Bühne frei und Ohren auf!

Das Simply Quartet, das Leonkoro Quartett und der Zyklus »string.« im Wiener Konzerthaus

29.10.2025 55 min Staffel 1 Episode 1

Zusammenfassung & Show Notes

In der Pilotfolge von »stringendo« stellen je zwei Mitglieder des Simply Quartet und des Leonkoro Quartetts, namentlich Xiang Lyu und Ivan Valentin Hollup Roald bzw. die Brüder Jonathan und Lukas Schwarz, sich und ihre Ensembles vor, beleuchten ihren Karriereweg von einer Studierendenformation bis zum preisgekrönten Streichquartett und sprechen über ihren neuen Zyklus »string.« im Wiener Konzerthaus.

Erfahren Sie, was Astrid Lindgren und ein Thai-Restaurant mit Streichquartetten zu tun haben, machen Sie sich mit den beiden Quartetten vertraut und erhalten Sie exklusive Einblicke in das Leben und den Alltag der jungen Künstlerinnen und Künstler! Es wird persönlich, spannend und hörenswert!


Weitere Details zum Zyklus:
https://konzerthaus.at/de/abonnements/string/1625

Werke, aus denen in dieser Podcast-Folge Ausschnitte zu hören waren:
  • Claude Debussy: Streichquartett g-moll op. 10: 3. Satz (Andantino, doucement expressif)
    (=> Empfehlung von Xiang Lyu: z. B. vom Alban Berg Quartett)
  • Bedřich Smetana: Streichquartett Nr. 1 e-moll »Aus meinem Leben« T 116: 3. Satz (Largo sostenuto)
    (=> Empfehlung von Ivan Valentin Hollup Roald: z. B. vom Takács Quartet oder Panocha Quartet)
  • Ludwig van Beethoven: Streichquartett cis-moll op. 131: 7. Satz (Allegro)
    (=> Konzerthaus Empfehlung: z. B. vom Hagen Quartett)
  • Alban Berg: Lyrische: Suite: 4. Satz (Adagio appassionato)
    (=> Konzerthaus Empfehlung: z. B. vom Alban Berg Quartett)

Transkript

LUKAS SCHWARZ Das hat Vor- und Nachteile, vor allem auch gesundheitliche Vorteile. Auch den Vorteil, dass man an Konzertorten nur einen Stuhl suchen muss, der nicht knarzt und der die richtige Höhe hat. MODERATION (MICHAEL STARK) »stringendo« – der Podcast des Wiener Konzerthauses zum neuen Streichquartettzyklus »string.« BARBARA ALHUTER Wie kommt man heute als junger Mensch auf die Idee, Kammermusik zu machen? Was ist nötig, um damit im 21. Jahrhundert Erfolg zu haben? Was haben Astrid Lindgren und ein Thai-Restaurant mit Streichquartetten zu tun? Und was wünschen sich junge Musikerinnen und Musiker von uns als Publikum? Das und vieles mehr erwartet Sie in fünf abwechslungsreichen Episoden von »stringendo«, dem neuen Podcast des Wiener Konzerthauses zum neuen Streichquartettzyklus »string.«. Ich bin Barbara Alhuter, Redakteurin des Wiener Konzerthauses, und ich begleite Sie in und durch die musikalische Welt des Simply Quartet und des Leonkoro Quartetts. Sie wollen die Musikerinnen und Musiker des Simply Quartet und des Leonkoro Quartetts besser kennenlernen und Ihnen vielleicht sogar eigene Fragen stellen? Dann sind Sie hier bei unserem Podcast genau richtig. Freuen Sie sich auf exklusive Einblicke in das Leben und den Alltag der Künstlerinnen und Künstler sowie vor allem auch auf spontane musikalische Einwürfe des Ensembles und genießen Sie einen kurzweiligen Vorgeschmack auf das Programm des neuen Zyklus »string.« In der Pilotfolge stellen sich beide Quartette vor und geben einen Ausblick darauf, was Sie, liebes Publikum, im Zyklus »string.« erwarten wird. In den nachfolgenden Episoden spreche ich jeweils mit einzelnen Mitgliedern eines Quartetts über das jeweils bevorstehende Konzert im Wiener Konzerthaus. Und damit sind wir auch schon bei meinen heutigen Gästen. Das sind Xiang Lyu und Ivan Valentin Hollup Roald, der Bratschist und der Cellist des Simply Quartet, sowie Jonathan und Lukas Schwarz, der erste Geiger und der Cellist des Leonkoro Quartetts. Lieber Xiang und lieber Ivan, schön, dass ihr da seid. Wir drei befinden uns im Neuen Salon des Wiener Konzerthauses. Hallo. Hallo, wir freuen uns sehr! BARBARA ALHUTER Lieber Jonathan und lieber Lukas, auch euch vielen Dank, dass ihr euch heute Zeit genommen habt, virtuell an unserem Gespräch teilzunehmen, und an dieser Stelle herzliche Grüße nach Berlin. JONATHAN UND LUKAS SCHWARZ Schön, dass wir dabei sein dürfen. Hallo. MODERATION (MICHAEL STARK) Off Stage: Einblicke in das Leben und den Quartettalltag der Künstlerinnen und Künstler. BARBARA ALHUTER Das Simply Quartet wurde ja 2008 in Shanghai gegründet. Ihr stammt aus China und aus Norwegen. Eurer Kollege Danfeng Shen stammt ebenfalls aus China. Er spielt die erste Geige. Und Antonia Rankersberger an der zweiten Geige stammt aus Österreich. Das heißt, ihr seid ein sehr international aufgestelltes Ensemble. Könnt ihr euch vielleicht mal kurz vorstellen, vielleicht für jene, die euch noch nicht so gut kennen oder die euch vielleicht auch noch gar nicht kennen. XIANG LYU Hallo, wir sind das Simply Quartet und ursprünglich kommen wir aus Shanghai. Eigentlich haben wir das Ensemble 2008 in Shanghai gegründet, dann ab 2012 – damals waren wir noch vier chinesische Musiker – haben wir angefangen, in Wien bei Professor Johannes Meissl an der mdw zu studieren. Und dann haben sich inzwischen aber leider einige Kollegen entschlossen, die Quartettkarriere nicht weiterzumachen. Manche wollten doch eine andere musikalische Karriere versuchen. Deswegen haben wir ein paar Mal einen Mitgliederwechsel gehabt. Seit 2016 spielt Ivan bei uns Cello und seit 2018 spielt Antonia bei uns zweite Geige. BARBARA ALHUTER Wie war euer Werdegang? Ihr habt ja zahlreiche Wettbewerbe gewonnen. Ihr wart auch mit dem Konzerthaus relativ eng schon verbunden ab 2016. Ihr wart beispielsweise auch Teil der »Great Talent«-Reihe des Wiener Konzerthauses. Das ist ein Programm, das junge Musikerinnen und Musiker featured und fördert. Wie war diese »Great Talent«-Zeit für euch? XIANG LYU Das war ein sehr wichtiger Moment für uns. 2016 haben wir auch angefangen, an ein paar Wettbewerben teilzunehmen. Natürlich hatten wir auch Glück: Wir haben vier ersten Preise gewonnen, aber eigentlich bedeuten heutzutage Wettbewerbe nicht alles für den Beginn einer Karriere. Durch die Wettbewerbe haben wir so einige Konzerte schon bekommen, aber nicht wirklich so viele. Der Impuls, der Karrieredurchbruch war immer noch nicht ganz da eigentlich. Und ich muss sagen, das Wiener Konzerthaus hat uns wirklich, besonders seit »Great Talent« wirklich sehr unterstützt. Wir sind ihm bis heute verbunden. Mit dem Wiener Konzerthaus haben wir wirklich zu einer Kraft gefunden wie von zu Hause. Das ist für uns wirklich sehr wichtig und sehr besonders. IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD Ja und wir sind wie genannt ziemlich international besetzt. Aber mittlerweile fühlen wir uns mehr und mehr zuhause in Wien, Wir fühlen uns also wie einer Wienerisches Quartett. Dann so eine Unterstützung zu bekommen vom Wiener Konzerthaus ist natürlich sehr beitragend dazu, dass wir uns hier wirklich sehr wohlfühlen und dass wir uns weiterentwickeln, seit meinem Beginn im Jahr 2016. Ja, wir sind sehr froh! BARBARA ALHUTER Ich habe auch bei uns in unserer Datenbank kurz recherchiert. Ihr wart seit 2016 schon über 30 Male im Wiener Konzerthaus zu erleben. Wenn man die Konzerte anschaut, in denen ihr hier gespielt habt, fällt eines sofort auf, nämlich Vielseitigkeit. Also, man kann euch in klassischen Kammermusikformaten ebenso erleben wie in Formaten und Angeboten für junges Publikum, in Kinder- und Jugendkonzerten und -Veranstaltungen. Ihr habt Workshops gegeben. Und ihr habt, was mir auch besonders gefallen hat, es gab auch eine Zusammenarbeit mit einem Beatboxer. Wie kommt man denn auf die Idee, Kammermusik mit Beatboxing zu kombinieren? IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD Ich glaube, das war tatsächlich eine Idee vom Konzerthaus für diese Jugendreihe. Aber wir haben uns darüber sehr gefreut, weil wir haben sowas noch nie gemacht. Und seine rhythmische Welt zu entdecken, das war auch sehr interessant für uns. Wir haben natürlich Stücke ausgewählt, die dann gut mit ihm gepasst haben. Ich erinnere ganz gut an die Begrüßung, als wir dann auf die Bühne kamen. Das war eigentlich ganz anders als bei den normalen Streichquartettkonzerte, die wir sonst spielen. Und das war wirklich ein tolles Erlebnis. Natürlich, unsere Hauptsache ist die klassische Streichquartett-Literatur, von Haydn bis heutzutage. Aber ich denke, es ist trotzdem, oder nicht trotzdem, sondern immer, natürlich, sich mit seiner eigenen Zeit immer zu begegnen oder was sich da rührt, auch bei den jungen Leuten. BARBARA ALHUTER Das heißt, diese Vielseitigkeit ist einerseits quasi ein Element eurer Quartett-DNA, es ist euch selbst wichtig. Und es ist wahrscheinlich auch ein bisschen ein Kind der Zeit, oder? Man muss in der heutigen Zeit einfach wirklich vielseitig sein, um sich abzuheben von der Masse, um auch erfolgreich zu sein, um auch immer wieder neues Publikum anzusprechen. XIANG LYU Ja, ich finde einerseits, manchmal muss man ein bisschen vielseitig sein. Andererseits, heutzutage auch die Kunst- und Musikwelt ist auch eine wirklich große Gelegenheit für uns, dass wir vielseitig sein dürfen. Und das finde ich auch, unser Quartett ist ja international eigentlich, auch inhaltlich, und in dem Fall haben wir auch die Chance und die Möglichkeit, uns selber noch weiter zu entdecken. BARBARA ALHUTER Wenn wir jetzt noch einmal zu »Great Talent« auch zurückgehen, ihr wart ja 2020 bis 2022 Teil dieser Reihe. Und man darf aber in dieser Zeit auch nicht vergessen, das deckt sich ja auch mit der Corona-Pandemie. Wie war diese Zeit für euch? Es war ja ein Einschnitt in unser aller Leben. Und natürlich für euch als Musikerinnen und Musiker fehlt ein ganz, ganz essentieller Teil, nämlich das Publikum. Wie seid ihr mit dieser Situation umgegangen? IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD Ja, das war natürlich eine seltsame Zeit als ausübender Musiker. Am Anfang haben wir eine ziemlich lange Pause gehabt, glaube ich. Und ich erinnere mich, dass wir nur zu viert zusammen kamen nach, wie lange war das? Ein, zwei Monaten oder so. Wir haben eineinhalb Stunden geprobt oder so, glaube ich. Normalerweise proben wir vielleicht vier Stunden. Aber das hat so viel Energie ausgelöst. Wir waren schon müde eigentlich, also so warm nach eineinhalb Stunden. Das war wirklich ein besonderes Erlebnis. Also man hat dann die Zusammenkünfte so geschätzt nach so viel stiller Zeit. Wir waren noch Studenten. Also, das hat uns dann so Impulse gegeben, weil das hat dann, glaube ich, bei vielen gefehlt, dass man sich mit Musik beschäftigt, und auch durch eine gewisse Gemeinschaft. Und auch durch die ECMA, die European Chamber Music Academy, die hatten so wöchentliche Lectures oder Workshops. Auch das Konzerthaus hat uns auch sehr unterstützt. Wir haben Streaming-Konzerte gemacht. BARBARA ALHUTER Ihr wart dann aber auch in der nachfolgenden Saison, oder teilweise auch zeitgleich 2021, 2022, Rising Stars der ECHO, also dieses Netzwerks von europäischen Konzerthäusern, das eben auch junge Musikerinnen und Musiker featured. Ihr habt da in ganz Europa auch Konzerte gegeben. Ihr seid also wirklich sehr, sehr gut etabliert. Ihr gebt Tourneen weltweit. Ihr habt eine Gastprofessur im Südosten Chinas. Also kurzum, wahnsinnig erfolgreich und gleichzeitig: Simply Quartet. Wie seid ihr denn zu dem Namen gekommen? XIANG LYU Ja, also den Namen kann heutzutage so vielseitig auch interpretiert werden, weil eigentlich so wie Streichquartett spielen, es ist genug kompliziert eigentlich. Aber ja, vielleicht das Ziel für uns ist am Ende eh alles so simply und alles so ganz natürlich zu halten wie möglich und zugleich auch nicht. Natürlich einerseits ist es einfach, andererseits ist eine Essenz von allem so vielseitig, Vielseitigkeit. Und ja, das ist es einerseits. Aber ich glaube, wenn wir ganz ursprünglich zu dem Namen gekommen sind, da waren wir damals noch in China, so viel jünger. Wir mussten bei einem Wettbewerb teilnehmen. In Shanghai, da gab es quasi so einen Jugend-musiziert-Wettbewerb. Ja,... wir haben uns sehr spät entschieden teilzunehmen. »Aber morgen brauchen wir gleich einen Namen für das Ensemble!«, haben wir gesagt. »Komm, jetzt, wie machen wir das?« Aber dann, ja, es ist so wie heutzutage. Es gibt viele Produktnamen, die »simply« im Namen tragen, so »simply food«, »Simply« irgendetwas. Und dann, wir sagten: »Ja, ›simply‹, warum nicht?« Wir sind zu viert auf der Straße gegangen und sagten: »Oh, schau, »simply« steht da. Nehmen wir einfach »›Simply Quartett‹«! Und ja, da sind wir mit dem Namen zum Wettbewerb gegangen. Leider haben wir damals gewonnen, dann mussten wir den Namen weiter nehmen. (Lacht) BARBARA ALHUTER Da sieht man mal wieder: Der Zufall schreibt das Leben. Und gerade im Bereich des Streichquartetts seid ihr ja da in guter Gesellschaft, auch was diesen Zufall der Namensgebung betrifft, wenn wir an das LaSalle-Quartett denken. Da hat ja auch ein französisches Straßenschild dann den Quartettnamen und Quartettgeschichte geschrieben. Lieber Jonathan, lieber Lukas, euer Quartett ist ja im Vergleich zum Simply Quartet von den Bestandsjahren her gesehen noch relativ jung. Es wurde ja 2019 gegründet. Könnt ihr euch und euer Quartett bitte kurz vorstellen? JONATHAN SCHWARZ Ja, wir sind das Leonkoro Quartett und wir leben zurzeit alle in Berlin. Wir haben hier zusammen studiert und uns auch auf diesem Wege kennengelernt. BARBARA ALHUTER Wollt ihr uns vielleicht kurz schildern, wie ihr auf diesen Namen gekommen seid und was dahinter steckt? Lukas? LUKAS SCHWARZ Also die Namensfindung im Quartett ist, glaube ich, das können sehr viele Quartette bestätigen, nicht die einfachste Aufgabe bei der Gründung eines Quartetts. Der Name, den wir uns ausgesucht haben, stammt aus der Plansprache Esperanto und bedeutet Löwenherz. Mein Bruder und ich sind mit den Kinderbüchern Astrid Lindgrens aufgewachsen und es gab eine Geschichte, die uns ganz besonders berührt hat, und zwar die Brüder Löwenherz, wo es um zwei Brüder geht, die auf eine gemeinsame Reise gehen, ganz platt zusammengefasst. Da haben wir eine schöne Verbindung zu unserer gemeinsamen Reise in der Musik. gesehen. Außerdem hat uns auch der Gedanke gefallen, dass die Plansprache Esperanto ähnlich wie die Musik als universelle Sprache, beziehungsweise, was heißt ähnlich wie die Musik? Esperanto ist als Plansprache gedacht gewesen. Musik ist eine universelle Sprache, die auf der ganzen Welt gesprochen beziehungsweise gespielt wird. BARBARA ALHUTER Und wenn wir jetzt auf euer Quartett blicken: Also, ihr beide spielt die erste Geige und das Cello. Es gibt dann auch noch Amelie Wallner an der zweiten Geige und Mayu Konoe an der Bratsche. Und du, lieber Jonathan, hast gesagt, ihr habt euch im Studium zusammengefunden als Quartett. JONATHAN SCHWARZ Genau, also meinen Bruder habe ich natürlich offensichtlich davor schon kennengelernt (lacht), aber die anderen beiden habe ich hier in Berlin im Studium kennengelernt. Dann kam irgendwann der Wunsch auf, mal Quartett zu spielen. Das ist auch im Zuge des Studiums sozusagen Pflicht, aber eher eine große Freude. Wir hatten das große Glück, dass wir beim Artemis Quartett hier an der Universität der Künste Unterricht bekommen haben. Und dadurch haben wir uns dann sozusagen gefunden. Wir hatten so viel Spaß, dass wir uns sofort zu Meisterkursen angemeldet haben und dann auch relativ bald angefangen haben, in Madrid zu studieren. Ja, dann kam das alles sehr schnell in Bewegung und wir haben Wettbewerbe gemacht. Jetzt sitzen wir hier. BARBARA ALHUTER Wie hat die Tatsache, dass ihr eben Brüder seid, auch das Quartett beeinflusst? LUKAS SCHWARZ Also für uns ist es was sehr Schönes. Wir kriegen sehr, sehr oft die Frage, ob wir uns nicht die ganze Zeit streiten, ob das nicht ganz, ganz schrecklich sei. Und natürlich gibt es Sachen, die man als Geschwister anders handhabt, sag ich mal, als Kollegen. Und dadurch, dass wir in der Kindheit schon wahnsinnig viel Musik zusammen gemacht haben, im Duo, im Trio, im Quartett, im Familienquintett, sind wir es gewohnt, Musik zu machen. Und dann haben wir natürlich uns, als wir angefangen haben zu studieren, auch die meiste Zeit nicht gesehen. Mein Bruder hat in Berlin studiert, ich habe in Leipzig studiert. Wir haben nicht so viel Musik zusammen gemacht und irgendwann kam dann ganz natürlich der Wunsch, wieder zusammen Musik zu machen. Und es ist quasi auch daraus geboren, dass man es, sage ich mal, sehr gewohnt war, gemeinsam Musik zu machen, das eine Zeit lang nicht hatte, dann sich in Berlin wieder gefunden hat. Es ist eine sehr natürliche Sache und das Brüdersein steht dem nicht im Wege, sondern ist eher was sehr Positives, weil man sich halt schon so lange kennt, weil man sich musikalisch sehr gut kennt, weil man weiß, wie man tickt. Ich sage mal so, dass die Früchte, die daraus getragen werden, wiegen mehr als die Differenzen, die man vielleicht als Geschwister so austrägt. BARBARA ALHUTER Das heißt, ihr seid buchstäblich ein eingespieltes Team. LUKAS / JONATHAN SCHWARZ [Lukas] So ist es. / [Jonathan] So ist es. Und ich glaube auch, dass das doch sehr förderlich ist, auch für unser Quartett, und deshalb auch so gut funktioniert hat, obwohl es jetzt noch nicht so lange besteht, weil wir schon so lange spielen. Also im Grunde besteht die Hälfte des Quartetts schon seit 20 Jahren. [Lukas lacht] Und das kann man beobachten bei ganz vielen Quartetten, die viel spielen. Sehr viele Geschwisterpaare, teilweise sogar ganze Geschwisterquartette. Das kann wunderbar funktionieren. Es kann dann natürlich auch schiefgehen, aber das ist auf jeden Fall für uns ein großer Pluspunkt. [Lukas] Wir sind nicht genug Geschwister, um ein Quartett zu machen. BARBARA ALHUTER Eure Quartettgründung fällt ja auch mit der Corona-Pandemie zusammen. Das war eine sehr, sehr intensive Zeit für euch. Wie habt ihr es da geschafft, am Ball, beziehungsweise besser gesagt, am Bogen zu bleiben und eine derart rasante Karriere auch hinzulegen. JONATHAN SCHWARZ Ich glaube, am Ende war die Corona-Pandemie für uns von großem Nutzen. Wir haben die Zeit sehr stark genutzt, um viel zu proben, hinter verschlossenen Türen, sozusagen. Wir haben uns natürlich in dem Moment, wo es von einem Lockdown in den nächsten ging, immer sehr geärgert und waren auch oft frustriert und wussten nicht genau, wie es jetzt weitergeht. Es wurde ein Wettbewerb nach dem anderen abgesagt, Konzerte wurden abgesagt. Aber irgendwie haben wir es geschafft, uns immer weiter gegenseitig zu motivieren. Unsere Lehrer haben auch eine große Rolle darin gespielt. Sie haben uns sehr darin motiviert und auch aufgefordert, ihnen Audioaufnahmen zu schicken, Videoaufnahmen von unserem Spiel. Wir haben digitalen Unterricht gemacht. Irgendwie haben wir einfach die Lust gehabt, die Zeit wirklich zu nutzen und viel zu arbeiten. Und das hat uns am Ende, glaube ich, auch wirklich sehr viel gebracht. Weil wir halt keine Konzerte gespielt haben und weil uns niemand kannte, war dann der, sag ich mal, der Effekt dann am Ende doch ein bisschen einfach größer. Rückblickend hätten wir es natürlich, wenn Corona nicht gewesen wäre, hätten wir es bestimmt anders gemacht. Aber für uns war es am Ende gut, wie es gekommen ist. Ich glaube, dass man sich wirklich Zeit lässt am Anfang eines Ensemble-Aufbaus, bevor man die ersten Wettbewerbe macht, kann ich wirklich nur empfehlen. Und ich würde es auch nicht nochmal anders machen wollen, weil der erste Eindruck ist doch der, der am meisten hängen bleibt bei vielen Leuten. [Lukas] Es ist natürlich so, dass die ganze Zeit, die einem quasi während Corona geschenkt wurde, auch wenn sie teilweise nicht produktiv war, aber diese ganze Zeit, die hat man im Studium ja nie. Und man studiert, man macht bei uns Bachelor, Master und dann steigt man ins Berufsleben ein. Streichquartett bzw. Kammermusik allgemein wird zwar gefördert an Hochschulen, aber das Studium an sich richtet sich ja nicht darauf aus, Kammermusiker zu werden oder Kammermusikerin, sondern eher Richtung Orchester oder Solo. Dadurch, dass wir so viel Zeit hatten, Repertoire aufzubauen, die man sonst im Studium nicht hatte, fiel es uns auch leichter danach, die Entscheidung zu fällen, okay, das machen wir auch professionell weiter, beziehungsweise wir versuchen es. Weil oft ist es einfach schwierig, schon aus Zeitgründen, das überhaupt zu schaffen. Und da hatten wir sozusagen ein kleines Polster. Und dafür sind wir rückblickend natürlich sehr dankbar. Trotz aller negativen Seiten, die die Pandemie natürlich für alle Menschen auf der Welt oder für die allermeisten Menschen auf der Welt hatte, haben wir die Möglichkeit gehabt, das Beste daraus zu ziehen für uns persönlich. Und dafür sind wir sehr dankbar. BARBARA ALHUTER Es ist natürlich auch ein großes Glück für uns als Publikum, dass ihr euch auch wirklich für die Streichquartettkarriere entschlossen habt. Wenn man auf eure Quartettbiografie blickt, ist auffällig, dass ihr ab 2022 wirklich eine Blitzkarriere hingelegt habt. Also es gibt, du, Jonathan, hast das vorhin erwähnt, Corona war zuerst die wettbewerbslose Zeit, als es dann wieder Wettbewerb gab. Habt ihr dann auch einen Preis nach dem anderen abgeräumt, also sei es beim Londoner Wigmore Hall Streichquartett-Wettbewerb, den ersten Preis und neuen Sonderpreise, den Preis im Bordeaux, den MERITO String Quartet Award und so weiter. Auch das Debütalbum von euch mit Ravels Streichquartett und Schumanns Streichquartett op. 41/3 ist davon keine Ausnahme, auch hier zum Beispiel der Preis der deutschen Schallplattenkritik. Neben vielen anderen Preisen. Danach habt ihr euch ja dazu entschieden, an kleinen Wettbewerben mehr teilzunehmen. Wie kam es? LUKAS / JONATHAN SCHWARZ [Jonathan] Ich glaube, irgendwann... [Lukas] Ist auch mal gut. [Jonathan] Nein, also Wettbewerber haben ja den Sinn und Zweck, eine Karriere ins Starten zu bringen und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Und nach den mehreren Wettbewerben, die wir dann gemacht haben, war das dann eigentlich erreicht. Und wir hatten eine wirklich... großartige Agentur bekommen und die haben uns dann auch gesagt, ihr braucht jetzt keine Wettbewerbe zu machen und wir waren aber auch an einem Punkt, wo es nervlich, glaube ich, nicht mehr ging, noch weiter zu machen. Ich glaube, es kann dann irgendwann auch kontraproduktiv werden. Der Druck wird natürlich immer größer; nach einem ersten Preis oder nach mehreren ersten Preisen muss dann natürlich der nächste Wettbewerb auch gewonnen werden. Und mit diesem Druck umzugehen, ist schon sehr schwierig. Wir waren an einem Punkt, wo wir wirklich genügend Konzerte dann bekommen haben und wo wir wirklich das Gefühl haben, jetzt haben wir die große Chance, uns zu etablieren und dann brauchen wir keinen Wettbewerb jetzt zu machen. [Lukas] Klar, man darf wirklich auch natürlich, wie Jonathan sagte, den Druck von solchen Wettbewerben nicht unterschätzen. Und gerade nach einer Zeit, in der man quasi nie auf der Bühne stand. Wir haben bei unseren Wettbewerben unsere erste richtige große Bühnenerfahrung gesammelt, das muss ich mir auch immer wieder bewusst machen. Als wir unsere ersten Wettbewerbe gespielt haben, standen wir davor vielleicht zwei, dreimal auf der Bühne. Und für uns waren die Wettbewerbe am Anfang Mittel zum Zweck, um auf der Bühne zu stehen, weil man das halt während Corona nicht machen konnte. Eigentlich komisch. Insgesamt, ich glaube niemand, also ich würde sagen, jede Person, die sagt, Wettbewerbe bringen ihr Spaß, lügt. [lacht] Ich weiß nicht, ob mir da jemand widersprechen würde. Wettbewerbe sind für die allermeisten Leute, glaube ich, dafür da, um irgendwann keine Wettbewerbe mehr spielen zu müssen. Aber vielleicht ist das auch gerade etwas, was erstrebenswert ist, dass man so auf Wettbewerbsbühnen versucht, einfach eine Konzertsituation zu erstellen, darzustellen. Und da wirken viele Wettbewerbe zurzeit auch zu, weil die sozusagen versuchen, die Quartette über einen längeren Zeitraum abzubilden. Also nicht, dass man eine Runde spielt, dann rausfliegt, zweite Runde rausfliegt, dritte, und dann sind in der dritten Runde drei Quartette im Finale. Sondern es gibt viele Wettbewerbe, die es jetzt so machen, dass man sozusagen längere Programme spielt, länger dabei ist und am Ende, nach drei, vier Runden erst Quartette ausgewählt werden hat fürs Finale, sodass man auf der Bühne richtig das Gefühl hat, man kann sich richtig entfalten und man steht nicht so unter Druck, in diesen zehn Minuten zu liefern oder man fährt nach Hause. Vielleicht war das für uns auch gerade, weil wir dachten, ja wir wollen einfach Konzerte spielen, wir wollen vor Publikum spielen. Vielleicht hatte das sogar einen positiven Einfluss darauf, dass wir dann auf der Bühne beim Wettbewerb uns eher fühlen konnten wie im Konzert. BARBARA ALHUTER Von 2022 bis 2024 wart ihr ja auch BBC New Generation Artists. Wie habt ihr diese Zeit erlebt? JONATHAN / LUKAS SCHWARZ [Jonathan] Es ist eine Riesenehre, BBC New Generation Artists sein zu dürfen oder dass wir das machen durften. Und das hat uns vor allem sehr viel Erfahrung gebracht im Aufnahmebereich. Also wir durften jedes Mal, wenn wir in England oder in London, also vor allem in London waren, Radioaufnahmen machen mit einer Tonmeisterin zusammen, mit der wir wirklich einige tolle Tage verbringen durften. Es gibt auch ein paar Konzert-Engagements, die mit dem Programm kommen. Aber die Hauptsache ist eigentlich, dass man viel aufnehmen darf, viele Radioaufnahmen machen darf, die dann bei BBC 3 im Radio ausgestrahlt werden. Und das ist wirklich nicht zu unterschätzen, weil in England hören wirklich ganz viele Leute diesen Sender. Und wir wurden so oft darauf angesprochen: »Oh, ich habe euch gehört bei BBC!« oder es wurden auch viele Konzerte von uns mitgeschnitten, die wir in England gespielt haben. Natürlich, durch den Wigmore Hall Wettbewerb sind wir über die letzten Jahre sehr viel in England gewesen. Deswegen haben wir eine doch sehr schöne Verbindung mit dem Land und mit dem Publikum aufgebaut, und wir sind wirklich sehr gerne dort. [Lukas] Und auch, das passt ja auch quasi noch zur Frage davor, diese Aufnahmen, das hat Jonathan ja auch schon erwähnt, dass wir viel unseren Lehrern, unseren Mentoren Video- und Tonaufnahmen geschickt haben, statt persönlichen Unterricht zu bekommen. Und das ist auch eine Sache. wo wir dann sehr von der Zeit profitiert haben, in der wir quasi nicht aus dem Aufnahmezimmer raus durften, weil diese Aufnahmen, das selber aufnehmen und immer wieder abhören, ist eine Sache, die einem sehr viel bringt und die uns unser Mentor Günter Pichler auch sehr stark von Anfang an vermittelt hat, bevor irgendwelche Lockdowns waren oder so. So früh in der Karriere, sage ich mal, deswegen ist es ja auch toll, dass junge Künstler:innen da gefördert werden bei BBC, bei den New Generation Artists. Wenn man jung ist und diese Sachen schon lernt, diese Aufnahmen lernt, dass sich immer wieder abhören, dass sich selbst kritisieren und selbst gucken, wo will man was verbessern, das ist unglaublich viel wert einfach für die künstlerische Entwicklung. [Jonathan] Das Tolle, muss ich auch für uns einfach sagen, ist, wir haben jetzt von der Qualität hochqualitative Audioaufnahmen von unseren Spielen und das ist bestimmt auch toll. Da in 10, 20 Jahren mal zurückzuschauen zu können und zu sagen, schau mal, so haben wir das früher gemacht, das war der Anfang unserer Zeit. [Lukas] Was haben wir denn damals gemacht? [Jonathan] Nein, aber das ist ja auch ein großer Luxus, diese Möglichkeiten zu haben, solche Studio- , wirklich Studio-Qualitätsaufnahmen machen zu dürfen. Wir haben wirklich am Ende kein Repertoire mehr gehabt, wir hätten gerne noch mehr spielen wollen, aber wir verstehen natürlich auch, dass man nicht Stücke mehrmals aufnehmen kann fürs Radio, auch wenn wir es gerne gemacht hätten. Aber das ist natürlich auch ein Riesenglück, dass man das hat. Das ist auch sehr wertvoll. [Lukas] Ich meine, das kennen wir jetzt noch nicht, aber wenn man irgendwann mal Stücke wieder spielt, ich meine, das erzählen uns Kolleginnen und Kollegen aus älteren Quartetten öfter, dass, wenn man sozusagen ein Stück nach zehn Jahren wieder auf die Bühne bringt, eines, was man vor zehn Jahren gespielt hat, dass das dann ganz einfach eine ganz neue Angelegenheit ist. Ich freue mich schon, in zehn Jahren die Stücke zu hören, die wir damals als New Generation Artists aufgenommen haben, weil das, glaube ich, auch einfach sehr lehrreich ist. MODERATION (MICHAEL STARK) Der Kurzfragenblock. BARBARA ALHUTER Nun zu einer meiner persönlichen Lieblingsrubriken auch unseres »stringendo« -Podcasts, unserem Kurzfragenblock. Wer mag denn von euch beginnen? JONATHAN SCHWARZ Ich kann beginnen. BARBARA ALHUTER Gut, Jonathan. Erste Frage: Früher Vogel oder Nachtäule? JONATHAN SCHWARZ Früher Vogel. BARBARA ALHUTER Zweitens: Kaffee oder Tee? [Jonathan] Tee. [Barbara] Drittens: Stadt oder Land? [Jonathan] Land. [Barbara] Viertens: Kochen oder essen gehen? JONATHAN SCHWARZ [lacht] Essen gehen. BARBARA ALHUTER Und das letzte Begriffspaar: Sehen oder hören? [Jonathan] Hören. [Barbara] Vielen Dank. Nun zu dir, lieber Lukas. Erste Frage: Spotify oder Vinyl? [Lukas] Vinyl. [Barbara] Zweitens: Vorspeise oder Nachspeise? LUKAS SCHWARZ Vorspeise. Vorspeise. BARBARA ALHUTER Drittens Spaziergang oder Fahrradfahren? [Lukas] Spaziergang. [Barbara] Viertens: Katze oder Hund? [Lukas] Hund. [Barbara] Und fünftens: »Herr der Ringe« oder »Harry Potter«? LUKAS SCHWARZ Also, ich bin mit beidem aufgewachsen. Was mich nachhaltiger beeinflusst hat, ist »Harry Potter«. BARBARA ALHUTER Und wer mag denn von euch beginnen? [Xiang]Ich. [Barbara] Xiang, super! BARBARA ALHUTER Früher Vogel oder Nachteule? [Xiang] Nachteule. [Barbara] Kaffee oder Tee? [Xiang] Kaffee. [Barbara]Stadt oder Land? [Xiang] Stadt. [Barbara] Vierte Frage: Kochen oder essen gehen? XIANG LYU Essen gehen. [Barbara] »Herr der Ringe« oder »Harry Potter«? IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD »Herr der Ringe«. BARBARA ALHUTER Xiang, weil du vorhin das Thema Energie angesprochen hast, leite ich jetzt gleich über zu einer Konzertkritik von euren Konzerten, die mir besonders gut gefallen hat. Eine Stelle, die einfach sofort vor Augen führt, was das Besondere an euch ist. Da steht: »Sie legten einen so atemberaubenden Auftritt hin, dass am Ende das Publikum vor Begeisterung trampelte.« Das ist einfach wunderschön, weil man einfach diese Begeisterung sofort spürt, einfach durch diese Worte. Wenn man euch vielleicht noch nicht im Konzert erlebt hat, glaube ich, hilft das auch dem Publikum jetzt, das den Podcast anhört, sehr gut, sich die Lage vorzustellen. Wie gelingt es einem denn in der heutigen Zeit, das Publikum so zu fesseln oder in dem Zusammenhang eigentlich zu entfesseln? XIANG LYU Ich weiß selber auch nicht, wie es funktioniert, aber manchmal im Konzert finde ich immer, es gibt, es gibt einen, so wie man in der Jazzmusik sagt, es gibt einen Groove. Bei Kammermusik selber, im Streichquartett zwischen uns vier gibt es das sowieso manchmal, man muss selber loslassen. Lass es gehen und lass es sich entwickeln, bis der Groove kommt. Es liegt nicht an einer langfristigen Entwicklung, sondern das kann auch in einer Probe sein. Das gibt es natürlich auch in einem Konzert. Und manchmal, langsam, in manchen Konzerten finde ich auch diesen Groove zwischen dem Publikum und uns. Ich finde, es gibt einen Moment für mich manchmal; in manchen Konzerten ist plötzlich, selbst in einem großen Kammermusiksaal mit 400, 500 Menschen im Publikum. Und man bekommt das Gefühl, die Bühne ist kleiner geworden. In dem Moment wirkt die Bühne für mich fast wie mein Wohnzimmer. Also ich meine, ich meine wie mein Wohnzimmer, weil in dem Moment, ich finde, das Publikum sitzt nicht mehr ein paar Meter weit weg, sondern es sitzt jetzt wie bei mir zu Hause auf dem Sofa. In so einer Situation, in so einer Atmosphäre, können wir so ganz ruhig sein und so spielen, als würden wir eine Geschichte oder ein Gedicht erzählen oder vorlesen. In dem Fall natürlich, das Musikalische, also Künstlerische bleibt immer spannend, aber die Atmosphäre ist gleichzeitig sehr entspannt und natürlich. Und ja, das ist für mich ein Wunder, eine Magie zwischen dem Publikum und uns. Und das kommt manchmal oder oft in einem Konzert. Aber natürlich kann man es sich auch nicht nur so wünschen. Es wird auch nicht immer das so kommen, sonst ist da auch keine Magie mehr. BARBARA ALHUTER Sehr schön. Das heißt, man merkt einfach die Begeisterung auf beiden Seiten. Ihr spielt natürlich mit Freude, freut euch auf das Konzert. Die Besucherinnen und Besucher freuen sich auf euer Tun und das ist einfach ein schönes Zusammenkommen, eine schöne Symbiose. Lieber Jonathan, lieber Lukas, was eure Kritiken betrifft, du, Jonathan, hast das auch schon ein bisschen angesprochen, es gibt ja vielfach Lobeshymnen über euer Tun. Ich darf da zwei herausgreifen. Einerseits hat Alfred Brendel schon vor Jahren über euch gesagt, ihr seid »schon heute eines der allerbesten Quartette: ausgewogen, farbig und originell«. Und eine andere Konzertkritik schreibt: »Das Leonkoro Quartett hat eine enorme Bühnenpräsenz, glüht für die Musik, fährt volles Risiko und verblüfft durch das Einfühlungsvermögen in die jeweilige Klanglichkeit des Stückes.« Und zudem wird auch eure Bühnenpräsenz immer wieder gelobt, was wahrscheinlich nicht zuletzt auch daran liegt, dass ihr eure Konzerte nicht sitzend, sondern im Stehen spielt. Wie seid ihr darauf gekommen? JONATHAN SCHWARZ Dass wir im Stehen spielen, das war gar nicht so richtig geplant [lacht]. Wir haben uns natürlich am Ende schon bewusst dafür entschieden, aber es kam eher natürlich daher, dass wir beim Artemis Quartett angefangen haben zu studieren oder unseren ersten Unterricht bekommen haben. Und das Artemis Quartett hat die letzten, ich glaube, zehn Jahre oder 15 Jahre im Stehen gespielt; und deswegen spielen viele Ensembles in Berlin im Stehen; und für uns war das gar keine Frage, wir haben tatsächlich noch nie im Sitzen ein Konzert gespielt. Ja, wir haben dann schon am Anfang gemerkt, dass da viele sehr skeptisch waren, aber irgendwann haben das, glaube ich, auch alle akzeptiert und es ist auch mittlerweile, sag ich mal, ein bisschen mehr zur Mode geworden oder es machen mehr Quartette mittlerweile, weil es auch wirklich gewisse Vorteile mit sich bringt. Klar, mit dem Stehen hat man einfach ein bisschen mehr Bewegungsmöglichkeiten vielleicht auch. Es birgt natürlich auch ein bisschen die Gefahr, dass jeder sich so ein bisschen zu viel bewegt oder dass es nicht ganz koordiniert ist. Wir haben uns auch viel auf Video aufgenommen und auch wirklich geschaut, wie schaut es aus, wie wir uns bewegen und so. Also das muss auch trainiert sein. Ja, aber wir freuen uns natürlich über diese tollen Kritiken und auch von solchen Persönlichkeiten wie Alfred Brendel, der ja jetzt leider verstorben ist, aber der uns so geschätzt hat. Und das ehrt uns natürlich unglaublich und freut uns und motiviert uns natürlich auch diesen Weg weiter zu gehen. [Lukas] Wenn ich mich dazu äußern darf, als sitzender Cellist. Also ich glaube, ich würde einfach allen Ensembles empfehlen, beides einmal auszuprobieren. Und wir spielen alles im Stehen, was Quartett betrifft. Wir spielen ja aber auch oft Quintette, Sextette, Oktette. Und da spielen wir nicht immer im Stehen. Wie Jonathan gesagt hat, es hat Vor- und Nachteile, vor allem auch gesundheitliche Vorteile. Auch den Vorteil, dass man an Konzertorten nur einen Stuhl suchen muss, der nicht knarzt und der die richtige Höhe hat. Das muss dann nur ich tun. Und es hat einfach praktische und gesundheitliche Vorteile. Wir sind da keine ideologischen Verfechter des auf der Bühne Stehens. Wir haben für uns nur die Vorteile irgendwie rausgearbeitet und fahren damit ganz gut. BARBARA ALHUTER Ja, es ist ja auch schön, wenn man sich auch die Freiheit nehmen kann, eben das zu tun, wo man sich am wohlsten fühlt. Darum geht es ja auch in der Musik. Es soll ja authentisch sein und ihr sollt euch ja auch wohlfühlen. Und genau das wird ja dann auch dem Publikum vermittelt. LUKAS SCHWARZ Klar, dafür mögen wir auch das Streichquartettspielen generell. Also man hat einfach sehr viele Entscheidungsmöglichkeiten. Und dazu gehört auch, ob man steht oder sitzt. Das kannst du im Orchester nicht frei entscheiden. [lacht] BARBARA ALHUTER So ist es, ja. MODERATION (MICHAEL STARK) Kammermusik ist seit jeher eine Säule im Programm des Wiener Konzerthauses. In der Geschichte des Hauses sind inzwischen über 500 Streichquartettformationen aufgetreten. Die Grundpfeiler für die Kammermusik im Wiener Konzerthaus setzte das 1882 gegründete Rosé-Quartett, das noch Werke von Johannes Brahms und Arnold Schönberg zur Uraufführung brachte. Es trat 224 Mal im Wiener Konzerthaus auf, bis es sich 1936 auflöste und 1939 im Londoner Exil wieder neu formierte. Daraufhin führte das Wiener Konzerthausquartett die Tradition weiter. Auch dessen Mitglieder stammten übrigens, wie zuvor auch diejenigen des Rosé-Quartetts, aus den Reihen der Wiener Philharmoniker. Ebenso verhält es sich mit dem von Walter Weller gegründeten Weller-Quartett, das zwischen 1961 und 1966 ganze 33 Streichquartettabende im Mozart-Saal gestaltete. 1971 begann schließlich der Zyklus des legendären Alban Berg Quartetts, das bis 2008 unglaubliche 280 Auftritte im Wiener Konzerthaus absolvierte. 1988 wurde es auch zum Ehrenmitglied der Wiener Konzerthausgesellschaft ernannt. Und die Tradition setzt sich bis heute fort, zumal das Alban Berg Quartett doch die meisten der heute aktiven Quartette nachhaltig geprägt hat. Dies schließt auch das Simply Quartet und das Leonkoro Quartett mit ein, ebenso wie das Belcea Quartet, das mit Quatuor Ébène einen Zyklus gestaltet. Ebenfalls anzuführen ist das Quatuor Mosaïques, das sich der historischen Aufführungspraxis verschrieben hat und inzwischen sein 40-jähriges Bestehen feiert. Und natürlich ist das Hagen Quartett seit Jahrzehnten eine tragende Säule des Kammermusikgeschehens des Wiener Konzerthauses. Es ist seit 2012 Ehrenmitglied und beendet mit dieser Saison seine Karriere. Wie Sie sehen, der neue Streichquartettzyklus »string.« der beiden jungen Formationen des Simply Quartet und des Leonkoro Quartetts bildet ein weiteres Mosaik in der schillernden und namhaften Streichquartettwelt des Wiener Konzerthauses. BARBARA ALHUTER Ich habe eingangs erwähnt, dass ihr bereits mehrmals im Wiener Konzerthaus zu erleben wart. Du, lieber Lukas, hast vorher Günter Pichler erwähnt, der ja mit dem Alban Berg Quartett im Mozart-Saal jahrzehntelang einen eigenen Zyklus hatte. Wie ist es jetzt für euch mit dem Simply Quartet im Wiener Konzerthaus einen eigenen Zyklus zu haben? LUKAS SCHWARZ Für uns war es ganz besonders aufregend, weil wir erstmal Wien als Stadt ganz toll finden und immer gerne da hinreisen, sei es für Konzerte oder nicht. Und den Zyklus im Konzerthaus zu bekommen, war natürlich für uns, ich würde sagen, eigentlich das Highlight unserer Quartettkarriere. So ein Zyklus bedeutet ja so viel mehr als einfach nur ein, zwei Konzerte in dieser Saison, sondern es bedeutet eine Verbundenheit mit einem Haus, mit einer Institution, die viel größer und älter ist als man selbst. Und sozusagen, dass da von der Seite aus diese Verbundenheit irgendwie manifestiert werden soll, ist für uns eine große Ehre. Gleichzeitig natürlich, wie du erwähnt hast, irgendwie ... Hagen Quartett, Belcea, Ébène, Alban Berg Quartett, all diese großen Namen, die da auf der Bühne stehen und die da Zyklen haben, sind natürlich große, große Vorbilder für uns, auch schon immer gewesen, auch bevor wir schon Streichquartett überhaupt angefangen haben zu spielen. Auf den Brettern, sag ich mal, zu stehen, wo diese Leute standen und stehen, ist für uns die größtmögliche Ehre. BARBARA ALHUTER Und wie sind eure Gedanken hierzu, lieber Ivan? IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD Eine Traumsituation und eine große Ehre, weil wir auch in Wien zuhause sind, ein Raum oder Möglichkeit uns auf unsere Heimatbühne immer zu präsentieren und immer Ziele für Weltentwicklung, auch mit diesem neuen Konzept, weil es dann ein neues Format ist. Wir freuen uns einfach auch unserem Publikum hier noch näher zu kommen, ja, viel verschiedene Musik zu teilen und viele weitere Momente. BARBARA ALHUTER Seit wann kennt ihr das Leonkoro Quartett und gab's vielleicht auch schon früher Zusammenarbeiten? Oder ist das etwas ganz Neues? IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD Ja, Leonkoro, ich glaube wir haben es das allererste Mal in Südtirol getroffen, bei einem kleinen Festival in Völs. Wir haben keine Stücke gemeinsam gespielt, wir haben einander zugehört. Und dann, fast ein Jahr später, haben wir zusammen gespielt beim Rheingau Festival. Dann haben wir Streichsextette gespielt, also von Strauss, ein kleines Capriccio, und Brahms. Also wir freuen uns auch sehr, dass sie auch mit uns diesen Zyklus machen, weil vielleicht gibt es dadurch auch mehr Möglichkeiten, sich auszutauschen. Wir sind beide zwei junge Quartette und wir schätzen sie auch sehr. Ihr Feuer auf der Bühne, und wirklich so ein Zusammenhalt, so eine gemeinsame Energie, viel Inspiration. Ja, weil wir reisen viel herum, wir vier, aber wenn man sich dann mit einem anderen Quartett trifft, dann hat man so viele Sachen, so viele Geschichten oder Erfahrungen auszutauschen. Ja, man kann viel voneinander lernen. BARBARA ALHUTER Und während ja das Simply Quartet Wien als seine Quartettheimat auserkoren hat, ist euer Sitz ja in Berlin. Jetzt eine ganz plakative Frage: Inwiefern unterscheidet sich denn das Wiener Publikum vom Berliner Publikum? LUKAS SCHWARZ Klar merkt man in Wien, finde ich, ganz besonders, dass generell in der Stadt und sowieso, wenn man ums Konzerthaus ist, dass das Publikum ein unglaubliches Wissen hat. Das merken wir schon, würde ich sagen, wenn wir in Wien sind, dass man einfach ein Publikum vom Fach hat. Und natürlich sind das immer nicht alle und auch immer unterschiedliche Art und Weise. Da sitzt dann teilweise ein Günter Pichler. Ich glaube, einen größeren Experten gibt es nicht. Da sitzen natürlich aber auch Leute, die vielleicht nicht so oft oder gar nicht im Konzert sind. Insgesamt hat man in Wien immer das Gefühl, finde ich, dass man irgendwie unter Kennern sitzt, und das ist schön. Wien ist ja auch generell für die klassischen Musikkomponisten, Jonathan meinte schon, und auch für Streichquartett ein wichtiges Zentrum und ein wichtiger Ort. Und allein das gibt einem irgendwie so ein Flair, was einen im besten Sinne des Wortes ehrfürchtig macht, also, was einen motiviert und was irgendwie einen schönen Einfluss hat. Auf das einzelne Publikum, auf die einzelnen Menschen will ich das auch ungern beziehen, weil da müssen wir die Leute noch kennenlernen und dafür ist der neue Zyklus ja jetzt eine gute Möglichkeit, um auch mit den Leuten wirklich ins Gespräch zu kommen und kennenzulernen. Und dann können wir in einem Jahr darüber reden, wie unterschiedlich das Publikum ist. [Jonathan] Aber was man natürlich sagen kann, ist, dass das Wiener Konzerthaus natürlich, also ich kenne kein Konzerthaus in der Welt, glaube ich, was so eine Kammermusiktradition und ein Bewusstsein für Kammermusik hat, das gibt es in Berlin nicht. Und dadurch ist natürlich das Publikum ganz natürlicherweise in Wien vielleicht einfach mehr bewandert, was die Kammermusik betrifft. Also wir haben in Berlin hier nicht, es gibt natürlich Quartettreihen, Kammermusikreihen, aber es gibt keine Zyklen oder wirklich ein so ausgeprägtes Angebot an, vor allem an Streichquartetten. [Lukas] Das stimmt. Und ich meine, allein, dass ein neuer Zyklus mit jungen Quartetten jetzt ins Leben gerufen wird, das ist ein großartiges Zeichen an die Musikwelt, weil, ich meine, wir wohnen in Berlin und wir sind in Wien nur zu Gast, aber wir fühlen uns schon sehr willkommen und sehr offen empfangen in Wien mit diesem Zyklus und generell immer. MODERATION (MICHAEL STARK) Der neue Zyklus featured die erfolgreichen jungen Ensembles des Simply Quartet und des Leonkoro Quartetts. Jedes Streichquartett ist mit zwei Konzerten vertreten. In Summe erwarten Sie also vier Konzerte. Die Konzerte beginnen konträr zu den meisten anderen Veranstaltungen jeweils bereits um 18.30 Uhr. Sie dauern auch nur eine Stunde, finden ohne Pause statt und werden von den Künstlerinnen und Künstlern selbst moderiert. Der aktuelle Podcast »stringendo« dient der lockeren Einführung. Sie können sich einfach zurücklehnen und ganz entspannt eine Konzerteinführung genießen. Die Podcastfolgen sollen aber natürlich nicht das Live-Erlebnis ersetzen. Deshalb nützen Sie die Gelegenheit und kommen Sie zu den »string.«-Konzerten im Schubert-Saal des Wiener Konzerthauses. Es erwartet Sie ein abwechslungsreiches Programm, das Streichquartette von Joseph Haydn bis Dmitri Schostakowitsch umfasst und damit Highlights aus über 150 Jahren Musik- bzw. Streichquartettgeschichte präsentiert. Für weitere Informationen sowie den Abo- oder Einzelkartenkauf besuchen Sie die Website konzerthaus.at oder wenden Sie sich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ticket- und Service-Centers. BARBARA ALHUTER Wenn wir jetzt quasi auf die Bühne wechseln, direkt zu eurem Zyklus, lieber Xiang, lieber Ivan, eure Konzerttermine im »string.«-Zyklus im Wiener Konzerthaus, das sind ja im November, am 21. November und dann auch am 12. März. Und ihr habt ein sehr abwechslungsreiches Programm für die Besucherinnen und Besucher mitgebracht. Also während wir im ersten Konzert zur Quartettwiege zurückkehren, also mit Haydns Quartetten beginnen, folgt dann Smetana, Smetanas Streichquartett »Aus meinem Leben«, das ja auch autobiografische Züge trägt. Und im zweiten Konzert sind wir dann bei Claude Debussy und Schostakowitsch. Also wir haben hier klassisches Repertoire, tschechische Töne, französischen Impressionismus und wir haben auch russische Quartettklänge des 20. Jahrhunderts. Hättet ihr Lust, uns Lieblingsstellen im Zyklus vorzuspielen? XIANG LYU Ich spiele gerne eine Melodie vom dritten Satz von Debussys Streichquartett, aber eigentlich kann ich die Stelle nicht unbedingt als meine Lieblingsstelle bezeichnen, eigentlich ist einfach der ganze Satz mein Lieblingssatz. Aber mit der Bratsche gibt es nur diese Stelle, die vielleicht am besten passt, um sie in dieser Situation einmal vorzuspielen. IVAN VALENTIN HOLLUP ROALD Ich habe eine Stelle von Smetanas Quartett gewählt. Auch von dem dritten Satz, direkt vom Satzanfang, denn da spielt das Cello sowieso allein, und ist ein ganz besonderer Moment. BARBARA ALHUTER Wir dürfen Ihnen an dieser Stelle, liebes Publikum, auch verraten, dass es auch in unserer nächsten Podcast-Folge ganz genau und detailliert um das Programm, um das bevorstehende Konzert von euch geht, und man dann auch wieder nähere exklusive Einblicke bekommt, was das Programm betrifft, eure Herangehensweise und die Werke an sich. Lieber Jonathan und lieber Lukas, eure Konzerttermine im string.«-Zyklus im Wiener Konzerthaus, sind am 15. Jänner und am 15. April. Ihr widmet euch im ersten Konzert Alban Bergs »Lyrischer Suite« und Felix Mendelssohn-Bartholdys Streichquartett op. 13 und im zweiten Konzert hingegen Erwin Schulhoffs »Fünf Stücken« und Ludwig van Beethovens Streichquartett op. 131. Das heißt, ihr kombiniert zwei Werke der 1920er-Jahre, also namentlich eines von den zwei Quartetten aus der Feder Alban Bergs, das als Meisterwerk der Gattung gilt, und Schulhoffs »Fünf Stücken« für Streichquartett mit klassisch-romantischen Repertoire. Lukas, was wäre denn dein Lieblingswerk im Zyklus? LUKAS SCHWARZ Ich habe mir ausgesucht aus dem letzten Satz – das Opus 131 von Beethoven hat sieben Sätze, was ja eine sehr ungewöhnliche Satzanzahl ist. Und diese Sätze gehen alle ineinander über, attacca, sprich ohne Pause. Es gibt keine Satzpausen, wo man husten kann, sondern es wird einfach direkt weitergespielt. Und wenn man im siebten Satz angekommen ist, endlich, dann geht es nochmal richtig los mit einem unglaublichen Unisono von allen vier Stimmen. Und ich finde diesen Moment einfach, gerade weil der Satz davor sehr schwermütig und extrem emotional und langsam ist, und dann attacca, das werden Sie ja im Konzert hören, es geht quasi direkt aus diesem langsamen Satz in den schnellen Satz mit einem Schlag, ohne dass man es erwarten würde. Und diesen Moment würde ich gerne einmal vorspielen. JONATHAN SCHWARZ Ich würde aus der »Lyrischen Suite« den vierten Satz, das Ende, machen. Diese Stelle, die ich mir rausgesucht habe, ist eine ganz besondere, weil der ganz kurz vor dieser unglaublich schönen und gleichzeitig auch irgendwie, ja, also es geht ja um eine Liebesgeschichte und kurz vor dieser Stelle, die ich jetzt gleich vorspielen will, kommt der absolute Höhepunkt und Klimax des ganzen Werkes eigentlich, wo es wirklich, also alles rauskommt sozusagen. die absolute Verzweiflung oder eigentlich der Höhepunkt ihrer Liebe, eine verbotene Liebe dargestellt wird. Und danach kommt eine unglaublich zarte und sehnsüchtige Melodie, bevor dann der fünfte Satz, also Liebeskummer und Verzweiflung und Herzrasen kommt, nochmal so ein unglaublich inniger Moment. Und der ist für mich im Konzert eigentlich immer mit eines der schönsten Momente. BARBARA ALHUTER Das als kleiner Vorgeschmack. Die vollständigen Werke, also Alban Bergs »Lyrische Suite« und auch Beethovens Streichquartett op. 131, können Sie mit dem Leonkoro Quartett am 15. Jänner bzw. am 15. April im Wiener Konzerthaus erleben. Und zudem dürfen wir an dieser Stelle auch verraten, dass sich unsere dritte bzw. auch fünfte Podcast-Folge ganz dem jeweiligen Konzert und vor allem auch eben seinem Programm widmen werden. Hier kann man also noch mehr darüber erfahren und zwar eben vor allem aus Sicht der Mitglieder des Leonkoro Quartetts. MODERATION (MICHAEL STARK) Highlights und Zusammenfassung BARBARA ALHUTER In der heutigen Folge haben wir je zwei Mitglieder des Simply Quartet und des Leonkoro Quartetts, namentlich Xiang Lyu und Ivan Valentin Hollup Roald bzw. die Brüder Jonathan und Lukas Schwarz näher kennengelernt und ihren Karriereweg von einer Studierendenformation bis zum preisgekrönten Streichquartett beleuchtet. Die Musiker haben über ihre Zeit bei Wettbewerben ebenso erzählt wie über ihre Verbindung zum Wiener Konzerthaus. Und zudem haben sie uns verraten, wer eher die Nachteule ist oder bei keinem Essen die Vorspeise auslässt. Und natürlich haben sie einen Vorgeschmack auf ihren gemeinsamen Zyklus »string.« im Schubert-Saal des Wiener Konzerthauses gegeben. Und zwar inklusive musikalischer Kostproben. Das war die Pilotfolge von »stringendo«. Vielen Dank an euch alle vier, lieber Xiang, lieber Ivan, sowie lieber Jonathan und lieber Lukas, dass ihr euch Zeit für unser Gespräch genommen habt, euch sogar eben einerseits in Wien im Neuen Salon getroffen habt oder eben auch remote aus Berlin zugeschaltet habt. Auch an Sie, liebes Publikum, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön fürs Zuhören. Ich hoffe, die Pilot-Episode hat Ihnen ebenso viel Freude gemacht wie uns fünf. Sie dürfen uns gerne abonnieren oder uns Feedback geben zu dieser und den anderen Folgen, die Sie auf unserer Website finden, aber auch überall dort, wo es Podcasts gibt. Und wenn Sie uns Fragen an die Ensembles schicken wollen, dann können Sie das gerne an die E-Mail-Adresse podcast@konzerthaus.at tun. Ausgewählte Fragen werden in jeder Folge gestellt werden. Damit verabschiede auch ich mich. Ich bin Barbara Alhuter, Redakteurin des Wiener Konzerthauses, und ich freue mich schon auf die nächste Folge unseres »stringendo«-Podcasts. Und bis dahin vergessen Sie nicht, die Seiten Ihres Lebens zum Klingen zu bringen. MODERATION (MICHAEL STARK) »stringendo« – der Podcast des Wiener Konzerthauses zum neuen Streichquartettzyklus »string.«