letzten Satz ein bisschen geprobt vorhin. Und da habe ich mir gedacht, ja, im fünften Satz, das ist wirklich, da kann man fast ein bisschen faul werden oder fast betrunken, wenn man so ein bisschen schwebend mit diesem Triolenrhythmus. Ja, neun Uhr in der Früh. Da wollte Antonia schon, dass wir ein bisschen faul sind Gibt es denn in den beiden Werken Stellen, an und von denen ihr als Musikerinnen und Musiker besonders emotional berührt seid oder die eurer Meinung nach besonders signifikant sind? Zum dritten Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch spielen wir zuerst zwei Stellen vom vierten Satz. Also das Thema beginnt mit eigentlich... Zweiter Geiger, Bratsche und Cello unisono. Und es ist in zehnmal sehr heftig. Also beziehungsweise zehnmal im Barock, wenn man mit Barockmusik so zu beziehen, das ist eine Todestonart. Und am Ende spielt diw Bratsche allein das Thema. Highlights und Zusammenfassung In dieser Folge sprechen Antonia Rankersberger und Xiang Lyu vom Simply Quartet über eine bedeutende Veränderung in ihrem Ensemble. In dieser Folge sprechen Antonia Rankersberger und Xiang Lyu vom Simply Quartet über eine bedeutende Veränderung in ihrem Ensemble. Danfeng Shen kehrt in seine chinesische Heimat zurück und das Quartett begrüßt nun die Jean- SibeLyus-Wettbewerbsgewinnerin Sueye Park als neue erste Geigerin. Wie muss man sich die Suche und den Auswahlprozess eines neuen Mitglieds vorstellen? Wie lange braucht die Entscheidung? Und welche Qualitäten muss die Person mitbringen? Das und vieles mehr ist Inhalt dieser Folge. Im Fokus von On Stage steht das kommende Konzert der Simply Quartet am 12. März im Rahmen von »string.« im Wiener Konzerthaus. Die zweite Geigerin und der Bratschist der Simply Quartet geben anhand von Live -Einspielungen Einblicke in die zarten Farbenspiele von Claude Debussys einzigen Streichquartett. das nicht zuletzt von der Pariser Weltausstellung 1889 inspiriert wurde, und illustriert die fesselnden Kontraste in Dmitri Schostakowitschs dritten Streichquartett, das unter anderem die düsteren Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs verarbeitet. An dieser Stelle noch ein Konzerthinweis, und zwar am 12 .03. mit dem Simply Quartet und am 15 .04. das Zyklusfinale von »string.« mit dem Leonkoro Quartett. Hier nun ein kleiner Ausblick. Beide Ensembles bleiben dem Wiener Konzerthaus auch kommende Saison erhalten. Mehr dazu aber, wenn das Abo 2026 -27 erschienen ist. Damit sind wir auch schon wieder am Ende unserer vierten Folge von »Strincendo«. Meine Gäste waren Antonia Rankersberger und Xiang Lyu vom Simply Quartet. Vielen Dank für das Gespräch, liebe Antonia und lieber Xiang, und natürlich auch dafür, dass ihr mir so frei und offen Rede und Antwort gestanden seid. Falls Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, es noch nicht getan haben, so dürfen Sie uns gerne abonnieren und weiterempfehlen. Unseren Podcast finden Sie jetzt auch auf unserer neuen Mediathek, auf unserer Website. Konzerthaus.at/mediathek in der Rubrik »Hören«, auf YouTube und überall dort, wo es Podcasts gibt. Falls Sie Feedback für uns haben oder Fragen an die Ensembles stellen wollen, schicken Sie uns gerne eine E -Mail an podcast@ konzerthaus.at Damit zum Ausblick: In der fünften und damit letzten Folge von »Stringendo«, dem Podcast zum Streichquartett-Zyklus »string.«, werde ich mit Mitgliedern Fünf Stücke für Streichquartett und Ludwig van Beethovens des Leonkoro Quartetts über das Zyklus-Finale am 15. Streichquartett Opus 131 zur Aufführung gelangen. April sprechen. Damit verabschiede ich mich. Ich bin Barbara Alhuter, Redakteurin des Wiener Konzerthauses, und ich freue mich schon auf die nächste Folge von »Stringendo«. Bis dahin, vergessen Sie nicht, die Saiten Ihres Lebens zum Klingen zu bringen. »Stringendo« Der Podcast des Wiener Konzerthauses zum neuen Streichquartettzyklus »string.«